Erkelenz: Heimatverein präsentiert Virtuelles Museum

Online-Projekt : Heimatverein öffnet virtuelles Museum

Drei Jahre lang hat der Arbeitskreis des Heimatvereins mit professioneller Hilfe gearbeitet und viel Geld in die Hand genommen, um nun eine interaktive Pilotversion mit Fokus auf Keyenberg zu präsentieren.

An der Präsentation der weiteren Umsiedlungsorte wird gearbeitet. Ziel ist es, später alle Erkelenzer Ortschaften und ihre Besonderheiten online zu präsentieren und erlebbar zu machen. Einer der Geldgeber des ambitionierten Projektes ist die Kreissparkasse. In deren Räumen in Erkelenz fand die Eröffnung per Mausklick statt.

Die Idee entstand bei einer Tagung über die Heimat in Literatur, Sprache und Kunst auf Hohenbusch, Ideengeber war der Düsseldorfer Professor Helmut Brall-Tuchel. Schnell hatte sich ein Arbeitskreis gegründet, der die planerische und inhaltliche Vorarbeit leistete. Für die professionelle Gestaltung und Nutzbarkeit des virtuellen Museums – zu finden unter www.virtuelles-museum.com – wurde das Unternehmen Minkenberg Medien und Kommunikation gewonnen.

Projektleiter Elmar Bransch erläuterte und demonstrierte den Gästen die Vielfalt des Angebotes. So weist jeder Artikel auf weitere Informationen hin, sodass sich der Besucher weiter vorwärts bewegen und den Ort selbständig erkunden kann. Das Angebot reicht von Videos und Grafiken bis hin zu Sachtexten, persönlichen Storys oder Informationen zu bedeutenden Bürgern des Ortes. Selbst die Teile, die heute auf den Karten als Tagebauloch ausgewiesen sind, bergen noch Informationen. Denn die graue Fläche ist unterlegt mit historischen Flurkarten, die zurückreichen bis in die Zeit der französischen Besatzung.

Dazu gehören jedoch auch virtuelle Rundgänge durch den Ort oder ein Besuch in der Kirche. Dort kann man tun, was man sich sonst nie trauen würde: einfach mal in die Schränkchen schauen und sich die Kirchenschätze genauer betrachten. Wohin man schaut und geht, entscheidet man selbst per Mausklick. „Durch die 3D-Ansicht kann der Ort auch durchwandert werden, wenn es ihn einmal nicht mehr gibt“, erläuterte Bransch. Von „unbegrenzten Möglichkeiten“ sprach der Sprecher des Arbeitskreises, Wolfgang Lothmann, und der Vorsitzende des Heimatvereins, Günther Merkens, fügte hinzu, dass man „nie ganz fertig“ werde. Der Blick sei jedoch nicht nur in die Vergangenheit gerichtet. Vielmehr werde das Museum die Umsiedler auch an die neuen Standorte begleiten und diese ebenfalls dokumentieren.

Harry Voigtsberger von der Stiftung NRW sah in dem virtuellen Museum das Potenzial zum Pilotprojekt für andere Städte. Die Stiftung unterstützt das Museum ebenso wie die Stadt Erkelenz, das Land NRW und der Landschaftsverband Rheinland.

Unter dem Eindruck der aktuellen Entwicklungen um den Hambacher Forst nutzten einige Gäste ihre Grußworte, um Kritik in die eine oder andere Richtung loszuwerden. Landrat Stephan Pusch hob hervor, welche Opfer die Region für die Energiegewinnung gebracht habe. Nun sei zu befürchten, dass sie der Energiepolitik im Falle eines „ungeordneten Rückzugs aus der Kohleverstromung“ zum zweiten Mal zum Opfer fallen werde. Der Landesregierung bescheinigte er im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz zur Räumung des Forsts eine „schwache Leistung“. Vor einem „Ad-Hoc-Ausstieg“ warnte auch Dr. Hans-Heiner Gotzen, seines Zeichens Erster Beigeordneter der Stadt und zweiter Vorsitzender des Heimatvereins. Bei den Betroffenen nun falsche Hoffnungen zu wecken, hieße, ihnen Sand in die Augen zu streuen, erklärte er und wies auf die langen Zeiträume hin, von denen bei einem Ausstieg die Rede sei. „Die Menschen haben ein Anrecht auf Klarheit“, betonte er.

Auch Thomas Schnelle (CDU-MdL) plädierte für mehr Planungssicherheit für die Betroffenen und erklärte, dass Keyenberg bereits zerrissen sei. Mit dem Beginn der Umsiedlung hat das Sterben vor Ort begonnen. Nun sei der Blick zum Beispiel auf die zukünftigen Tagebauanrainer und ihren Abstand zum Restloch zu richten. Stefan Lenzen, der für die FDP im Landtag sitzt, hob den Wert des „Vorzeigeprojektes“ hervor. „Wir verstehen Heimat anders als die Rechtspopulisten“, erklärte er. „Wir dürfen denen das Thema nicht überlassen.“

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