Drei Kristallisationspunkte gibt es mittlerweile in Heinsberg

Kristallisationspunkte in Heinsberg : „Wir wollen helfen und machen es einfach“

„Im Grunde gab es kein richtiges Konzept. Wir haben mit unserer Arbeit einfach losgelegt und daraus ist das Konzept gewachsen“, sagt Gülsen Litherland von den sozialen Diensten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und schmunzelt.

Nach der Auflösung der großen Flüchtlingsunterkünfte wie unter anderem in der Turnhalle der Sonnenscheinschule ging die Arbeit im Stadtgebiet Heinsberg weiter – und nicht nur da.

Viele Projekte wurden in den Städten und Gemeinden gestartet, um den geflüchteten Menschen weiter zu helfen. Die Integrationsarbeit im Kreis erhielt eine neue Dimension. So wurde in der Heinsberger Rudolf-Diesel-Straße ein sogenannter Kristallisationspunkt (KAI) eingerichtet. Mittlerweile gibt es drei KAI im Kreis Heinsberg.

Es entstanden echte Vorzeigeprojekten, wie der Schwimmkurs für Frauen und Mädchen. Bisher konnten bereits an acht Frauen Schwimmabzeichen überreicht werden.

Vor kurzem wurden im KAI Heinsberg neue Ausstellungsräume eröffnet, die die unterschiedlichen Arbeiten der Projekte präsentieren. Bereits auf dem Weg dorthin fällt ein besonderes Kunstwerk ins Auge. Auf einer handgearbeiteten Decke fliegen kunterbunte Vögel über und unter Violinschlüssel, Noten und Notenlinien und es scheint fast so, als zwitschern und tanzen sie zur Musik. Petra Simos ist stolz auf das gelungene Deckenprojekt.

Im Ausstellungsraum werden viele weitere Werke gezeigt. „Alles ist einfach mitgewachsen“, sagt Gülsen Litherland. Ein weiteres Schmuckstück im Haus ist der große Schulungsraum. Doch noch werden dringend Industrienähmaschinen benötigt. Bisher bringen die ehrenamtlichen Helferinnen nämlich ihre eigenen Nähmaschinen mit. Damit werden im KAI einzigartige Sachen in Handarbeit gefertigt, auf die jedes Modehaus neidisch werden könnte.

Erhältlich sind die Stücke im sogenannten „Anziehungspunkt“, der einer Boutique ähnelt und von Ingrid von Karczewski und Gitte Gasteyer betreut wird. „Unser KAI ist ein Erfolgsmodell. Wir sehen die Arbeit und legen einfach los. Wir wollen helfen und machen es einfach“, erklärt Gülsen Litherland. Ohne die unbürokratische Hilfe unter anderem die des Kreises Heinsberg, der Städten sowie Gemeinden im Kreis, des Kreissportbundes, der zahlreichen Institutionen, der Ärzteschaft und der Vereinen nicht möglich, sei dies aber nicht möglich, sagt sie und nutzt die Gelegenheit, um dafür Danke zu sagen.

Und natürlich ging der Dank auch an die unzähligen Helferinnen und Helfer auch aus Reihen der Flüchtlingen und Asylsuchenden.

Die Arbeit des DRK, so hieß es, sei von den sieben Grundsätzen Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität geprägt, die in der KAI gelebt werden.

(agsb)
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