Electrisize: Lebenshilfe und Veranstalter entwickeln Ideen fürs Miteinander

Kooperation : Electrisize-Festival wird inklusiv

Das Wort Inklusion, das ein selbstverständliches Miteinander aller Menschen beschreibt, egal ob mit oder ohne Behinderung, ist auch in der Region in aller Munde, nicht zuletzt aufgrund des kontinuierlichen Engagements der Heinsberger Lebenshilfe. Auch beim Electrisize-Festival ist die Inklusion ein großes Thema.

„Inklusion betrifft alle Lebensbereiche, Wohnen, Arbeit und Freizeit“, erklärte Edgar Johnen, Geschäftsführer der Lebenshilfe, zum Auftakt eines Pressegesprächs im Lebenshilfe-Center, bei der Vertreter der Lebenshilfe gemeinsam mit den Machern des Electrisize-Festivals auf dem Gelände von Haus Hohenbusch in Erkelenz wieder einmal ein neues, ganz eigenwilliges Projekt vorstellten. „Inklusion geschieht nämlich nicht von alleine. Man etwas dafür tun“, betonte Johnen in seiner Begrüßung.

Und so hat die Lebenshilfe Kontakt zu den Verantwortlichen dieser Kulturveranstaltung gesucht, deren Anhänger natürlich auch in den Reihen der Menschen zu finden sind, die von der Lebenshilfe betreut werden, die hier ihren Arbeitsplatz haben. Neue Ideen für noch mehr Inklusion wurden entwickelt und konnten nun gemeinsam mit Michael Frentzen und Raphael Meyersieck, beide Geschäftsführer des Veranstalters, der Kultur-Garten GmbH, vorgestellt werden.

Schon bisher sei das Gelände, auf dem auch in diesem Jahr am 9. und 10. August mehr als 20.000 Besucher erwartet werden, weitgehend barrierefrei, erklärten die beiden Geschäftsführer. Dafür würden auf dem Gelände rund 12.000 Quadratmeter Bodenschutz verlegt. Doch dieses Mal will die Lebenshilfe, wie es Johnen formulierte, auch bei diesem Ereignis „mit der Inklusion weiter vorankommen.“ Beim Veranstalter stießen sie auf offene Ohren, lautet doch das Motto des Festivals anlässlich des zehnjährigen Bestehens „10 Years One Family“.

Und so wird es dieses Jahr eine neue, siebte Bühne geben, die sogenannte Secret Arcade. Sie heißt so, weil sie auf dem Geländeplan gar nicht eingezeichnet ist, die Besucher sie also tatsächlich selbst suchen müssen. Weitere Besonderheit: Hier wird es gar keine laute Musik geben, sondern der Sound in dieser „Silent Disco“ kommt für jeden, der Musik hören will, in ganz individuell wählbarer Lautstärke vom Kopfhörer.

Nicht mehr nur als Besucher, sondern auch als DJs und sogar als Freiwillige, als sogenannte Volunteers, werden Menschen mit Behinderung auf dem Festival dabei sein. Darüber freut sich besonders Robert Offermanns, bei der Lebenshilfe in der Kita Triangel tätig und in seiner Freizeit DJ „Rob van O“, als sogenannter „Resident DJ“ auch beim Festival aktiv. Auf Einladung der Lebenshilfe wird zum Beispiel DJ „Golden Nose“ aus Polen nach Erkelenz kommen, der tatsächlich nur mit Hilfe seiner Nase auf dem Festival „auflegen“ wird.

Was die Mitarbeit beim Festival angeht, hat sich die Kooperation aus Lebenshilfe und Kultur-Garten GmbH ebenfalls etwas Besonderes einfallen lassen, das Judith Liebens, Fachbereichsleiterin Offene Hilfen, koordiniert. So wird es beim Festival 50 sogenannte Tandems geben aus Mitarbeitern mit Behinderung und jeweils einem Assistenten. Sie werden sich unter anderem bei der Kopfhörerausgabe und im Gastrobereich engagieren. Vor allem drei erfahrene Mitarbeiter aus dem Oberbrucher Café Lesbar freuen sich schon jetzt aufs inklusive Arbeiten und Feiern.

„Kultur, Musik und gemeinsam feiern, das ist doch was für alle Menschen“, zog Johnen am Ende des Gesprächs sein Resümee. Und Michael Kleinen, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, fügte die Veranstalter lobend hinzu: „Ich kenne kein Festival in dieser Größenordnung, das Lust hat auf ein solches Experiment hat.“

Und das könnte durchaus noch Zukunft haben, plant die Lebenshilfe doch im Anschluss an das diesjährige Festival eine eigene DJ-Ausbildung für Menschen mit Handicap in Oberbruch. Und vielleicht legt ja schon im nächsten Jahr ein Lebenshilfe-Mitarbeiter aus Oberbruch beim Electrisize-Festival in Erkelenz auf.

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