Die Marathonläufer unter den Pflegekräften

Mit Schrittzählern unterwegs : Die Marathonläufer unter den Pflegekräften

Jeder Schritt, den die Pfleger im Seniorenzentrum Breberen machen, wird jetzt einen Monat lang gezählt. Die Heinrichs-Gruppe hat ihre Pflegekräfte mit Schrittzählern ausgestattet. Die Daten sind wichtig für das betriebliche Gesundheitsmanagement.

Dass Altenpflege mitunter ein harter Job ist, ist alles andere als neu. Aber meistens geht es dabei um die Belastungen für den geplagten Rücken der Pflegekräfte. Wer schon einmal einen erwachsenen Menschen heben musste, der weiß, welchen Belastungen Pflegerinnen und Pfleger ausgesetzt sind. Aber die Pflegekräfte machen auch ordentlich Meter, besser gesagt Kilometer. Wie weit sie genau unterwegs sind, das erfasst die Heinrichs-Gruppe aktuell in ihren zehn stationären Pflegeeinrichtungen.

10.000 Schritte pro Schicht schaffe er problemlos, sagt Pflegefachkraft Stefan Geurts, der im Seniorenzentrum Breberen arbeitet. Es seien meist deutlich mehr. Für Menschen, die bis 1,70 Meter groß sind, gilt, dass 10.000 Schritte ungefähr sechs Kilometern entsprechen. Für Menschen, die 1,70 Meter und größer sind, entspricht das ungefähr sieben Kilometern.

Für das Betriebliche Gesundheitsmanagement der Heinrichs-Gruppe ist erst einmal die Bestandsaufnahme wichtig, sagt Roswitha Hoffmann: „Wie viel laufen die Mitarbeiter eigentlich?“ „Was leisten sie?“ „Und was kann man für sie tun?“

Bei der letzten Frage spiele zum Beispiel das Schuhwerk eine wichtige Rolle. Wer so viel unterwegs ist und keine guten Schuhe trägt, schadet möglicherweise seinem Rücken und den Gelenken. Ein Jogger achte schließlich auch darauf, immer gute Laufschuhe zu tragen, es gelte, das Bewusstsein der Pflegekräfte in diese Richtung zu schärfen, sagt Hoffmann. „Wir werden sehen, welche Maßnahmen für die Mitarbeiter wir daraus ableiten können“, sagt sie.

Das Gehen nehme sie gar nicht als Belastung wahr, sagt Pflegefachkraft Michelle Milles. „Das ist eher Nebensache. Das Heben merke ich körperlich stärker als das Laufen“, sagt sie. Man habe im Arbeitsalltag so viele andere Dinge im Kopf, dass man gar nicht wahrnehme, welche Distanzen man zurücklegt.

Wettkampfgedanke: Stefan Geurts und Michelle Milles zählen, wie viele Schritte sie in ihrer Schicht zurücklegen. Für weite Distanzen winken Preise. . Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Allerdings geht es bei der Aktion der Heinrichs-Gruppe auch um den Spaß und den Wettkampfgedanken. In jeder Pflegeeinrichtung der Gruppe gibt es nun vier Schrittzähler. Damit wird einen Monat lang dokumentiert, wie weit die Mitarbeiter gehen. Das kleine Gerät wird nach jeder Schicht an einen Kollegen übergeben. Und am Ende rechnet Roswitha Hoffmann zusammen, welche der Einrichtungen die längste Strecke zurückgelegt hat. Für das Gewinner-Team winken bei der Weihnachtsfeier im November Preise. Das motiviert, wie Michelle Milles und Stefan Geurts sagen. Als Geurts vom Einsatz der Schrittzähler erfuhr, war er jedoch einen Moment lang skeptisch: Wollte der Arbeitgeber nun etwa kontrollieren, wer wie weit läuft? Darum gehe es jedoch nicht, wie Hoffmann sagt: Die Distanz werde nur für das Team gespeichert, nicht für einzelne Pfleger.

Eines ist Stefan Geurts dann nach kurzer Zeit aufgefallen: Die Pflegeschüler sind die Marathonläufer auf der Station. „Wenn man die Schichtleitung hat, dann sitzt man viel am Schreibtisch und schreibt Dokumentation. Aber die Schüler flitzen immer über die Station.“