Eine holländische Straße auf deutschem Gebiet im Selfkant

Geschichte des Selfkants : Eine holländische Straße auf deutschem Gebiet

Als Mitte der 50er Jahre über eine mögliche Rückführung des Selfkantlandes, das ab 23. April 1949 unter niederländischer Auftragsverwaltung, stand, auf höchster politischer Ebene verhandelt wurde, vollzogen die Niederländer Anfang 1957 einen wahren Husarenstreich.

Die Vision einer schnellen Anbindung der Industriegebiete Heerlen und Roermond durch den Selfkant schien quasi vom Winde verweht. Aber da hatten einige Experten eine hervorragende Idee.

Von Schinveld aus wurde im Grunde geradeaus bis Koningsbosch eine Verbindungsstraße errichtet, damit war der Großraum Sittard elegant umfahren. Aber diese Straße war noch nicht alles, das Sahnehäubchen: Auf der rund 8,5 Kilometer langen Strecke, von der 6,5 Kilometer über deutsches Gebiet verliefen, wurden gleich Gas-, Wasser, Strom- und Telefonleitungen mitverlegt. 1959 war diese Straße fertiggestellt und ging nach der Rückführung des Selfkantlandes als „Transitstraße“ im Westen Deutschlands in die Geschichtsbücher ein – eine niederländische Straße führte im Grunde durch Deutschland.

Nach Unterzeichnung des sogenannten Holland-Vertrages über die Rückgliederung des Selfkantlandes in Den Haag wurde vereinbart, dass durch die Niederlande auf dieser Straße, die weiterhin im Besitz der Niederlande bleiben sollte, sieben Überführungen und Unterführungen errichtet würden, um die Verbindung des Selfkantlandes nach der Rückführung am 1. August 1963 mit deutschem Gebiet zu gewährleisten. Von deutscher Seite aus war diese Straße nicht zu befahren für Polizei und Rettungskräfte. Sie war ab 1963 ein richtiges Kuriosum.

In den 1990er Jahren verstärkten sich die Bemühungen, die niederländische Straße ans deutsche Straßennetz anzubinden. Wobei am 25. Februar im Rathaus Venlo ein weiteres Kapitel dieser Transitstrecke geschrieben und die Akte „Auftragsverwaltung“ ergänzt wurde. In Venlo wurde seinerzeit vereinbart, dass die Straße ab Schinveld bis vor Koninigsbosch nunmehr ins Deutsche Straßennetz unter dem Namen L410 überging und die Brücken an den Hauptverbindungsstraßen – wie von Gangelt aus kommend, vor Heilder von Saeffelen aus kommend oder Großwehrhagen – abgerissen und die Verbindung mit Kreisverkehren neu geregelt wurde.

Mittlerweile wurde auch die B56n fertiggestellt mit einem Kreisverkehr und einer Abfahrt Saeffelen auf die L410. Vier Kreisverkehre sind auf deutschem Gebiet, wobei vor Schinveld durch eine Verkehrsführung mit Fahrradbrücke und weiteren Kreisverkehren hier die N274 ebenfalls ein neues Gesicht erhielt. Die einstige Transitstrecke hat für niederländische Lastkraftwagen dabei einen eindeutigen Vorteil, denn laut Venloer Vertrag wurde hier das deutsche Fahrverbot für Lkw an Sonntagen aufgehoben.

(agsb)
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