Pro Arte lädt ein: Dreiklang der Sinne und gelebte Inklusion

Pro Arte lädt ein : Dreiklang der Sinne und gelebte Inklusion

Je zwölf Kunstwerke, Musik und Texte präsentiert der Kunstförderkreis Pro Arte am Samstag, 6. Oktober, ab 19.30 Uhr beim „Kaleidoskop der Sinne“ in der Leonhardskapelle. Dazu bündeln in der Erkelenzer Leonhardskapelle 22 Künstler ihre Schaffenskraft zu einem Dreiklang der Sinne, einem genüsslichen Menü der ganz besonderen Art.

„Aus Farben, Tönen und Worten vorzüglich angerichtet, zelebriert sich ein Kunsterlebnis von ungeheuerer Intensität, eine Zauberwelt der Fantasie für Auge und Ohr“, heißt es seitens Pro Arte. Heimische Protagonisten und Künstler aus der Euregio finden sich in einem endemischen Rendezvous zu einem Event der Vielfältigkeit und Überraschungen. „Es sind die Inspiration der Musiker, die Interpretation der Autoren und die Leidenschaft der bildenden Künstler, die ein neues, gemeinsames, einzigartiges und einmaliges Kunstwerk erschaffen.“

Spannende Begegnungen

Das siebte „Kaleidoskop der Sinne“ wird so auch zur einer „Zaubertüte“. Eine Verblüffung löst die andere ab. Die Malereien und Skulpturen der zwölf Künstler, zu denen die Musiker Viola Kramer und Eckhart Krause eigene Musik komponieren, sechs Autoren Texte in Lyrik oder Prosa treffsicher formulieren, sind wie die purzelnden, sich spiegelnden Glassteinchen: Kunst, die bei jeder Drehung ein neues Gesicht bekommt.

Die Gefangenheit der Illusion macht aus Sichtbarem das Unsichtbare, ist das verwirrende und wirbelnde Spiel der Reflexion, ist die Auseinandersetzung von „Schein“ und „Sein“. Weder die Autoren noch die Musiker kennen die „Macher“ der Objekte — und wissen nicht, welchen Namen sie tragen. Sie schöpfen ihre Sicht und Deutung aus den Werken, fassen sie in Noten und Worte.

Kunstwerke im Original und gleichzeitig auf der großflächigen Projektionswand: Eine ganz besondere Einladung zum Kennenlernen, um Bildern und Skulpturen nahe zu sein. Doch dann geraten die Exponate unversehens in den Kreisel des Andersseins, denn gekonnte Wortschöpfungen der Autoren und unerwartete Tonvariationen der Musiker lassen die Werke der bildenden Künstler in einem völlig anderen Licht erscheinen. Sie sind plötzlich spielerisch, kaleidoskopisch im neuen Gewand.

Ebenfalls einmalig und ein weiterer ausgefallener Hingucker ist die äußerst einfallsreiche und quicklebendige Performance von Anja Abels und Walter Verwoert, die in der Pause im Treppenhaus der Leonhardskapelle Kunst „schöpfen“. Tanz, Musik, Worte und Ausstrahlung „fliegen“ über die Stufen, geben der Kunst des Augenblicks Ausdruck und Gestalt. Sie verwandeln das profane Betongebilde in einen Ort gekonnter, spiegelnder Darstellung — in eine imaginäre Bühne.

Und noch etwas Ungewöhnliches haben sich die Verantwortlichen von Pro Arte einfallen lassen: Blinde Kunstbegeisterte können die Skulpturen und Gemälde „sehen“, weil die ausgestellten Werke im „Kaleidoskop der Sinne“ in Brailleschrift sorgfältig und treffend beschrieben sind. Vorsitzender Willi Arlt: „Das ist uns eine Herzenssache.“

In Zusammenarbeit mit der blinden Berliner Künstlerin Silja Korn — dazu die Sozialpädagogin Sarah Kitza von und mit der Blindenschule in Düren sowie die sehenden „Übersetzer“ für eine authentische Bildsprache — entsteht im Sinne des Kaleidoskops in der Leonhardskapelle gelebte Inklusion. Und auch das ist neu: Tondateien gehören nunmehr ebenfalls zum Angebot des Förderkreises Pro Arte. Sie können von Blinden und Schwerstsehenden bei Pro Arte kostenlos angefordert werden.

Pro Arte wird das „Kaleidoskop der Sinne“ am 19. Oktober auch in der Aachener Citykirche St. Nikolaus präsentieren. Alle Kunstwerke aus dem Kaleidoskop sowie weitere Exponate bleiben dann in einer 14-tägigen Ausstellung.

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