Erkelenz: Die Frage nach der richtigen Strategie im Klimacamp

Erkelenz: Die Frage nach der richtigen Strategie im Klimacamp

Am Sonntag begannen die ersten Klimaaktivisten abzureisen. Nach der Strategiekonferenz und ersten Planungen für das kommende Jahr ging es noch darum, ein Fazit zu ziehen und Kritik zu sammeln. Denn nicht allen Klimaaktivisten war die Strategie der Öffnung und Schaffung lokaler Netzwerke genug.

Gegenüber dem Vorjahr vermissten einige der Camper durchaus die direkte Aktion. Es gebe Zeiten für Konferenzen und Zeiten für direkte Aktionen, hoben die Veranstalter hervor.

Welches der richtige Weg sei, müsse noch diskutiert werden. Unbestritten waren die Workshops sowie die Strategiekonferenz ebenso wie die Podiumsdiskussion über die Zukunft im Rheinischen Revier die Kernelemente des diesjährigen Camps. Positiv bewertet wurde die lokale Vernetzung, die in diesem Jahr vorangetrieben wurde. Besuchergruppen aus den umliegenden Ortschaften wurden durch das Camp geführt. In einem Zelt wurde mit einer Fotoausstellung und mehreren Interviewmitschnitten mit Anwohnern dem lokalen Widerstand gegen den Tagebau gedacht.

Das Klimacamp habe sich zu einer „Brutstätte der neuen Ideen entwickelt“, formulierte ein Teilnehmer der Diskussionsrunde. Gut funktioniert habe die Förderung der sogenannten Barrios, also „Nachbarschaften im Camp“, in denen Gleichgesinnte sich konkret über Aktionsmöglichkeiten austauschen konnten. Auch hier war die Gegenüberstellung von Information und Diskussion auf der einen und die Bereitschaft zur Teilnahme an konkreten Aktionen das vordergründige Thema der Diskussion.

Johanna Winter vom Presseteam des Camps betonte, dass die Fokussierung auf die lokale Anbindung auch mittelfristig zu einer größeren Akzeptanz führen werde, was wiederum bei zukünftigen Aktionen von Vorteil sei. „Aktionen des zivilen Ungehorsams bleiben auch weiterhin wichtig“, betonte sie.

Um eine Splittung der Interessenlagen ging es dementsprechend bei dem Vorschlag, anstelle des einen Camps im Rheinland mehrere kleinere zu veranstalten. Angesichts des Jubiläums, das im kommenden Jahr gefeiert werden könnte, wurde dies als falsches Signal zurückgestellt.

Neben strategischen und durchaus richtungsweisenden Fragen wie der Vernetzung auf lokaler, nationaler und globaler Ebene ging es auch um Alltägliches. Zum Beispiel die im vergangenen Jahr erfolgreich umgesetzte Praxis, mittels Wäscheklammern an den Duschzelten anzuzeigen, „mit Menschen welchen hauptsächlichen Geschlechts“ man bevorzugt gemeinsam dusche wolle. Dies war in diesem Jahr nicht so gehandhabt worden, was bei den Kohlegegnern im Camp auf Kritik stieß.

Die Planungen für das kommende Klimacamp haben schon begonnen. Zuerst müsse die Standortfrage geklärt werden, betonte ein Mitglied des Organisationsteams. Dies sei immer „ein Nadelöhr“, durch das man gelangen müsse, bevor mit der konkreten Planung begonnen werden könne. Insgesamt bleibt die Frage nach dem richtigen Weg für die Zukunft. Dieser Frage werden sich die Aktivisten nicht erst im kommenden Jahr widmen können.

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