Heinsberg-Laffeld: Dubioser Polizeieinsatz: Laffelder mit drei Schüssen niedergestreckt

Heinsberg-Laffeld: Dubioser Polizeieinsatz: Laffelder mit drei Schüssen niedergestreckt

Der 700-Seelen-Ort Laffeld liegt an der südwestlichen Stadtgrenze Heinsbergs zu den Nachbargemeinden Gangelt und Waldfeucht. Die beschauliche Ruhe wird gelegentlich durch durchfahrende Autos oder Motorräder gestört. Um 22 Uhr gehen hinter vielen Fensterscheiben schon die Lichter aus und die Menschen betten sich zur Nacht. Am Dienstag sollte es für einige Einwohner jedoch eine unruhige werden. Denn kurz nach 22 Uhr zerrissen Schüsse die gewohnte Stille.

Dr. Jost Schützeberg von der Staatsanwaltschaft Aachen schildert die Umstände, die zu den Schüssen führten — dem Vernehmen nach sollen es drei gewesen sein — später gegenüber unserer Zeitung. Danach sei es gegen 21.55 Uhr zu einem Polizeieinsatz in einem Haus in Laffeld gekommen, an dem vier Beamte beteiligt gewesen sind.

Ein Notruf per Telefon brachte vier Polizisten am Einsatzort selbst in eine gefährliche situation.

Dem Einsatz vorausgegangen war ein Anruf über die Notrufnummer in der Zentrale der Kreispolizei. Ein Mann hatte sich dort gemeldet und laut Schützeberg einen „Notfall vorgetäuscht“. Was er genau sagte und wie dieser Notfall sich darstellte, darüber macht Schützeberg keine Angaben. Fest steht jedoch, dass der Inhalt des Gespräches, das die Beamten am Telefon mit dem Mann führten, offenbar alarmierend genug war, um gleich zwei Streifenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht nebst Martinshorn nach Laffeld zu beordern.

Was sich wenig später in einem an der Hauptverkehrsader des Dorfes gelegenen Einfamilienhaus abgespielt hat, wissen derzeit wohl nur die beteiligten Akteure ganz genau. Der Anrufer, ein 26-jähriger Mann, der sich allein in dem Haus befand, öffnete den Polizeibeamten die Tür.

Warum es schon kurz danach zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem 26-Jährigen und den Beamten kam, konnte Schützeberg am Mittwoch noch nicht sagen. Der Streit schaukelte sich jedoch derart hoch, dass der 26-Jährige offenbar die Beamten körperlich attackierte, so dass diese sich mit dem Einsatz von Pfefferspray zur Wehr setzen mussten. Mit fatalen Folgen, denn leider sei es nicht gelungen, den Mann auf diese Weise in Schach zu halten oder ihn gar zu beruhigen.

Das Gegenteil war der Fall. Jetzt habe er zu einem Messer gegriffen und sei damit erneut auf die Polizisten losgegangen, schildert Schützeberg die Situation. „Da trotz Androhung des Schusswaffengebrauchs von der Person weiterhin massive Angriffe ausgingen“, so der Staatsanwalt, „setzte einer der Beamten die Schusswaffe ein.“ Der 26-Jährige wurde dadurch schwer verletzt. Schon gegen fünf Uhr am gestrigen Morgen kämpften Ärzte des Klinikums in Aachen auf dem OP-Tisch um sein Leben. Bis Redaktionsschluss befand sich der 26-jährige Laffelder noch nicht außer Lebensgefahr.

„Gegen den Beschuldigten wird ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Totschlags eingeleitet“, bestätigt Schützeberg gegenüber unserer Zeitung. Zudem werde geprüft, ob dies auch bei dem Polizisten gegeben sei, der die Schüsse aus seiner Dienstwaffe abfeuerte. Derzeit deute jedoch nichts darauf hin, so der Staatsanwalt, dass es sich um etwas anderes als Notwehr gehandelt haben könnte.

Am Tag nach dem dubiosen Vorfall ist in Laffeld wieder Ruhe eingekehrt. Nur die blauen Behördensiegel an der Haustür und dem Garagentor des Hauses in Laffeld weisen noch auf die Geschehnisse der Nacht hin.

Manche Anwohner geben an, gar nichts mitbekommen zu haben von dem Polizeieinsatz. Andere haben nur die Schüsse gehört. Alle jedoch schildern den 26-Jährigen als eher unauffälligen Zeitgenossen. Selbst die Polizei hat da bislang keine weiteren Erkenntnisse.

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