E.Go Mover ab 2020 in Geilenkirchen: Ein E-Bus, der zum Selbstfahrer wird

E.Go Mover ab 2020 in Geilenkirchen : Ein E-Bus, der zum Selbstfahrer wird

Der öffentliche Nahverkehr im Kreis Heinsberg soll anders werden. Genau genommen wird er sogar anders werden, und zwar zuerst in Geilenkirchen, dort aber in sehr naher Zukunft. Die Vertreter von Westverkehr, dem Unternehmen im Verkehrsverbund der AVV, und die Vertreter vom Aachener Start Up E.Go sind zum Markt in Geilenkirchen gekommen, um darüber zu sprechen, was anders werden wird, und sie haben dafür ein Modell des E.Go Movers mitgebracht.

Der steht nämlich im Mittelpunkt des Verkehrskonzepts. Im Sommer 2020 soll der elektrische Mini-Bus in Serienproduktion gehen, schon Anfang 2020 soll ein Vorserienmodell davon in Geilenkirchen herumfahren. Zunächst ohne Passagiere, aber noch vor dem Sommer auch mit Fahrgästen. Das sagt Matthias Kreimeier von der E.Go Moove GmbH. Und Udo Winkens, der Geschäftsführer von Westverkehr, sagt: „Wir möchten diesen nächsten Schritt mit E.Go gehen.“ Deswegen haben beide einen entsprechenden Kooperationsvertrag für eine Innovationspartnerschaft unterschrieben.

Abgelöst werden soll die Linie GK 1, die derzeit auf drei verschiedenen Routen einen Kreis durch die Innenstadt fährt, die kürzeste sei ungefähr 4,5 Kilometer lang, die längste zehn, sagt Winkens. Start- und Zielpunkt sind jeweils der Geilenkirchener Bahnhof. Die Linie ist bewusst ausgewählt worden: Die GK 1 ist sowieso ein Kleinbus mit nur wenigen Plätzen, die Rahmenbedingungen sind also ähnlich.

Erst elektrisch, dann automatisch

Das Ziel in Geilenkirchen ist aber mitnichten nur, von Verbrennungs- auf Elektromotor umzustellen. Stattdessen strebt man beim Verkehrsbund und bei E.Go nach einem intelligenten Bus. Bis 2022, so plant man laut Kreimeier, soll der E.Go Mover ganz allein fahren, als Geisterbus quasi. Das funktioniert über verschiedene Sensoren am Bus, die ab Anfang 2020 „trainiert“, also eingefahren werden. „Jeder Millimeter der Strecke wird analysiert und aufgezeichnet“, sagt Kreimeier. Das Fahrzeug werde mit jedem Mal, mit der es die Route fahre, ein bisschen intelligenter, bis schließlich „der Fahrerarbeitsplatz rausgeschraubt werden kann“.

Im Bus drin stellten Matthias Kreimeier (links) von der E.Go Moove Gmbh und Udo Winkens vom Westverkehr ihre Kooperation vor. Foto: Marie Eckert

Vorausgesetzt, der Gesetzgeber stimmt zu. Die rechtlichen Grundlagen, so hofft man bei E.Go, sind dann bis 2022 geklärt. Im Moment ist der E.Go Mover so, wie er in seiner Basiskonfiguration ist, vom Tüv zugelassen – anders als Roboterautos, die im Moment eben nur mit Sonderzulassungen verkehren dürfen.

Auch in Aachen soll der Mover ab nächstem Jahr fahren, mit dem Campus Liner und dem Markt Liner, ebenso in Friedrichshafen in Baden-Württemberg und in München. Und eben in Geilenkirchen. Weitere Städte seien in Planung, aber noch nicht spruchreif, sagt Kreimeier.

