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Ergebnis zeichnet ein optimistisches Bild

Konjunkturumfrage : Die Stimmung im Kreis ist nicht getrübt

Die Stimmung in den Handwerksbetrieben des Kreises Heinsberg ist abgekühlt, aber immer noch auf einem hohen Niveau. So lässt sich das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Aachen bei den im Kreis Heinsberg ansässigen Betrieben zusammenfassen.

Bei der Tholen Elektrotechnik GmbH, ansässig in Gangelt, wo die Pandemie für die Region ihren Anfang nahm, stellten Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, und seine Stellvertreterin Nicole Tomys, die Ergebnisse im Rahmen eines Pressegesprächs vor. Mit dabei waren Dr. Michael Vondenhoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heinsberg sowie die beiden Geschäftsführer des Unternehmens, Hans-Peter Tholen und Heinz Jütten.

Über dem Durchschnitt

Wenn einzelne Gewerke auch einen deutlichen Dämpfer bei Aufträgen und Umsätzen verzeichnen müssten, würden 42 Prozent der Handwerksbetriebe im Kreis Heinsberg ihre Geschäftslage für die vergangenen Monate mit gut, weitere 38 sie mit befriedigend bewerten, fuhr Deckers fort. Insgesamt sind dies 80 Prozent, ein Rückgang um 16 Prozentpunkte im Vergleich zum Herbst 2019. Damit liege die Stimmung im Kreis Heinsberg über dem Durchschnitt des Kammerbezirks (77 Prozent). Bei einem Blick in die Zukunft, erwarten die Heinsberger Chefs jedoch nur noch zu 68 Prozent gute oder zufriedenstellende Geschäfte im nächsten Halbjahr.

Schwieriger geworden ist die Auftragslage aufgrund der Coronavirus-Pandemie im Kfz-Gewerbe, in Handwerken, die für den gewerblichen Bedarf produzieren, im Gesundheitsgewerbe und in Handwerken für den persönlichen Bedarf. Gut lief es dagegen im Bau- und Ausbauhandwerk. Insgesamt hätten 60 Prozent der Betriebe ihre Umsätze steigern oder stabil halten können.

Gut stelle sich auch die Beschäftigungssituation dar, so Deckers weiter. 82 Prozent der Betriebe gaben an, ihr Team stabil gehalten (74 Prozent) oder gar weitere Kräfte eingestellt zu haben (8 Prozent). Für die kommenden Monate wollen 90 Prozent der Betriebe ihren Personalstamm halten (85 Prozent) oder zusätzliche Fachleute einstellen (5 Prozent). Beim Blick auf die Lehrverträge zeigt sich ein Minus von 3,9 Prozent bei einem Kammerdurchschnitt von 7,4 Prozent.

Insgesamt hatten sich 62 Unternehmen (2,25 Prozent) an der Umfrage beteiligt. Kammerweit waren es 2,22 Prozent. Dies lasse belastbare Trendaussagen für den gesamten Kammerbezirk zu, heißt es in der schriftlichen Auswertung der Ergebnisse.

Sonderumfrage

Wie die Sonderumfrage zur Liquiditätslage in Zeiten der Coronavirus-Pandemie zeigt, hatten 64 Prozent der Betriebe im gesamten Kammerbezirk keine Schwierigkeiten mit ihrer Liquidität. Von den 36 Prozent der Betriebe, die sich mit einem Liquiditätsproblem konfrontiert sahen, meldeten wiederum 70 Prozent der Betriebsinhaber, dieses gut in den Griff bekommen zu haben. 27,6 Prozent bezeichneten ihren Engpass jedoch als schwierig, 2,6 Prozent gar als aussichtslos.

66 Prozent der Unternehmen mit Liquiditätsproblemen erhielten die Soforthilfe. Für 35 Prozent wurde Kurzarbeitergeld bewilligt. 27 Prozent führten ihrem Betrieb eigenes Kapital zu, und 20 Prozent konnten Stundungen beim Finanzamt, bei der Sozialversicherung oder etwa bei ihrem Vermieter erreichen. Die Spanne des in dieser Phase benötigten Kapitals lag zwischen 2.000 und 200.000 Euro.

Im September hätten dann nur noch 14 Prozent der Betriebe im Kammerbezirk ein Liquiditätsproblem gemeldet. „Insgesamt halten wir diesen Finanzbedarf zur Beendung des Liquiditätsproblems in den meisten Fällen für lösbar“, erklärte Deckers. „Dass 86 Prozent aktuell keine Sorgen mehr haben, ist hervorragend!“ Allerdings sei eine Kontinuität dieser Lage abhängig von der Entwicklung der Pandemie und den daraus folgenden Einschränkungen. Unsicherheit wirke sich auf die Investitionsbereitschaft der Betriebe aus, aber auch auf das Konsum- und Nachfrageverhalten der Kunden.

„Von Kurzarbeit sind wir Lichtjahre entfernt“, fasste Jütten zum Abschluss des Pressegesprächs die Lage von Tholen Elektrotechnik zusammen. Dass sich die Situation für dieses Unternehmen jedoch gerade in der Anfangsphase der Pandemie alles andere als leicht dargestellt hatte, ergänzte Tholen selbst. „Wenn wir zu Wartungsarbeiten zu einem Seniorenheim nach Düsseldorf gefahren sind, wollte uns dort niemand sehen, weil auf unseren Autos Gangelt draufstand“, erzählte er.