Erkelenz: Einfühlsame und facettenreiche Musik in der Leonhardskapelle

Erkelenz : Einfühlsame und facettenreiche Musik in der Leonhardskapelle

Lutz Görner ist nicht nur in Erkelenz ein gerne gesehener Gast. Vor allem als Rezitator hat er sich einen Namen gemacht. Doch auch seine Programme rund um die großen Werke der Musik kommen beim Publikum sehr gut an. Das liegt auch an seiner musikalischen Partnerin, der jungen Konzertpianistin Nadia Singer, mit der Görner schon sechs Musikabende erarbeitet hat.

Die 26-jährige Musikerin besticht vor allem durch ihre perfekte Technik, mit der sie sich den Kompositionen annimmt und sie präsentiert. Denn Walzer ist bei aller Leichtigkeit und Beschwingtheit kein leichtes Metier. Görners Rolle ist die des Erzählers, da ist er sich treu geblieben. Doch erzählt er sehr einfühlsam von den Künstlern hinter den Kompositionen und beleuchtet ihre Beweggründe und auch ihre Verbindungen untereinander.

In der Leonhardskapelle standen neun Kompositionen auf dem Programm, die die Vielfalt des Genres Walzer über den Zeitraum eines Jahrhunderts repräsentierten. Am Anfang stand Carl Maria von Webers „Aufforderung zum Tanz“ aus dem Jahr 1819. Diese Komposition gilt als erster Konzertwalzer und war der Verlobten Webers gewidmet, um sie „anzustupsen“, wie Görner erläuterte. Wissenswertes gab es aber auch über die biografischen Daten des Künstlers und des Werkes hinaus.

So erfuhr der Zuhörer in der gut besuchten Leonhardskapelle auch, dass ein Walzer immer aus mehreren Melodien und einem kurzen Nachspiel beseht. Es folgte „Un Bal“ von Hector Berlioz, eine Komposition aus dem Jahr 1829, also zehn Jahre nach Webers erstem Konzertwalzer und schon weitaus weniger „mozartlastig“. Auf den „Nonnenwalzer“ von Giacomo Meyerbeer aus dem Jahr 1832 folgte Chopins „Valse brillante“, das vier Jahre später komponiert wurde und wieder neue musikalische Strukturen aufwies.

Auf Franz Liszt folgten Charles Gounod, Claude Debussy und zuletzt Maurice Ravel, dessen Komposition „La Valse“ aus dem Jahr 1920, also rund hundert Jahre nach Webers „Aufforderung zum Tanz“. Im Vortrag ergänzten sich Singers Spiel und Görners Fakten zu einem musikalisch facettenreichen Fächer, der den Begriff Walzer für die Zuhörer völlig neu definierte.

(hewi)
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