„Fahrdienst für Rollis“: Erhalt der Mobilität hat viel Arbeit gekostet

„Fahrdienst für Rollis“ : Erhalt der Mobilität hat viel Arbeit gekostet

Die Selbsthilfegruppe „Fahrdienst für Rollis“ aus dem Kreis Heinsberg geht nach bewegtem einem Jahr 2019 in die Sicherheit von 2020.

Dass sich der im Kreis Heinsberg bewährte Fahrdienst für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer, für den mehrheitlich das Deutsche Rote Kreuz mit einem sachgerechten Fuhrpark sowie fachlicher Kompetenz seit immerhin 1981 garantiert, dennoch im Frühjahr  2017 nicht nur durch den Kreis Heinsberg gekündigt, sondern darüber hinaus durch den Landrat Mitte Oktober 2018 kurzfristig für 2019 mit einer Modalitätsänderung belegt wurde, fand Erklärung mit vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) angekündigten Änderungen zum 1. Januar 2020.

Da aber hatten die Verantwortlichen die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Initiiert durch ein leidenschaftlich von den Rollstuhlfahrern Michaela Sommereisen und Norbert Voigt (beide aus Hückelhoven) verfasstes Beschwerdeschreiben an die Kreisverwaltung wurde auch die Mehrzahl der etwa 500 betroffenen Menschen aus den Reihen der Schwerbehinderten mit dem Merkzeichen „aG“ (außergewöhnlich gehbehindert) wachgerüttelt. Diese suchten fortan nicht nur die Öffentlichkeit, sondern forderten parallel den Landrat auf „die durch die neue Verordnung erheblich eingeschränkte Teilhabe (nur noch 1000 Euro im Jahr) am gemeinschaftlichen Leben zu stoppen und das ursprüngliche Modell (48 Fahrten im Jahr zu je 35 Kilometer) des Behindertenfahrdienstes wieder einzusetzen“.

Und Landrat Stephan Pusch schenkte den „aGlern“ vier Tage vor Weihnachten 2018 Gehör, „zog die Reißleine“ und erklärte „die Angelegenheit zur Chefsache“. Mit der Folge, dass im Jahre 2019 zwei Leistungsbezüge möglich wurden – die altbewährte Sachleistung auf Kilometerbasis sowie die des Geldkontingents (diese allerdings nur als Übergangslösung).

Dadurch ausgelöst, brach die Zeit der hektischen Arbeit hinter den Kulissen an – im Kreis Heinsberg mit Landrat Stephan Pusch, Sozialdezernentin Daniela Ritzerfeld und Sozialamtsleiter Andreas Louven in engem Kontakt zum LVR. Während die Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen ab Ende April unter der Flagge der neuen Selbsthilfegruppe „Fahrdienst für Rollis“ jeden vierten Montag im Monat unter ihren Sprechern Michaela Sommereisen, Dirk Neyen und Günter Offermann (alle Hückelhoven) aktiv wurden – schon früh hervorragend unterstützt von zahlreichen “Rollis“, aber auch vom Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers und Dr. Hanno Kehren, dem Vorsitzenden des Sozialausschusses im Kreis Heinsberg.

Fairer Umgangston

Darüber hinaus fanden bei gemeinsamen Aussprachen zwischen der Kreisverwaltung  und den „Rollis“ beide Seiten trotz manch kritischer Worte unterm Strich einen fairen Umgangston, ja sogar wieder Annäherung. Wobei die Bekanntgabe der vom Sozialamt des Kreises Heinsberg unter den „Rollis“ durchgeführten Umfrage eine eindeutige Mehrheit für die bewährte Kilometer-Sachleistungen aufzeigte.

Das war wohl auch der Grund der positiv-finalen Nachricht („Es bleibt ab 2020 uneingeschränkt bei den bewährten Kilometerleistungen“), die Fachbereichsleiterin Annette Esser aus Köln für den Landschaftsverband Rheinland beim jüngsten „Rolli“-Treffen übermittelte. Übrigens auch als Entscheidungserleichterung für den Kreis-Sozialausschuss sowie den Kreistag, die noch in diesem Jahr tagen werden.

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