Wassenberg: Die neue WFW-Fraktion will sich nur mit lokalen Themen befassen

Wassenberg : Die neue WFW-Fraktion will sich nur mit lokalen Themen befassen

Direkt nach der Kommunalwahl im Jahr 2014 war das Farbschema im Wassenberger Rat noch recht klassisch. Neben Schwarzen saßen Rote, Grüne, Gelbe und Dunkelrote. Diese Farbenlehre ist jedoch seit einiger Zeit überholt. Die Fraktion Wir für Wassenberg (WFW) hat sich in der laufenden Wahlperiode gegründet — sie hat so gesehen einen Kaltstart hingelegt.

Die Geschichte der Gründung und des Anwachsens der WFW-Fraktion ist auch eine Geschichte des Zerfalls der SPD-Fraktion. Alle vier Mitglieder der WFW-Fraktion waren bei der Kommunalwahl im Jahr 2014 für die SPD in den Stadtrat eingezogen. Nach dem Bruch mit der SPD behielten sie ihre Mandate und arbeiten nun als WFW weiter im Rat. Der erste war Horst Vaßen, er war zuvor stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD gewesen, bis er 2016 aus der Partei austrat. Vaßen sagte damals, dass er mit seinen Positionen in der SPD-Ratsfraktion nicht mehr durchgedrungen sei. Wenig später folgte Torsten Lengersdorf, er sagte damals, dass ihn die Entscheidung des Parteikonvents für das CETA-Abkommen zum Ausstieg bewegt habe.

Die ehemaligen Genossen Vaßen und Lengersdorf fanden als parteilose Ratsmitglieder wieder zusammen und gründeten die WFW-Fraktion. Ihr Ziel: Sie wollen sich ausschließlich um lokale Belange kümmern — ohne auf Parteizwänge oder -positionen Rücksicht nehmen zu müssen. Anfang des Jahres 2017 trat dann Mario Gehr von der SPD zur WFW über. Und als die SPD nach ihrem Mitgliederentscheid zur Groko von einer Austrittswelle getroffen wurde, wechselte auch Bärbel Stangier zur WFW.

Verbindendes Element soll dabei der klare Fokus auf Wassenberg sein. Man will sich nur mit kommunalpolitischen Themen beschäftigen. Die WFW-Leute wollen nicht für bundespolitische Entscheidungen irgendwelcher Parteigrößen geradestehen. Sie wollen sich vor Ort einmischen. „Die Bürger wollen unabhängige Vertreter in der Kommunalpolitik. Seitdem wir unabhängig sind, kommen die Leute auf uns zu. Jetzt macht das richtig Spaß“, sagt Horst Vaßen, der Fraktionsvorsitzende der WFW.

Genauso sieht es sein Stellvertreter Torsten Lengerdorf: „Es tut uns gut, uns von den Parteidogmen zu lösen. Wir müssen keine Partei nach außen vertreten“, sagt er. Das mache die Arbeit unkomplizierter. „Uns geht es immer um die Idee. Nicht darum, von wem sie kommt“, sagt Lengersdorf. Politische Spielchen, bei denen die CDU etwa keinem SPD-Antrag zustimmen könne, gebe es bei der WFW nicht. Im Gegenteil: Die Fraktionsmitglieder gingen mit ihren Vorschlägen auch auf andere Fraktionen zu und werben um Zustimmung.

Bei solchen Fragen gehe es auch immer um Respekt und den Umgang miteinander: Jeder, der sich im Stadtrat einsetze, bekleide ein Ehrenamt, sagt Lengersdorf. Deshalb wolle man sich nicht bekämpfen, sondern respektieren.

Dass sich eine kleine Fraktion Partner suchen und für Ideen werben muss, versteht sich von selbst. Sonst würde nie eines ihrer Vorhaben durchkommen: Bei Anträgen zu Liveübertragungen aus dem Stadtrat, für einen Calisthenicsplatz und zu einer Mindestzahl von Pkw-Stellplätzen bei Neubauten kooperierte die WFW etwa mit der FDP. „Wir gehen zum Beispiel auch offen auf die CDU zu und tragen Ideen anderer Fraktionen mit. Wir wollen mit Argumenten überzeugen“, sagt Lengersdorf. Über das Verhältnis zur SPD haben Vaßen und Lengersdorf allerdings noch keine Meinung: „Mal abwarten, wie sich das entwickelt“, sagen sie.

Dass es nun auch im Wassenberger Stadtrat eine parteipolitisch unabhängige Fraktion gibt, ist nicht außergewöhnlich. Vielmehr gibt es Freie Wähler, Unabhängige Bürger und andere Wählergruppen in allen Räten im Kreis Heinsberg. Die einen heißen Pro Selfkant, die anderen Aktiv für Wegberg und die neuen nun Wir für Wassenberg.

Was das Farbspektrum im Rat angeht, hat die WFW jedenfalls für eine Erweiterung gesorgt: Auf der Visitenkarte des Fraktionsvorsitzenden Vaßen steht ein blauer Schriftzug. Und diese Farbe ist in Wassenberg noch nicht vergeben.