1. Lokales
  2. Heinsberg

Stadt Heinsberg sucht Ideen: Engagement für mehr Klimaschutz

Stadt Heinsberg sucht Ideen : Engagement für mehr Klimaschutz

Im Rahmen der Arbeit an einem integrierten Klimaschutzkonzept für die Stadt Heinsberg sollten neben den Ergebnissen aus Interviews mit Experten auch die Vorschläge der Bürger einbezogen werden, im Rahmen einer sogenannten Ideenwerkstatt.

Da diese nun aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht durchgeführt werden konnte, ruft die Stadt ihre Bürger dazu auf, ihre Ideen online zu platzieren auf einer Ideenkarte, die noch bis zum 31. Januar 2021, für Vorschläge offen ist, www.ideenkarte.de/heinsberg.

Bereits vor einem Jahren, am 20. September 2017, hatte der Rat der Stadt Heinsberg auf Vorschlag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen den einstimmigen Beschluss gefasst, ein eigenes Klimaschutzkonzept zu erstellen.

Dass Heinsberg auch ohne ein fertiges, eigenständiges Konzept gut aufgestellt ist, wurde in einer Rede des ehemaligen Bürgermeisters Wolfgang Dieder am 9. Oktober 2019 deutlich, als dieser im Rat einen Bericht zum Sachstand in puncto Klimaschutz abgab. Dieder ging dabei auf prägnante Beispiele ein, etwa die Elektromobilitätsinitiative, die Optimierung der Beleuchtung von Straßen, Ampeln, Hallen und weiteren städtischen Gebäuden, die energetische Sanierung von Rathaus und weiteren Einrichtungen sowie die Ausstattung städtischer Bauwerke mit Photovoltaikanlagen.

Auch das Engagement von Unternehmen und von Bürgern mit Blick auf die Nutzung von Sonnen- und Windenergie ließ er nicht außer Acht. Dem tatsächlichen Verbrauch in Heinsberg stünde eine 75-prozentige Erzeugung gegenüber, lautete sein Fazit schon damals. In der Bundesrepublik Deutschland lag die vergleichbare Quote 2018 bei 38 Prozent. „Der Anteil regenerativer Energien ist also in Heinsberg annähernd doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.“

Noch bis zum 31. Januar 2021 bitten Bürgermeister Kai Louis (links) und Stadtplaner Andreas van Vliet die Bürger, ihre Ideen für mehr Klimaschutz online auf einer Klimakarte zu hinterlassen. Foto: Anna Petra Thomas

Das jedoch hindert den neuen Bürgermeister Kai Louis und Stadtplaner Andreas van Vliet nicht daran, diesen Weg konsequent weiter zu verfolgen.

Die Umsetzung eines papierlosen Sitzungsdienstes im Rathaus ist für sie ein weiteres Beispiel für mehr Klimaschutz. Die Klimakarte biete den Bürgern nun die Möglichkeit, sich mit ihren ganz persönlichen Wünschen für mehr Klimaschutz in die Arbeit einzubringen. Sie schaffe eine unkomplizierte und interaktive Möglichkeit für eine größtmögliche Bürgerbeteiligung, so Louis. Hier könnten nicht nur eigene Vorschläge konkret verortet werden. Zugleich gebe es die Möglichkeit, auf dort hinterlassene Ideen zu reagieren.

„Alle Beiträge werden als potenzieller Bestandteil des Klimaschutzkonzeptes erfasst, ausgewertet und gegebenenfalls mit in das zum Konzept gehörende Maßnahmenprogramm aufgenommen“, verspricht er. „Dabei gibt es thematisch kaum Einschränkungen: Von Gebäudesanierung über klimafreundliche Mobilität bis hin zu erneuerbaren Energien sind Vorschläge jeglicher Art erwünscht und wichtig.“ 

Erstellt wird das Konzept von der Gertec GmbH Ingenieurgesellschaft aus Essen. Im Rahmen der Klimaschutzinitiative wird es vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, und nukleare Sicherheit (BMUB), vertreten durch den Projektträger Jülich (www.ptj.de/klimaschutzinitiative-kommunen), gefördert.

Inzwischen haben die Bürger schon rund 60 Vorschläge für mehr Klimaschutz hinterlassen. Diese beziehen sich auf die Bereiche Wohngebäude, erneuerbare Energien, umweltfreundliche Mobilität oder Klimaanpassung. Ideen sind da zum Beispiel, „plastikfreie Läden“ zu fördern, mehr Fahrrad-Stellplätze zu schaffen und Mieträder anzubieten, einen größeren Teil der Innenstadt in reine Fußgängerbereiche umzuwandeln oder Steingärten zu verbieten.

Schon sehr früh meldete sich mit Karl Schroeders auch ein Geilenkirchener auf der Heinsberger Ideenkarte. „Ich habe eine freischwimmende Schiffsmühle zur Stromgewinnung erfunden“, schrieb er dort. „Sie ist auf fast allen fließenden Gewässern einsetzbar“, nannte er Rur und Wurm als Beispiele. Bei der Energiegewinnung entstehe keine Umweltbelastung. Vor allem aber seien Wassermühlen rund 8.700 Stunden pro Jahr betriebsbereit, bei Windkraftanlagen seien es nur rund 2.400 Stunden.

„Die Mühlen sind kostengünstig zu erstellen und sehr wartungsarm“, erklärte er weiter, bei einem Gespräch mit unserer Zeitung an der Mündung der Wurm in die Rur.

Und dabei machte er noch eine interessante Rechnung auf: Würde man die Wurm auf einer Breite von zwei Metern über eine Strecke von 500 Metern mit den von ihm entwickelten Schiffsmühlen bestücken, könnten sie ganz Heinsberg mit Strom versorgen, ist er sich sicher.