Dunja Rajter mit musikalischer Lesung in Heinsberg

Dunja Rajter in Heinsberg : Eine Kindheit in Armut, aber ein klares Ziel im Blick

Sie war unterhaltsam, mit vielen unterhaltsamen Informationen gespickt und zugleich so tief berührend, die musikalische Lesung, zu der die Sängerin und Schauspielerin Dunja Rajter am Samstag in die Heinsberger Christuskirche gekommen war.

Mitgebracht hatte sie ihre Lieder und ihre Autobiographie, erschienen unter dem Titel eines ihrer größten Hits: „Nur nicht aus Liebe weinen“. Mit diesem Lied, begleitet von Pianist Gert-Jan Naus, betrat sie auch die Bühne, bevor sie sich an einen kleinen Tisch setzte und begann, aus ihrem Buch zu lesen. Am Anfang stand eine entbehrungsreiche Kindheit im ehemaligen Jugoslawien. „Die Schaufenster sind leer. Das Essen ist einfach“, hieß es da zum Beispiel.

Eindrucksvoll beschrieb sind im Buch auch die Erlebnisse zusammen mit ihrem Vater in der Oper. Immer passend zwischen einzelnen Textpassagen sang Dunja Rajter, hier ein Schlaflied, das ihr Vater für sie und ihre Schwester geschrieben hat und das in ihrer Heimat zu einem Volkslied geworden sei, wie sie erzählte. Immer wieder wich sie von ihrem Lesemanuskript ab, erzählte einfach aus ihrem bewegten Leben, mindestens genauso eindrucksvoll. 

Ganz genau erinnerte sie sich an ihr Umfeld in Zagreb, an „einen Platz mit etwas Grün und drei Bänken darauf“ und an ihr Ziel, die nationale Akademie für Theater und Filmkunst zu besuchen. „Ich komme meinem Lebenstraum ein Schrittchen näher“, schreibt sie im Buch zur gelungenen Aufnahmeprüfung. Noch einmal sang sie dann, was sie bei ihrem Diplom vorgetragen hatte, die Ballade Seeräuber-Jenny aus dem Theaterstück „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht, ganz ohne ihren sie ansonsten beim Sprechen so prägenden Akzent.

Dunja Rajter las über ihr Engagement in Karl-May-Filmen und ihre Entscheidung für Deutschland. „Hier hatte ich viel größere Chancen, konnte etwas Geld verdienen.“ So habe sie ihren Eltern etwas zurückgeben können. Eindrucksvoll berichtete sie später auch über ihre Unterstützung für ihre Landsleute im Balkankrieg, über ihre Kontakte zum damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher oder den ehemaligen Nato-Generalsekretär Manfred Wörner. Spannend erzählte sie zudem von einer Fahrt mit Heino in die besetzte Zone, um auf den Krieg in ihrer Heimat aufmerksam zu machen. 

Aber auch die traurigen Kapitel in ihrem Leben lässt sie im Buch nicht aus, etwa ihren schweren Autounfall im Jahr 1970 mit ihrem ersten Ehemann, dem Kameramann Gérard Vandenberg. „Aber ich hatte Glück. Ich habe viel gebetet“, blickte sie zurück. Noch im Rollstuhl sitzend habe sie das Lied „Ja was ist schon dabei“ aufnehmen können, basierend auf Folklore ihrer Heimat. 

„An jenem Tag“ hieß ihr erstes Lied nach der Pause, bei dem sie das Publikum problemlos zum Mitsingen begeistern konnte. „Ich brauche einen Chor, und ich glaube, dass man in einer Kirche gut singt“, erklärte sie. „Das war schön, eine echt tolle Stimmung für mich“, sagte sie, nachdem der letzte Ton verklungen war. Und obwohl aufgeschrieben und schon mehr als 30 Mal vorgetragen, stockte ihr auch in Heinsberg noch die Stimme bei ihrem Bericht über das tragische Ende ihrer Ehe mit dem britischen Popmusiker Les Humphries, aus der Sohn Danny hervorgegangen ist. 

In diesem Zusammenhang verriet Dunja Rajter dann auch den Grund für dieses Buch: Für ihre jetzt drei Jahre alte Enkelin Leyna habe sie es geschrieben, sagte sie. Sie solle nicht schlecht über ihren Großvater reden. „Es gibt immer Gründe, warum Menschen so sind, wie sie sind“, lautete ihre Botschaft. „Kein Mensch ist von Natur aus böse.“

(anna)
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