Hückelhoven: Elegante Schulterwürfe sind auch noch mit 82 Jahren genau sein Ding

Hückelhoven: Elegante Schulterwürfe sind auch noch mit 82 Jahren genau sein Ding

Dass Sport jung hält, glaubt man gerne, wenn man Ernst Henning kennenlernt. Der 82-jährige ist Vorsitzender des Hückelhovener Judo-Clubs, den er selbst vor 50 Jahren gegründet hat. Neuerdings ist er auch Träger des siebten Dan im Judo. Das ist eine Menge, vor allem, wenn man bedenkt, dass Henning noch immer die Jugend trainiert. „Nur werfen lasse ich mich nicht mehr“, betont er. Doch selbst werfen, das könne er noch immer sehr gut.

Zu seiner Leidenschaft kam der ehemalige Di-plom-Ingenieur im Krieg, an dessen Ende er als Teil des „letzten Aufgebots“ teilnehmen musste. Dafür war er nach Klasse 8 zum Kriegseinsatz entlassen worden. In der Ausbildung lernte der junge Henning einen kriegsversehrten Offizier kennen, der seine Schüler zu Boden ringen konnte, obwohl ihm eine Hand fehlte. Das war seine erste Begegnung mit einer Sportart, die künftig sein Leben mitbestimmen sollte.

Nach dem Krieg machte er das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, heiratete und gründete eine Familie — und begann 1954 mit der Judoausbildung. Als er einmal Blut geleckt hatte, nahm er europaweit an Wettkämpfen und Wettbewerben teil und gründete 1963 seinen eigenen Dojo. Im Bundesverband nahm er schnell eine der Führungspositionen ein und war ab 1991 Vorsitzender des Deutschen Dan-Kollegiums (DDK), dem höchsten deutschen Gremium dieser Sportart.

Auch wenn er im Jiu-Jitsu ziemlich erfolgreich war, gehört sein Herz dem Judo. „Gerade für Kinder und Jugendliche ist das die bessere Sportart“, lautet sein Urteil. „Ihnen Tritte beizubringen, mit denen man Menschen ernsthaft verletzen kann, ist nicht richtig.“ Dann lieber sein Gegenüber mit einem eleganten Schulterwurf auf die Bretter schicken. Das fand auch seine Frau Wiltrud, die seine Judo-Begeisterung teilt und 1958 auch mit der Ausbildung begann. Gemeinsam führen sie den Judo-Club, und genau wie ihr Mann ist die Judo-Großmeisterin berechtigt, den rot-weißen Gürtel zu tragen, der nur Dan-Trägern vorenthalten bleibt. „Judo gibt Selbstbewusstsein“, betont sie. „Man fühlt sich sicherer und tritt auch als alter Mensch sicherer auf.“

Herausragende Verdienste

Auch Sohn Rüdiger ist ein Judoka und Vorsitzender des Rechtsausschusses des DDK. Bei der Vereinsmeisterschaft in der Sporthalle an der Schlee überreichte er seinem Vater im Namen des Verbandes den siebten Dan für seine langjährigen Verdienste um den Judosport, vor allem mit Blick auf den Nachwuchs. Denn bei den Kindern und Jugendlichen ist Henning ein Vorbild mit seinen 82 Jahren.

Für Ernst Henning selbst ist das Alter eher zweitrangig: „Für Jodo ist man nie zu alt.“

(hewi)
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