Ein besonderer Ruheort zum Beten, Abschalten, Nachdenken

Historisches Denkmal : Marienkapelle in Selfkant-Höngen wird 160 Jahre alt

Viele Höngener erinnern sich noch daran, als im Jahr 2009 auf der Birder Straße das 150. Kapellenfest gefeiert wurde. Am 28. Juli ist das schon wieder zehn Jahre her, und dann steht das 160. Kapellenfest auf dem Programm. Um 14 Uhr beginnt der Festakt mit einer Andacht.

Die Kapelle an der Birder Straße hat eine geschichtsträchtige Vergangenheit und ist auch auf der Denkmalliste des Landes Nordrhein-Westfalen zu finden. Die Kapelle wurde einst vor 160 Jahren von den Einwohnern auf einem gemeindeeigenen Grundstück erbaut und der heiligen Jungfrau Maria geweiht.

Der Blick in die Chronik zeigt, dass Mitte der 1850er Jahre auch die Kapelle Op de Boom in Saeffelen, die Kapelle Spanish Huiskens Saeffelen, die Barbarakapelle in Schalbruch, die Marienkapelle Stein und die Marienkapelle Isenbruch erbaut wurden. Diesen Kapellenbau und auch den Bau vieler Gotteshäuser zu dieser Zeit sehen Geschichtsschreiber im direkten Zusammenhang mit dem befürchteten Kriegsausbruch zwischen Österreich unter Kaiser Franz sowie Frankreich unter Napoleon III.. Prinzregent Wilhelm I. von Preußen reagierte auf ein Hilfegesuch des Österreichers mit der Mobilmachung des preußischen Heeres, welche auch Auswirkungen auf den hiesigen Raum hatte (Geschichtsbuch des Kirchspiels Havert).

„Viele Menschen zur damaligen Zeit waren sehr arm“, erklärte Pastor Roland Bohnen die Hintergründe bereits vor zehn Jahren beim Jubiläum. „Die Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft schienen schon damals eine starke Gemeinschaft gewesen zu sein und suchten ebenso in den Kapellen das Gebet wie in der Pfarrkirche.“

Die Heilig-Kreuz-Kapelle an der Birder Straße wurde bis 1970 für Totenwachen genutzt. „Eigentlich schade, dass das Gebet der Totenwache heute nicht mehr in der Form praktiziert wird, wie es früher war. Hier hat man sich versammelt, um miteinander zu beten – das ist ein großer Trost und eine große Hilfe im Prozess des Trauerns, Abschiednehmens und des Loslassens. Ich bin sicher, dass frühere Generationen mit dem Problem des Todes und in der Trauer besser umgehen konnten als viele Menschen heute“, so Pfarrer Bohnen beim Jubiläumsfest 2009.

Seit 1984 treffen sich monatlich die Menschen an der Birder Kapelle zum Gebet für den Frieden. Auch die Maiandachten finden nach alter Tradition in der Kapelle statt. Und es war die Nachbarschaft, die die Kapelle pflegte. Viele Jahrzehnte war Familie Josef Douven im Einsatz, Josef Douven war Küster der Kapelle. Heute ist es die Kapellengemeinschaft, die sich umsichtig um die Kapelle kümmert.

Das Selfkantland ist geprägt von zahlreichen Kapellen. Rund 20 Kapellen laden nicht nur zum Gebet ein, sie sind ein besonderer Ruheort in der Selfkantregion. Die Kapelle Isenbruch wurde um 1510 erbaut. Sie ist nach Recherchen die älteste Kapelle im Selfkant. Die Pfarrkirche St. Nikolaus Millen blickt auf eine über tausendjährige Geschichte, sie ist die älteste Pfarrkirche der insgesamt acht katholischen Gotteshäuser. Ferner prägen 68 Wegekreuze den christlichen Gedanken im Selfkantland.