Geschichtsverein Erkelenz: Das Jubiläum wirft schon Schatten voraus

Geschichtsverein Erkelenz : Das Jubiläum wirft schon Schatten voraus

Der Heimatverein der Erkelenzer Lande bereitet sich auf ein großes Jubiläum vor. Denn vor hundert Jahren, am 3. Oktober 1920, wurde der Geschichtsverein Erkelenz gegründet, als dessen Nachfolger sich der Heimatverein versteht.

„Das Jubiläum wird nicht spurlos an Erkelenz vorbeigehen“, betonte der Vorsitzende Günther Merkens im Herrenhaus des ehemaligen Kreuzherrenklosters und Gutshofs Hohenbusch.

Dorthin hatte der Heimatverein zu einer Auftaktveranstaltung eingeladen. Das Jubiläum wird unter dem Motto „Heimat im Wandel“ stattfinden. Auf Hohenbusch widmete man sich zunächst der Heimat in der Literatur. Dazu hatte der Düsseldorfer Germanistikprofessor Helmut Brall-Tuchel einen Impulsvortrag vorbereitet, in dem er auf die verschiedenen Formen der Heimatliteratur einging.

Dieser, so betonte Brall-Tuchel, hafte stets etwas Provinzielles und Triviales an. Und damit tue man dem Genre Unrecht. Denn Autoren wie Günter Grass, Thomas Mann, Walter Kempowski und auch Heinrich Heine hätten es durchaus verstanden, sich kritisch und nicht romantisierend mit der Heimat auseinanderzusetzen. Heimat sei im Gegensatz zu der bekannten kölschen Liedzeile kein Gefühl, sondern vielmehr ein Geflecht zwischen dem Menschen und seiner Umgebung.

Wenn Heimatliteratur nicht über die Verklärung der Heimat hinauskomme, sei sie es nicht wert, gelesen zu werden, lautete das Urteil des Wissenschaftlers. Er nannte verschiedene Beispiel für Heimatliteratur, die sich mit dem Thema „auf Weltniveau“ beschäftigen, verwies aber auch auf die sogenannte Anti-Heimatliteratur eines Franz-Xaver Kroetz.

Im praktischen literarischen Teil der Veranstaltung präsentierten Brall-Tuchel, Christian auf der Lake und der aus Keyenberg stammende René Wagner literarische Texte zum Thema Heimat. So präsentierte auf der Lake auch Auszüge aus Ingrid Bachers Roman „Die Grube“. Darin geht es um den Kampf einer Familie im Rheinischen Revier gegen den heranrückenden Tagebau. Ein Thema, das die Zuhörer gut verstanden, denn gerade in Erkelenz ist die Heimat bedrohter denn je. Dies hatte schon zur Begrüßung der Vorsitzende Merkens mit den Worten „Die erste Heimat ist die Mutter, die zweite die Stiefmutter“ auf den Punkt gebracht.

Die Texte präsentierten bemerkenswerte Gedanken zum Thema Heimat aus verschiedenen Perspektiven, vom Exil aus der Heimat, der verlorenen Heimat oder der philosophischen Heimat war in den Texten die Rede. Immer stellte Brall-Tuchel einen Zusammenhang her, den er verstand, den Zuhörern zu vermitteln, ohne zu sehr ins Wissenschaftliche abzugleiten. Auf Hohenbusch hatten er und der Heimatverein schon vor einiger Zeit bei einem Symposium das Thema Heimat in der Literatur beleuchtet und damit einen regionalen Heimat-Boom ausgelöst.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Blockflötenensemble der Kreismusikschule, das einen musikalischen Streifzug durch die Jahrhunderte präsentierte. Im Anschluss an die Lesung lud der Heimatverein zu heimatlichen Spezialitäten und regionalen Delikatessen ein. Großen Anklang fanden auch die eigens für das Jubiläumsjahr von dem Erkelenzer Künstler Michael Franke gestalteten Sticker mit dem Logo des Heimatvereins und dem Motto „Heimat im Wandel“.