Reformatorinnen in der evangelischen Kirche: Die Geschichten von mutigen Frauen erzählen

Reformatorinnen in der evangelischen Kirche : Die Geschichten von mutigen Frauen erzählen

Katharina von Bora steht hinter dem Altar, Sibylle von Jülich-Kleve-Berg hat hinter dem Flügel Platz genommen, „und Katharina Schütz-Zell steht da, wo sonst Sebastian Walde steht und predigt“, erklärte Elke Bennetreu in ihrer Begrüßung zu einer neuen Ausstellung in der Heinsberger Christuskirche. „Reformatorinnen. Seit 1517“ lautet ihr Titel.

Die Präsentation, die noch bis 9. Oktober, jeweils werktags von 9 bis 14 Uhr zu sehen ist und für die Audio-Guides zur Verfügung stehen, besteht aus Tafeln, für die 18 Biographien ausgewählt wurden. Hinzu kommen lebensgroße Holzfiguren einiger Reformatorinnen.

Mit einem kurzen Blick in die Geschichte des 16. Jahrhunderts begann die Leiterin der der evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich ihren Vortrag zur Einführung in die Ausstellung. „Aus dem Schatten treten – Frauen der Reformation“ hatte sie ihn überschrieben. Sie machte deutlich, dass die Reformation sich in Deutschland nicht hätte etablieren können, wenn damals nicht die Außenpolitik so sehr im Fokus gestanden hätte, unter anderem durch die Bedrohung aus dem osmanischen Reich.

Den Menschen sei ein Endzeitgefühl gegeben worden. Durch die Pest seien Familien auseinandergerissen und ihre Lebensumstände bestimmt worden.

„Da läuft etwas falsch“

Gleichzeitig hätten Frauen in Klöstern und in adligen Kreisen, die mit Begeisterung gelesen hätten, erkannt, „dass etwas falsch läuft in der Kirche“, so Elke Bennetreu. Genau diese „Menschengeschichten“ seien es, die sie erzählen wolle, betonte sie. „Denn sie machen Geschichte an sich nachvollziehbarer.“ Nicht die bestehende katholische Kirche mit ihrem Papsttum sei ihr erster Orientierungspunkt gewesen, sondern allein Jesus Christus. Und wenn es das Priestertum aller Gläubigen gebe, dann seien damit nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen gemeint. Mutige Frauen hätten sich schon damals Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit erhofft. „Sie wollten studieren, öffentlich reden, predigen dürfen“.

Doch das habe natürlich auch viel Gegenwind gegeben, den Frauen Repressalien eingebracht, so die Referentin weiter. „Das waren chaotische Zeiten.“ Einige Frauen hätten sich so weit nach vorne gewagt, dass sie auch vieles zerschlagen hätten. Dagegen hätten sich nicht nur Männer, sondern auch Frauen, zum Beispiel Nonnen in Klöstern, gewehrt. Eine volle rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen im Pfarramt gebe es in der evangelischen Kirche im Rheinland erst seit 1975, merkte sie an.

Als erstes Beispiel wählte sie Argula von Grumbach (1492-1568), die bereits als Zehnjährige von ihrem Vater eine Bibel erhielt. Sie schrieb Briefe unter anderem an Martin Luther, der sich als „ein einzigartiges Werkzeug Christi“ bezeichnete. Als an der Universität Ingolstadt ein junger protestantischer Gelehrter verbannt wurde, schrieb sie einen Brief an die Universität, der als Flugschrift verteilt wurde. Weitere sieben Flugblätter aus ihrer Feder sollten folgen. Verarmung und Vertreibung ihrer Familie waren die Folgen. Erst 2008 habe die bayrische Landeskirche den Mut dieser Frau gewürdigt, so Elke Bennetreu, durch die Grünung der Argula-von-Grumbach-Stiftung. Sie hat die Gleichstellung im Bereich der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern zum Ziel.

Beeindruckt hörten die Besucher auch die Geschichte von Marie Dentière aus Genf (1490/5-1561). Sie hatte einen „Bestseller“ über die Reformation in Genf geschrieben. Als jedoch bekannt wurde, dass die Schrift von einer Frau verfasst worden war, wurde der Verleger verhaftet, die Bücher verboten.

Auch ihr sei erst spät Ehre zuteil geworden, so Elke Bennetreu. Erst 2002 sei ihr Name dem Genfer Reformationsdenkmal hinzugefügt wurde. Als dritte Reformatorin stellte sie schließlich Wibrandis Rosenblatt (1504-1564) vor, die insgesamt viermal verheiratet war, davon dreimal mit einem Reformator. Sie ging mit ihrer Familie sogar ins Exil nach England.

Drei Vorträge

Der nächste Vortrag von Elke Bennetreu steht für den Mittwoch, 2. Oktober, auf dem Programm. Ab 18 Uhr stellt sie in der Kirche auch anhand von Filmmaterial Katharina Schütz-Zell vor, die 1497 in Straßburg geboren wurde und hier zusammen mit ihrem Mann eine reformierte Gemeinde aufgebaut hat.

Elisabeth von Rochlitz (1502-1557), Geheimagentin für den Schmalkaldischen Bund, präsentiert sie am Mittwoch, 9. Oktober, ab 15 Uhr.

Das Leben und Wirken von Dorothe Sölle (1929-2003), einer Reformatorin des 20. Jahrhunderts, thematisiert sie am Mittwoch, 30. Oktober, um 9.30 Uhr.

Anmeldungen zu den Vorträgen nimmt das Gemeindebüro der evangelischen Kirchengemeinde entgegen, Telefon 02452/24978.