Wegberg: Die Politik knickt vor den Vereinen ein

Wegberg: Die Politik knickt vor den Vereinen ein

„Sparen ja, aber nicht auf Kosten der Kinder!“ Mit diesen Transparenten und etwa 25 Mitgliedern wartete der Shotokan Karate Verein Wegberg auf dem Rathausplatz auf Einlass in den Ratssaal. Sie befanden sich in bester Gesellschaft, es war ein wahrer Menschenauflauf vor dem Wegberger Rathaus.

Viele Vereinsmitglieder waren gekommen, um noch Einfluss auf die bereits Mitte Mai vom Rat beschlossenen neuen Richtlinien zur Vereinsförderung und die neuen Hallen-, Sportplatz- und Raumbenutzungsgebührenordnung zu nehmen. Auf der Tagesordnung der Ratssitzung stand der Beschluss über die Auszahlung der Zuschüsse.

„Gut 300 Leute werden es wohl sein“, meinte Bernd Stamms, Vorsitzender des Stadtsportverbands Wegberg. Die größte Abordnung stellte der FC Wegberg-Beeck mit 70 Mitgliedern aus allen Generationen; der Handballverein entsandte viele junge Leute; die Teilnehmer der Wohngemeinschaft Beeckerwald waren vornehmlich im gesetzten Alter; beim TV Büch Arsbeck vereinten sich alle Altersklassen zum Protest.

Mit mehr oder minder viel Hoffnung hatten sie sich eingefunden. Vom resignierenden „Da wird sich nichts ändern, aber wir bekunden unsere Meinung“ über ein zaghaftes „Vielleicht nicht heute, vielleicht später“ bis zum optimistischen „Wir hoffen es sehr“, wurden alle möglichen Szenarien in Betracht gezogen. Die Stadtverwaltung war gut vorbereitet.

Ordner an der Aufgangstreppe zählten die eingelassenen Zuschauer, mehr als 150 wurden — auch aus statischen Gründen — nicht in den Ratssaal gelassen. Wer keinen Einlass fand, konnte in der unteren Etage über eine Live-Beschallung wenigstens hören, was im Ratssaal ablief.

Bürgermeister Reinhold Pillich freute sich über ein „ausverkauftes Haus“, beweise es doch, dass „Vereinsarbeit in Wegberg eine Herzensangelegenheit“ sei. Die entsprechenden Tagesordnungspunkte zog er mit Blick auf die dicht gedrängt stehenden Zuschauer vor. Alle Fraktionsvorsitzenden meldeten sich zum brisanten Thema zu Wort.

Georg Gellissen, CDU, erklärte, Jugendarbeit dürfe nicht an den Stadtgrenzen halt machen. Deshalb sei im Jugendbereich das Förderkriterium, dass mindestens drei Viertel der Mitglieder in der Stadt Wegberg wohnen müssen, zu überdenken. Er stellte klar, dass die umstrittenen Energiekostenbeiträge keine zusätzliche Geldquelle für die Stadt seien, sondern zweckgebunden für Hallensanierungen. Die Beiträge sollten aber moderater beginnen, in 2014 nicht mit 50 Prozent des errechneten Betrages, sondern mit 25 Prozent.

Sandra Nelsbach, Freie Wähler Wegberg, gab unumwunden zu, dass der Rat einen Fehler gemacht habe, als er die neuen Richtlinien ohne Beteiligung der Vereine beschlossen habe und forderte, den Ratsbeschluss vom 14. Mai aufzuheben.

Evelyne Fegers, SPD, gab zu bedenken, dass das dazu führen würde, dass in 2013 keine Zuschüsse ausgezahlt werden könnten. Auch ihre Fraktion könne sich vorstellen, im Bereich der Vereins-Jugendarbeit auf die Auflage des Erstwohnsitzes in Wegberg zu verzichten und den Anteil der Energiekosten für 2014 auf 25 Prozent zu senken.

Sinnvolle Anpassung

Eleonore Zimmermann (Grüne) wollte die Richtlinien in die Fraktionen zurückgeben, um ausführlich zu beraten. Christoph Böhm (FDP) konnte sich eine Veränderung der Jugendförderung vorstellen und hielt die Anpassung der Energiekostenbeiträge für 2014 für sinnvoll.

Allgemeine Erleichterung, als dann der Konsens im Rat gefunden war: Ab 2014 werden auch Kinder und Jugendliche gefördert, die nicht im Stadtgebiet Wegberg wohnen; und der Energiekostenbeitrag wird für 2014 auf 25 Prozent (statt bisher 50 Prozent) der errechneten Summe festgelegt.

Vereinsvertreter sollen in die künftigen Beratungen über die Vereinsförderung einbezogen werden, verlässliches Zahlenmaterial über die Energiekosten der Sporthallen will die entsprechende Fachabteilung der Verwaltung bis Ende April vorlegen. Dann sollen weitere Überlegungen angestellt werden.

Die Fördersumme 2013 in Höhe von 44.968,10 Euro wird an die Vereine ausgezahlt. „Wir wollen die Vereine nicht im Stich lassen“, betonte Pillich. Lobende Worte fand er auch für das Verhalten des Publikums in der Ratssitzung. „Man merkt, dass Sportsleute Fair Play kennen und leben“.

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