Der erste Schritt zu einem Rundweg um den Tagebau

„Grünes Band“ : Der erste Schritt zu einem Rundweg um den Tagebau

Auf dem neu angelegten Weg, der mit feinem Schotter bedeckt ist, steht eine Schubkarre voller Spaten. Und wenn Politiker außerhalb ihres eigenen Gartens zum Spaten greifen, dann soll das immer Symbol für einen Start sein.

So auch am Freitagmorgen in Jüchen. Dort fällt der Startschuss für das „Grüne Band“, ein Langzeitprojekt in Sachen Strukturwandel im Rheinischen Braunkohlerevier.

Südlich von Jüchen sind auf einer 4000 Quadratmeter großen, RWE gehörenden Brachfläche Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen worden. Damit soll der Natur- und Artenschutz gefördert werden. Samen für eine Blühwiese wurden ausgebracht, daneben stehen Obstbäume, Hecken, Nisthügel und eine Feuchtwiese mit Tümpeln. Unter anderem diene das Projekt dem Schutz von Insekten, deren Anzahl in den vergangenen Jahren bundesweit gesunken ist, hieß es. Es ist der erste Mosaikstein dieses Projektes, dem in den kommenden Jahrzehnten viele weitere folgen sollen.

An diesem Ort liegen Zukunft und Gegenwart des Rheinischen Reviers so eng zusammen wie kaum irgendwo anders. Die Schubkarre mit den Spaten steht nur gut 20 Schritte weit von der Kante zum Tagebau Garzweiler entfernt. An dieser Stelle sind die Kohlebagger bereits verschwunden. Lkw und andere Baufahrzeuge füllen das große Loch von unten her wieder auf. Ein Stück weiter trägt ein sogenannter Absetzer die deckende Lössschicht auf. Dort ist der Braunkohleabbau bereits Vergangenheit.

Wie das „GrüneBand“ irgendwann einmal aussehen soll, ist heute noch nicht im Detail geklärt. Klar ist aber, dass es ein 70 Kilometer langer Streifen samt Rundweg sein soll, der um das herumführt, was einmal vom Tagebau Garzweiler übrigbleibt. „Früher hat uns der Tagebau getrennt, demnächst verbindet uns der Rundweg“, sagte Jürgen Frantzen (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Titz.

Dabei solle der Rundweg nicht überall parkartig gestaltet werden, sagt Volker Mielchen, Geschäftsführer des Zweckverbandes Tagebaufolge(n)landschaften. An manchen Stellen stehe der Naturschutz im Fokus, an anderen die Naherholung, an wieder anderen neue Formen der nachhaltigen Landwirtschaft. Mielchen sprach in diesem Zusammenhang von „Garzweiler Gärten“. Das bedeute auch, dass nicht immer nur die öffentliche Hand aktiv werden müsse, der Zweckverband setze auch auf private Partner, wie beispielsweise Landwirte.

Die Bürgermeister Jürgen Frantzen (Titz), Peter Jansen (Erkelenz) und Harald Zillikens (Jüchen) eröffnen das erste Teilstück des „Grünen Bandes“ mit Dr. Gregor Bonin, Beigeordneter und Stadtdirektor von Mönchengladbach (von links). Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Mit dem Startschuss für das „Grüne Band“ wollen die Verantwortlichen offensichtlich auch ein Zeichen setzen, dass sich in Sachen Strukturwandel schon etwas bewegt. Dr. Gregor Bonin, Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Tagebaufolge(n)landschaften, sagte, dass nun viel über Geld geredet werde, das für den Strukturwandel ins Revier fließen soll. Aktuell komme aber noch nichts dort an, wo es für Projekte gebraucht werde. Trotzdem ist das Milliardenrennen um die Berliner Fördermittel längst eröffnet. Mit seinem kleinen Teilstück des grünen Rundweges will der Zweckverband zeigen, dass, noch während der Tagebau läuft, mit relativ einfachen Mitteln etwas zu bewegen ist.

Das „Grüne Band“ soll die Kommunen rings um den Tagebau verbinden, sagt Volker Mielchen, Zweckverbands-Geschäftsführer. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Parallel beschäftige man sich damit, ein Leitbild für das „Grüne Band“ zu entwickeln, sagte Mielchen. Kleine, konkrete Schritte und die Vision vom großen Ganzen sollen sich so ergänzen.

Ein nächstes Teilstück des „Grünen Bandes“ entsteht in Jackerath. Dort wird ein Radweg an der neuen Landstraße zwischen Jackerath und Holzweiler einbezogen, sagte Mielchen. In Holzweiler soll im Jahr 2020 ein weiterer Baustein folgen. Grundsätzlich müsse sich der Zweckverband aber an der Entwicklung des Tagebaus orientieren.

Mehr von Aachener Nachrichten