Das Ziel: Gerechte Bildungschancen an der Betty-Reis-Gesamtschule

Talentscouting : Individuelle Betreuung für talentierte Schüler in Wassenberg

Talentierte Schüler bekommen an der Betty-Reis-Gesamtschule nun eine noch individuellere Betreuung auf dem Weg zum richtigen Studiengang oder Ausbildungsberuf. Die Wassenberger Schule hat einen Kooperationsvertrag zum „Talentscouting“ mit Fachhochschule und RWTH Aachen geschlossen.

Ziel des Programms ist es, jungen Menschen gute Bildungschancen zu eröffnen – unabhängig vom Abschluss ihrer Eltern, ihrer sozialen Stellung und ihrer Herkunft. „Sie suchen Talente, die nicht schon in die Wiege gesungen bekommen haben, dass sie mal promovieren oder ähnliches“, sagt Schulleiterin Dr. Karin Hilgers.

„Wir wollen Türen öffnen“

Das „Talentscouting“ ist dabei nur ein Bestandteil der Berufswahlvorbereitung an der Schule. Wenn auch ein besonders intensiver. 19 Schüler der Gesamtschule sind in das Programm aufgenommen worden, sagte Talentscout Seren Basogul, 14 davon kommen nicht aus Akademikerfamilien. Bei allem, was die Talentscouts bei regelmäßigen Treffen tun, gehe es darum, „Bildungsgerechtigkeit zu fördern“, sagt Vera Richert von der FH Aachen. „Wir wollen die Talente bei der Persönlichkeitsentwicklung begleiten und Türen öffnen. Es geht nicht darum, sie an die Hochschule zu lotsen. Wir wollen ergebnisoffen beraten“, sagt Richert. Jeder solle in dem Programm auf seinem persönlichen Weg begleitet werden. Und der kann in einen Ausbildungsberuf, zur Uni oder in Begabtenförderung führen.

Das Beispiel von Pia Schmitz zeigt, dass Bildungswege nicht immer in vorgezeichneten Bahnen verlaufen. Als sie die Grundschule verließ, sollte sie auf dem Zeugnis eigentlich nur eine Empfehlung für die Hauptschule bekommen. Nun ist sie an der Betty-Reis-Schule auf dem Weg zum Abitur. Und der Stoff im Unterricht stillt ihren Wissensdurst längst noch nicht. In den Ferien nimmt sie an der Deutschen Schülerakademie in Goch teil. Für das bundesweite Programm wurden 200 Teilnehmer aus 4000 Bewerbern ausgewählt. „Für mich ist das eine riesige Chance, so individuell gefördert zu werden. Vom Talentscouting profitiere ich sehr stark, ich bin stolz, dabei zu sein“, sagt sie.

Das Talentscouting ist keine Förderung, die mit der Gießkanne verteilt wird. Schule und Scouts treffen eine individuelle Auswahl. Dabei geht es auch um schulische Leistungen. Im vergangenen Jahr wurden Nora Ungaro und Isabel Sonntag von den Talentscouts auf ihre Bewerbung auf einen Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes vorbereitet. In diesem Jahr sind Nick Kaspers und Alexander Winkens Kandidaten für das Stipendium. „Das ist klassische Begabtenförderung“, sagt Yusuf Bayazit von der RWTH Aachen. Dafür würden nur vier Prozent der Abiturienten vorgeschlagen und noch weniger werden genommen. „Wir wollen, dass unsere Talente gefördert werden. Es gibt genug Stipendien. Man muss sie nur abholen“, sagt Basogul.

Nick Kaspers hat das „Talentscouting“-Programm in diesem Jahr bereits genutzt, um sich nach dem richtigen Studiengang und der richtigen Uni umzuschauen. Dank des großen Netzwerks der Talentscouts habe er sich schon einige Studiengänge an der RWTH, der Uni Köln und der Uni Dortmund anschauen können. „Das ist extrem hilfreich für mich“, sagt er. „Die Beratung ist extrem individuell. Da erfährt man viel mehr als in einem 30-minütigen Gespräch zur Berufswahl.“

Neben den schulischen Leistungen schauen die Scouts mit ihren Talenten auch über den Tellerrand. Alexander Winkens, der auch ein Kandidat für das Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes ist, ist neben dem Unterricht sehr engagiert, etwa als Schülersprecher, in einer Arbeitsgruppe zur „Schule ohne Rassismus“ und in der Schulkonferenz. Leistung, Engagement und Persönlichkeit – eine gute Kombination, um ein Stipendium zu bekommen, sagt Basogul.

Nun sollen aber nicht nur die 19 ausgewählten Schüler von dem Programm profitieren. Lehrerin Christiane Agatz, die sich um die Berufsvorbereitung kümmert, bindet all die Informationen der Talentscouts auch in die Beratungsgespräche mit anderen Schülern ein.

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