Ein Fall voller skurriler Details und offener Fragen

Drei Jahre Suche nach Dorota : Ein Fall voller skurriler Details und offener Fragen

Vor drei Jahren verschwand Dorota Galuszka-Granieczny aus Süsterseel. Deutsche Polizei, belgische Privatdetektive und polnische Wahrsager suchten intensiv nach der jungen Mutter – vergeblich. Ein Rückblick auf einen Fall voller bizarrer Einzelheiten.

Im Fall Dorota herrscht aktuell vor allem eines: Stillstand. Die Ermittlungsakte bei der Polizei ist erst einmal geschlossen. Keine neuen Hinweise, keine neuen Ermittlungsansätze, keine Spur vor Dorota. Sollte die Vermutung stimmen, dass die damals 29-jährige umgebracht wurde, könnte der Fall jederzeit wiederaufgenommen werden. Denn Mord verjährt nicht.

Das Verschwinden von Dorota jährt sich am Freitag zum dritten Mal. Im Oktober 2016 hatte die Polizei mitgeteilt, dass die junge Frau am Abend des 18. Oktobers gegen 23 Uhr das gemeinsame Wohnhaus an der Annastraße in Selfkant-Süsterseel verlassen hatte und seitdem verschwunden sei. Das jedenfalls habe der Ehemann der Polizei so erzählt. Eben jener Ehemann, der kurz darauf in Untersuchungshaft saß, weil die Polizei ihn verdächtigte, seine Frau umgebracht zu haben. Kurz nach der Festnahme wurde er jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Anfangsverdacht ließ sich nicht erhärten.

In den folgenden Wochen kam Süsterseel nicht zur Ruhe. Die Polizei durchsuchte das Haus an der Annastraße, sie durchkämmte mit Hundertschaften und Hunden angrenzende Waldstücke, sie suchte mit Booten, sie weitete die Suchaktionen in die Niederlande aus. Alles ohne Erfolg. Dorota wurde nicht gefunden. Diese Woche sagte Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aachen, dass die Ermittler zwar die Augen offen hielten, dass es derzeit jedoch nichts Neues gebe. „Es ist derzeit nicht geplant, dass etwas gemacht wird“, sagte sie.

Abseits der offiziellen Ermittlungen der Polizei gab es immer neue Skurrilitäten. Eine Gruppe Freiwilliger durchsuchte auf eigene Faust umliegende Waldstücke. Wahrsager Michael Schneider schaltete sich ein, im Privatfernsehen verkündete er, wo die Leiche liegen müsse. Das deckte sich nicht ganz mit den Erkenntnissen einer anderen Wahrsagerin aus Polen. Später kamen die belgischen Privatermittler Patrick De Cock und Michele Carbone mit ihren Suchhunden. Sie setzten auf handfestere Hinweise und ließen ihre Hunde etwa auf einem Grundstück in Süsterseel und an einem verlassenen Haus in Geilenkirchen suchen. Eine heiße Spur fanden sie auch nicht.

Gerüchte, Emotionen und Vermutungen – immer wieder landete der Fall Dorota auf den bunten Seiten des Boulevards. Dorota ist jung, blond und attraktiv. Und ihr Umfeld lieferte laufend Stoff für neue Geschichten. Mit der Bild-Zeitung soll Dorotas Ehemann etwa über die einvernehmliche Trennung von seiner Frau gesprochen haben. Dann tauchten jedoch Kurznachrichten auf, die von Dorota an ihre Zwillingsschwester gegangen sein sollen: Darin ist sinngemäß zu lesen, dass ihr Mann Probleme mache, seit sie ihn mit dem Trennungswunsch konfrontiert habe. Fakten Fehlanzeige.

Diese fehlenden Fakten sollte dann ein Privatdetektiv aus Polen aufspüren. Der war schon kurz nach Dorotas Verschwinden 2016 in der Region. In diesem Herbst ermittelte er noch einmal in den Niederlanden. Johanna Balla hat mit einer Gruppe von Leuten mit polnischen Wurzeln aus dem Raum Heinsberg immer wieder versucht, die Suche nach Dorota in Schwung zu halten.

Bis heute lässt sie der Fall nicht los, obwohl sie Dorota gar nicht persönlich kannte. Das Geld für den Privatdetektiv habe sie gesammelt, sagte Balla. Er habe herausgefunden, dass Dorota nicht mehr lebe. Beweise oder stichhaltige Indizien habe er jedoch nicht liefern können. Nun ermittelt er nicht weiter. Das gesammelte Geld ist aufgebraucht.

Die zentrale Frage, was mit Dorota Galuszka-Granieczny passiert ist, bleibt bis heute unbeantwortet. Bemerkenswert ist, dass damals im Oktober 2016 rasch nach dem Verschwinden der Frau eine Mordkommission eingerichtet wurde. Öffentlich bekannt war zu dieser Zeit nur die Version des Ehemannes, dass Dorota das Haus, ihren Ehemann und ihren Sohn verlassen habe.

Schlenkermann-Pitts bestätigte, dass die Ermittler noch immer glauben, dass die Frau umgebracht worden ist. Aber man könne eben auch nicht ausschließen, dass sie noch lebt. „Vielleicht taucht sie in fünf Jahren irgendwo in Amerika wieder auf“, sagte Schlenkermann-Pitts.

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