Wegberg: Diskussion über Gesamtschule in Wegberg beendet

Wegberg : Diskussion über Gesamtschule in Wegberg beendet

„Der Preis ist zu hoch.“ Es war Tobias Arndt (Grüne), der diesen Satz sagte und darin die Diskussionen zum Thema Gesamtschule in Wegberg zusammenfasste. Im Bildungsausschuss ging es um einen Antrag der Fraktion „Die Linke“, der eine Elternbefragung forderte, um zu ermitteln, ob die Eltern „die Einrichtung einer Gesamtschule in Wegberg als erforderlich betrachten und deren grundsätzliche Notwendigkeit fordern“.

Annette Dahmen Langela (Die Linke) hatte alle Gründe für die Einrichtung einer Gesamtschule zusammengetragen: Bildungschancen unabhängig vom Geldbeutel und sozialen Status der Eltern, keine frühe Selektion, Ermöglichung sozialer Mobilität. Am Schulstandort Wegberg sehe sie ein hohes Potenzial für eine Gesamtschule.

Dennoch ginge es im Antrag ausschließlich darum, dem Wunsch der Bevölkerung Gehör zu verleihen. Die Linken wärmten damit ein altes Thema auf, denn schon 2007 war die SPD mit dem Thema Gesamtschule im Rat gescheitert, 2010, 2013 und 2015 gab es ähnliche Anfragen zur Elternbefragung, alle von der Fraktion Freie Wähler Wegberg. Die Freien Wähler waren auch die einzige Fraktion, die sich dem Antrag der Linken anschloss. Alle anderen Fraktionen folgten der Argumentation der Verwaltung, die warnte, dass „alle drei bestehenden Schulen in einer Gesamtschule aufgehen müssten“, um hier einen ordentlichen Betrieb sicherstellen zu können.

Mindestens vierzügig mit 100 Schülern je Jahrgangsstufe müsse eine Gesamtschule aufgrund gesetzlicher Bestimmungen sein. „Im Gymnasium haben wir derzeit rund 700 Schüler“, ergänzte die Erste Beigeordnete Christine Karneth, da liege es auf der Hand, dass die Einrichtung einer Gesamtschule „zu Lasten der bestehenden und bewährten Schulen in Wegberg“ gehen würde.

Zudem sei zu befürchten, dass Eltern, die ihre Kinder eben nicht an einer Gesamtschule anmelden wollen, dann in Nachbarkommunen abwandern. Alle möglichen Abschlüsse würden an den bestehenden Schulen (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) angeboten. Die räumliche Nähe und die intensive Zusammenarbeit der weiterführenden Schulen machten einen Schulwechsel unproblematisch.

Der von der Fraktion Die Linke ins Feld geführte Argumentation, dass der demografische Wandel zu rückläufigen Schülerzahlen führe, hielt die Verwaltung entgegen, dass die Schülerzahlen mit rund 200 Schülern je Jahrgang stabil seien. Neueste Zahlen waren gerade im Bildungsausschuss vorgelegt worden. Von den 199 Wegberger Viertklässlern, die zu weiterführenden Schulen wechseln, verteilen sich 136 (68 Prozent) auf die Wegberger Schulen, zu den Gesamtschulen in den Nachbarkommunen wechseln insgesamt 37.

Mit großer Mehrheit von CDU, SPD, Grünen und FDP (gegen zwei Stimmen von Linke und Freie Wähler) lehnte der Ausschuss den Antrag ab. Eine Elternbefragung mache nur Sinn, wenn das Ergebnis auch umgesetzt werde. Die Eltern der aktuellen Grundschuljahrgänge drei und vier würden damit über die Zukunft des Schulsystems in Wegberg entscheiden. Und für die Etablierung einer Gesamtschule die bestehenden Schulen in Wegberg aufzugeben, der Preis war allen zu hoch.

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