Deutsche Streicherphilharmonie konzertiert in Heinsberg

Deutsche Streicherphilharmonie : Junge Musiker glänzen mit Spitzenleistungen

Mit einem im wahrsten Sinne des Wortes klassischen Geburtstagsständchen ist die Jugendmusikschule Heinsberg in den Konzertherbst ihres Jubiläumsjahres gestartet.

Sehr deutlich war Schulleiter Theo Krings seine Freude über den Gast anlässlich des 50-jährigen Bestehens, die Deutsche Streicherphilharmonie, dann auch anzumerken, den er in der Aula der Realschule im Klevchen zu einem Konzert mit Werken von Mozart, Bach, Chopin, Schostakowitsch und Beethoven begrüßen konnte. Mit dabei war als Solist zudem der Pianist Yuhao Guo aus Köln.

„Sie sehen hier einen sehr glücklichen Menschen vor sich“, erklärte Krings den rund 200 Zuhörern, als 60 ganz junge Musiker die große Bühne unter großem Applaus für sich erobert hatten. „Das ist das Sahnestück der deutschen Musikschul-Welt“, präsentierte er das junge bundesweite Spitzenensemble für hochtalentierte Streicher im Alter von 11 bis 19 Jahren. Nicht minder hieß er dessen Dirigent willkommen. Prof. Wolfgang Hentrich ist unter anderem auch der erste Konzertmeister der Dresdner Philharmonie.

„Leben, lernen, lachen, lieben“, zitierte Hentrich die vier Worte, die er über der Bühne in der Aula las. „Sie haben bestimmt auch in der Geschichte der Jugendmusikschule eine große Rolle gespielt“, erklärte er. Die Deutsche Streicherphilharmonie gebe es zwar erst seit 46 Jahren, aber sie habe schon an berühmten Orten gespielt, erzählte er, etwa im Wiener Musikvereinssaal. Und der Besuch in Heinsberg passte zwischen gleich drei Auftritte der jungen Streicher anlässlich der Premiere ihres Orchesters beim Beethovenfest in Bonn.

Nach dem ersten Satz der berühmten kleinen Nachtmusik von Wolfgang Amadeus Mozart spielten die jungen Streicher das Dritte Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach. Eigentlich würden dafür nur elf Musiker gebraucht, erklärte Hentrich. Das Stück chorisch zu besetzen sei eine Herausforderung. „Aber vielleicht hätte Bach seine Freude daran.“ Dass diese Hoffnung weit untertrieben war, bewiesen die jungen Musiker unter dem perfekten Dirigat Hentrichs in einer beeindruckenden Homogenität sowohl bei den gewählten Tempi als auch in der Variabilität der Lautstärke ihrer Darbietung.

Nach einer kurzen Pause begrüßte Hentrich Yuhao Guo am Flügel. „Der kennt keine Schwierigkeiten“, schickte er als Lorbeeren voraus, die sich Guo allerdings ganz schnell verdiente beim zweiten Klavierkonzert von Frederic Chopin in kongenialem Zusammenspiel mit dem jungen Orchester. Großer Beifall und Ovationen waren ihm gewiss.

Nach der Pause machte die Streicherphilharmonie alleine weiter mit der Kammersinfonie op 110a von Dmitri Schostakowitsch. Der Komponist habe dieses Stück in Dresden geschrieben unter dem Eindruck von Augenzeugenberichten aus dem Zweiten Weltkrieg und es zugleich als sein eigenes Requiem gesehen. Ohne Pause spielte das junge Orchester weiter zu seinem Schluss, dem dritten Satz des 16. Streichquartetts, der letzten Komposition von Ludwig van Beethoven, auch Friedensgesang genannt. Das Publikum war vollends hingerissen und ließ auch das junge Orchester nicht ohne Zugabe von der Bühne. Ein 91 Jahre alter Besucher in der ersten Reihe brachte die Begeisterung auf den Punkt: „Ist das nicht toll, was die jungen Leute schon draufhaben!“, staunte er.

Nicht nur Geburtstagsständchen war dieses Konzert, sondern auch Teil der Reihe „Klavier entlang der Rur“, die schon am kommenden Samstag, 21. September, um 20 Uhr im Rondell im Klevchen fortgesetzt wird mit einem Konzert der international gefeierten amerikanischen Pianistin Claire Haungci.

Mehr von Aachener Nachrichten