Der E.Go Mover, der zum Anschauen in Geilenkirchen stand, kostet 90.000 Euro. Die Kosten, die durch das Projekt anfallen, würden die beiden Projektteilnehmer Westverkehr und E.Go selbst tragen, sagt Winkens, man habe aber verschiedene Förderanträge an das Land NRW gestellt, unter anderem für die Finanzierung der Machbarkeitsstudie. Die soll zum Beispiel herausfinden: Wann ist es überhaupt sinnvoll, den kleinen E-Bus einzusetzen? „Zu den Hauptzeiten ist solch ein Fahrzeug vermutlich nicht sinnvoll“, sagt Kreimeier.

Die Partnerschaft zwischen Westverkehr und E.Go soll zeigen: Es geht nicht um Konkurrenz im öffentlichen Nahverkehr, sondern um eine Weiterentwicklung. Man wolle voneinander profitieren, sagt Winkens. „E.Go gibt es seit 2015, wir wurden 1899 gegründet – ich würde sagen, wir haben viel Erfahrung im Transport von Menschen.“

Der E.Go Mover ist nicht besonders groß, es gibt eine Sitzreihe ganz hinten und davor noch eine Reihe mit mehreren Sitzen. Der Bus misst fünf mal zwei Meter und ist 2,50 Meter hoch, also in etwa wie eine Limousine. Knapp 15 Menschen finden im Mover Platz, sagt Kreimeier. Bei maximal 60 Stundenkilometer würde die Reichweite, je nach Fahrweise, 100 bis 200 Kilometer betragen. „Im Idealfall sind das zehn Stunden Fahrtzeit“, sagt er. Auch dafür sei die Machbarkeitsstudie da: Um Szenarien zu analysieren wie beispielsweise, den Akku zwischendurch während der Mittagspause wieder aufzuladen.

In Geilenkirchen fährt Anfang des Jahres zunächst ein Bus durch die Stadt, der die Route aufzeichnet. Die Algorithmen, die das tun, speichern die Daten allerdings nicht im Bus, sondern extern ab, so dass sie bei jedem beliebigen Mover abgerufen werden können. Ob dann irgendwann mehrere Mover durch Geilenkirchen fahren – das werden die Zeit und der Bedarf zeigen, sagt Kreimeier.

Die Partnerschaft zwischen Verkehrsverbund und Start-up hat indes kein Verfallsdatum. Man wolle auch über das Jahr 2022 kooperieren, so der Plan, den beide Parteien verlauten ließen. Kreimeier denkt schon ein bisschen weiter: Er hofft, dass die Autos auf der Straße, die oftmals nur von einer Person besetzt seien, nach und nach einem bequemeren und effizienteren Verkehrskonzept weichen. Zum Beispiel könnte ein autonom fahrender „Geisterbus“ die Menschen künftig von zu Hause abholen und zum nächsten Verkehrsknotenpunkt bringen, nahtlos, so dass ein Auto gar nicht mehr nötig ist.

Zuvor müsse aber noch einiges geklärt werden. Zum Beispiel, was passiert, wenn plötzlich eine Mülltonne auf der Route im Weg steht, die zuvor nicht vom Algorithmus erfasst wurde. Oder eine neue Baustelle – wie kann die Karte, auf die der Mover zugreift, möglichst schnell und genau aktualisiert werden?

Wenn es um autonomes Fahren geht, geht es eben auch sehr viel um die Sicherheit. Und um Vertrauen. Werden die Fahrgäste sich im Jahr 2022, also in gerade einmal drei Jahren, in einen Bus setzen, der komplett fahrerlos ist und der nicht auf Schienen fährt? „Man muss die Menschen daran heranführen, ihnen das erklären“, sagt Kreimeier. Am Anfang sei der Bus deswegen auch extra noch mit Displays ausgestattet, auf dem die Fahrgäste sehen, was die Sensoren des Busses wahrnehmen. „Da kann man dann feststellen: Der Bus hat das Hindernis wahrgenommen und umfährt es“, sagt er. Aber nun ist erst einmal 2019, und der Mover startet in Geilenkirchen mit Busfahrer.

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