Dunkelfeldstudie in Erkelenz zum Thema Sicherheit in NRW

Dunkelfeldstudie in Erkelenz : Sicher sein heißt nicht, sich so zu fühlen

Erkelenzer Bürger werden in einer Dunkelfeldstudie des Landes NRW zum Thema Sicherheit befragt. Die Statistiken passen dabei nicht immer zum persönlichen Empfinden der Befragten.

Das persönliche Empfinden eines Menschen, die individuelle Einschätzung einer Situation ist nicht nur geprägt von seiner Grunddisposition, seiner Veranlagung, sondern zu einem nicht unerheblichen Teil auch von Erfahrungen, die er im Laufe seines Lebens gemacht hat. Nicht immer fließen diese Erfahrungen letztlich in eine greifbare Statistik ein. Daher können zwischen der Zahl bestimmter Ereignisse, die irgendwo aktenkundig geworden sind und denen, die noch im Dunkeln schlummern, erhebliche Diskrepanzen liegen. Das weiß auch die Polizei.

 Im Auftrag des Ministeriums des Innern und des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung befragt das LKA NRW daher im Moment 60.000 Personen im Alter über 16 Jahren in Nordrhein-Westfalen über ihr Sicherheitsempfinden in unserem Land. 81 Kommunen wurden für die Befragung repräsentativ ausgewählt, die einzige im Kreis Heinsberg, die sich darunter befindet, ist die Stadt Erkelenz. Diese sogenannte Dunkelfeldstudie soll Klarheit bringen über die Fragen, welche Kriminalstatistiken nicht beantworten können. Unabhängig von tatsächlichen Anzeigen oder Strafverfahren, können die Teilnehmenden sich zur Gewaltkriminalität in NRW und ihrem Ort äußern.

In der Kriminologie bezeichnet das Dunkelfeld die Differenz zwischen den amtlich registrierten Straftaten – dem Hellfeld – und der vermutlich begangenen Kriminalität. Der Begriff des Dunkelfeldes grenzt sich somit in Nuancen von dem der Dunkelziffer ab. Fragen beinhalten zum Beispiel, wie wohl sich die Bürger in ihrem Wohngebiet fühlen, ob ihnen bereits einmal Gewalt widerfahren ist, und auch, wie gut sie sich über Hilfeangebote für Betroffene informiert sehen. Dabei dürfte für die Auswertung interessant sein, in wieweit sich die Antworten der Befragten mit der offiziellen Entwicklung in Erkelenz decken.

In den letzten zehn Jahren erreichte die Zahl der Delikte generell ihren Höchststand im Jahr 2012 mit 3463 registrierten Fällen. Seitdem verzeichnet die Kommune offenbar einen sukzessiven Rückgang bis auf 2429 im letzten Jahr. Im Kommunenvergleich liegt Erkelenz damit günstiger als die Städte Heinsberg, Geilenkirchen, Übach-Palenberg und Hückelhoven. Allein 2018 ist die Zahl der aktenkundig gewordenen Straftaten in Erkelenz um 320 gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Bemerkenswert ist jedoch, dass die sogenannten Rohheitsdelikte, also Raub, Handtaschenraub, Körperverletzungen, Nötigung oder Bedrohung, im letzten Jahr um 21 zum Vorjahr auf 317 angestiegen sind. Im positiven Sinne einen dramatischen Rücklauf erlebten hingegen die Diebstähle. Sie sanken um 298 auf 1051.

Auch Vermögens- und Fälschungsdelikte (Betrug, Computerbetrug, Beförderungserschleichung) erfuhren einen deutlichen Rückgang um 71 auf 431. Rauschgiftdelikte stiegen um 21 auf 98 Fälle an. Bei den Sonstigen Straftatbeständen (StGB), worunter Sachbeschädigung, Brandstiftung, Hausfriedensbruch und Widerstand summiert werden, blieb die Zahl der Delikte mit 470 im letzten Jahr nahezu konstant.

Der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen ist von der Teilnahme seiner Stadt an der Dunkelfeldstudie ein wenig überrascht. „Erst vor wenigen Wochen haben wir von der Kreispolizei die aktuellsten Statistikzahlen erhalten, wonach Erkelenz in fast allen Bereichen die besten Werte hat. Insofern ist ein wenig verwunderlich, warum Erkelenz ausgesucht wurde.“ Vielleicht sei aber auch das der Grund, meint er. „Daher bin ich mal gespannt, wie am Ende das Ergebnis der Dunkelfeldstudie sein wird.“

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