Das letzte „Alaaf“ vor Aschermittwoch

Veilchendienstagszüge : Das letzte „Alaaf“ vor Aschermittwoch

In Waldenrath, Gerderhahn und Keyenberg rollen am Veilchendienstag die letzten Umzüge der Session. Besonders der Veilchendienstagszug in Waldenrath zieht noch einmal viele Wagen, Fußgruppen und Zuschauer an. Dort zählt der Zug alleine 3500 Teilnehmer.

Zum Abschluss des Straßenkarnevals sind die Jecken am Dienstag noch einmal auf die Straßen gegangen. Bei den Veilchendienstagszügen in Waldenrath, Keyenberg und Gerderhahn zeigten sich die Karnevalisten wieder in Feierlaune. In diesen drei Orten findet der Höhepunkt des Straßenkarnevals traditionell erst dienstags statt, sodass zum Ende der tollen Tage die Kondition der Narren auf eine Probe gestellt wurde.

Aller Sturm und Regen der Vortage war jedoch vergessen, als sich der Lindwurm pünktlich um 14.11 Uhr in Waldenrath in Bewegung setzte. Tausende Zuschauer hatten sich wieder auf den Weg in den kleinen Ort gemacht zur Karnevalsvereinigung Wooder Wend. Sie ist bekannt dafür, am letzten Tag des närrischen Treibens noch einmal all die großen Wagen aus dem Heinsberger Land und aus dem Selfkant zu zeigen, die zuvor in ihren eigenen Zügen die Menschen begeistert hatten.

Den Anfang machte wie gewohnt das Trommler- und Pfeiferkorps, das schon für die Feierlichkeiten seines 100-jährigen Bestehens warb und aus dem auch Daniel Ruch stammt, der dem ganzen Zug als Moderator voranging. Es folgten der Musikverein, die Hawaiianer aus Kempen und die Schotten mit ihrer Burg aus Havert-Stein. Mehrere Themen waren gleich doppelt besetzt wie etwa die Schotten, Fred Feuerstein, die 80er-Jahre-Party oder auch das Mittelalter.

Mit ganz viel Liebe gebaut hatten die Braunsrather Wahrsager ihren Wagen, ebenso wie die Lokführer von Big Bocket, die Matrosen der Titanic von den Grenzlandkarnevalisten aus dem Selfkant oder die Maschinisten der riesigen Dampfmaschine aus Oberbruch.

Ihren Spaß hatten beim Kinderzug der Keyenberger KG Grubenrandpiraten die Zugteilnehmer. Mit ihrem Schlachtruf „Breetloof“ zogen die Jecken  durch die Straßen des Ortes. Foto: Günter Passage

Und die großen Gruppen, die den 28 Wagen folgten, hatten bis zu diesem letzten Zug für die Session 2018/19 ihre Tänze prima gelernt, die sie dem Publikum auf dem rund 2,5 Kilometer langen Weg rund um die Waldenrather Kirche immer wieder präsentierten und wofür sie viel Applaus erhielten.

Zu den insgesamt rund 3500 Teilnehmern des Zuges zählten aber auch zahlreiche Waldenrather Fußgruppen, die als Clowns, Mexikaner und Froschkönige, als komplette Duschen oder gar als Schneeflocken in formvollendeter Winterlandschaft mit Schneemann und Tannenbaum unterwegs waren. Schon die Kleinsten waren, so sie schon laufen konnten, zu Fuß dabei und verteilten selbst Kamelle. Von Kindern für Kinder, auch das ist ein Markenzeichen des Waldenrather Zuges.

Zum Abschluss des Straßenkarnevals noch einmal bestens gelaunt: Diese Quallen vergnügten sich singend und tanzend im Veilchendienstagszug von Gerderhahn. Foto: Günter Passage

Am Dienstag herrschte in Keyenberg am Rande des Tagebaus auch noch keine Grabesstimmung. Der Ort soll dem Braunkohletagebau Garzweiler weichen und steckt mitten in der Umsiedlung. Trotzdem hoffen einige Bewohner noch, dass ihr Dorf noch zu retten ist. Auch wenn diese Situation das Dorf aktuell stark belastet, war die Stimmung beim gestrigen Karnevalszug prima.

Mit ihrem Schlachtruf „Breetloof“  (Breitlauch) stürzten sich die Mitglieder der KG Grubenrandpiraten mit großem Enthusiasmus in das närrische Getümmel. Insgesamt fünf Gruppen mit zahlreichen Kindern und dem Flaggschiff der Piraten als Motivwagen   hatten sich zum kleinsten Umzug im Erkelenzer Land eingefunden.

Nach dem Zug war das Pfarrheim  angesagtes Ziel der Karnevalisten, wo bei Wein und Gesang das Ende der diesjährigen Karnevalssession gefeiert wurde. Über eine Spende freuten sich die Verantwortlichen des Kinderhospizes „Regenbogen“. Ihnen wurde der Reinerlös aus den diesjährigen Keyenberger Karnevalsveranstaltungen überreicht.

Groß und Klein waren in der Waldenrather Fußgruppe der Froschkönige unterwegs. Foto: Anna Petra Thomas

Nach der langen und intensiven Session erfolgte im Erkelenzer Land mit dem Veilchendienstagszug in Gerderhahn der Kehraus der fünften Jahreszeit. Bestens aufgestellt für diesen Tag legten sich die Zugteilnehmer, wenn auch teilweise mit tiefen Rändern unter den Augen,  in Jenhahn noch einmal kräftig ins Zeug.

Auch in diesem Jahr hatten die Jenhahner Karnevalisten einmal mehr einen bunten Zug aufgeboten, der der Gesellschaft erneut alle Ehre zuteil werden ließ. Doch nicht nur die Protagonisten im Zug, auch die große Menschenmenge an den Straßenrändern ließ ihren Gefühlen noch einmal freien Lauf. Es wurde geschunkelt, getanzt und gelacht, wobei sich die Kinder über Kamelle und sonstige Leckereien freuten, die an diesem Tage in Massen vom Himmel regneten.

Der ganze Ort war mit Karnevalsfahnen beflaggt und bot so eine schöne Kulisse für den Umzug. Ob nun die Gerderhahner Frauen-Power im Dress leuchtender Quallen, Alice im Wunderland, die Jäger und Rehe aus dem benachbarten Golkrath oder die Mitglieder der Erkelenzer Funkengarde – alle Zugteilnehmer versprühten Freude und Frohsinn.  Und hoch oben vom Prinzenwagen  winkte mit Freddi II. und Karin III. (Eheleute Krücken) das aktuelle Jenhahner Prinzenpaar den schunkelnden Besuchern zu.

Gemeinschaftlich  klang der diesjährige Gerderhahner Karneval in der Mehrzweckhalle aus.

Mehr von Aachener Nachrichten