Kunsttour Heinsberg: Das Glasperlenspiel von Delia Höyng

Kunsttour Heinsberg : Das Glasperlenspiel von Delia Höyng

Bei der Kunsttour Heinsberg, dem Tag der offenen Ateliers und Galerien in der Freizeit-Region Heinsberg, finden in diesem Jahr die Kunstinteressierten an 61 Kunststationen einen Einblick in die Kunstszene des Kreises. Erstmalig zeigt auch Delia Höyng ihre Exponate aus den Bereichen Glaskunst und Papierkunst.

Begonnen hat ihre Leidenschaft für Glasobjekte schon in der Kindheit. Die farbig ineinanderfließenden Bänder einer Glasmurmel haben sie gefesselt. Die Ausstrahlung dieser Objekte habe sie ein Leben lang begleitet, so dass irgendwann der Wunsch entstanden sei, Glasperlen selber herzustellen. Diesen Wunsch habe sie sich 1998 mit einer internationalen Ausbildung in diesem Metier erfüllt. Höyng lebt und arbeitet in ihrer Walheimat Erkelenz – seit dem Jahr 2000 als freischaffende Künstlerin.

„Der Weg ist das Ziel“

„Der Weg ist das Ziel“, sagt sie mit innerer Überzeugung, wenn sie von der Arbeit mit dem Werkstoff Glas erzählt. Den kunsthandwerklichen Weg ist sie von autodidaktischen Experimenten bis zur Ausbildung beharrlich gegangen. So ist es folgerichtig, dass auch die Insel Murano bei Venedig – als Synonym stehend für die Glaskunst – eine der Stationen auf dem Weg war, auf dem sie ihr Wissen erworben hat.

„Glasperlen werden gewickelt“, betont sie den Kern des Herstellungsprozesses dieser faszinierenden Objekte, die sowohl ästhetischen Genuss ermöglichen wie auch Beständigkeit und Festigkeit beherbergen. Sie seien nicht selten härter als Halbedelsteine, verweist sie auf eine der überraschenden Eigenschaften. Und dann gibt sie einen Einblick in den Herstellungsprozess der kleinen Kunstwerke, die sowohl Sammelobjekt sein können wie auch Teil von persönlichem Schmuck wie Halsketten und anderen Gegenständen.

Delia Höyng beschreibt die Entstehungsweise ihrer Papierkunst. Foto: Johannes Bindels

„Die unterschiedlichen Farben, Strukturen und Formen sind Ergebnis des Wissens über die chemischen Prozesse und Reaktionen, welche die verschiedenen Glasrezepturen miteinander eingehen“, erläutert sie das farbig völlig anders wirkende Endprodukt, das aus den Grundmaterialen entstanden ist. Es müsse der jeweils verschiedene Ausdehnungsgrad der Glassorten berücksichtigt werden, um das gewünschte Werkstück zu erhalten, verweist sie auf weitere notwendige Kenntnisse, während sie konzentriert Schicht für Schicht in der heißen Flamme aufträgt und drehend eine weitere Perle aufwickelnd herstellt.

„Panta rhei – alles fließt“ kommt dem Betrachter unweigerlich in den Sinn, während das Glas zähflüssig fließend verarbeitet wird. Eine Materialeigenschaft, der die Künstlerin Beachtung schenkt und sich auf diesen Fluss einlässt und nicht gegen ihn arbeitet. So ist es nicht verwunderlich, dass sie die tägliche Arbeit als Erfüllung eines gelingenden Lebens beschreibt. „Ich beginne mit einer Idee und lasse mich dabei von Natur, Architektur und kulturellen Einflüssen inspirieren. Die unendlichen Gestaltungsmöglichkeiten, die sich ergeben, bedeuten, dass meine Werke grundsätzlich Unikate darstellen“, beschreibt sie den Schaffensprozess. Disziplin, Gespür für den richtigen Augenblick und hohe Konzentration seien die Elemente, die ein spontanes Agieren kaum zulassen würden. So transformiere sie ihre Idee in ein ästhetisches Objekt.

Die Verbindung von weiteren Werkstoffen wie hauchfeine Silber- und Goldblätter mit den Glasobjekten sei der Ursprung ihrer zweiten Kunstobjekte - der Papierkunst - gewesen. Die Edelmetall- Blättchen, welche zwischen Papierseiten lägen, die beim Aufnehmen durch die Hitze Brenn-Spuren zeigten, habe sie inspiriert. Mit den heißen Spitzen von Brenneraufsätzen berühre sie spezielles Papier. Durchlöcherte Exemplare schichtet sie zu einen dreidimensionalen Objekt. Andere sehen aus wie Notenblätter oder wie die feinen, goldbehafteten Linien einer EKG-Untersuchung.

Wer das „Glasperlenspiel“ der Künstlerin Delia Höyng genießen will, hat dazu während der Kunsttour an zwei Tagen in ihrem Atelier unter der Adresse Weinesch 46 in Erkelenz Gelegenheit. Öffnungszeiten sind am Samstag, 4. Mai und am Sonntag, 5. Mai jeweils von 11 bis 18 Uhr.