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Corona: Covid-19 stellt Kreis Heinsberg auf den Kopf

Das Coronavirus in Gangelt : Covid-19 stellt Kreis Heinsberg auf den Kopf

Schulen, Kitas und Behörden im Kreis Heinsberg schließen. Veranstaltungen werden abgesagt. Laut des Krisenstabes feierte der Covid-19-Patient aus Gangelt noch Karneval, wodurch eine Verbreitung wahrscheinlich ist.

Es kann auch am schlechten Wetter gelegen haben, dass der Johannismarkt wie ausgestorben war. Drei Grad Celsius, Schneeregen. Im Erkelenzer Rathaus brennt hinter einigen Fenstern Licht, aber die Tür zur Bürgerberatung öffnet sich nicht. Auch vor der Stadtbücherei sind die Türen zu. Alle öffentlichen Gebäude in Erkelenz sind geschlossen. So auch die Kreisverwaltung in Heinsberg und die Stadt- und Gemeindeverwaltungen im Kreisgebiet. Schwimmbäder, Büchereien, Amtsgerichte bleiben dicht. Sportplätze werden gesperrt und Veranstaltungen schon für das Wochenende abgesagt. Der Grund: Covid-19, das neuartige Coronavirus. Infiziert sind ein Mann aus Langbroich und seine Frau. Behandelt wurden sie zunächst in Erkelenz, später in Düsseldorf.

Der Zustand des Mannes war am Mittwoch noch sehr kritisch, der Frau ging es etwas besser. Und der Kreis Heinsberg befindet sich in einer Ausnahmesituation. Ein Krisenstab tagt, Menschen kaufen mancherorts die Supermarktregale leer, Menschenansammlungen sollen gemieden werden.

Der erste in NRW

So reagieren die Menschen im Kreis Heinsberg

Der Mann, der zum ersten Covid-19-Fall in NRW wurde, kam am Rosenmontag gegen 11.15 Uhr in die Notaufnahme des Erkelenzer Krankenhauses. Dr. Harry Elsbernd, ärztlicher Direktor des Hermann-Josef-Krankenhauses, beschrieb, wie der Mann mit seiner Frau in die Notaufnahme kam. Dass man nach einigen Untersuchungen schnell auf das Coronavirus kam. Symptome habe der Mann schon seit dem 16. Februar, also bereits seit gut zehn Tagen, gehabt. Karneval feierte er noch. Und das könnte möglicherweise die Verbreitung des Virus im Kreis Heinsberg deutlich begünstigen. Der Coronavirus-Patient war im Karneval sehr aktiv, ohnehin habe er in Kontakt zu vielen Menschen gestanden. Er stand in dieser Session auch schon selber auf der Karnevalsbühne.

Der Krisenstab des Kreises Heinsberg versucht zu rekonstruieren, mit wem der Mann Kontakt hatte. Deshalb „bittet das Kreis-Gesundheitsamt vor allem Personen, die die Kappensitzung in Langbroich besucht haben, sich bei grippeähnlichen Beschwerden telefonisch mit ihrem Hausarzt oder unserem Kreis-Gesundheitsamt in Kontakt zu setzen“. Der erkrankte Mann hatte diese Sitzung besucht. Und der Karneval, so muss man die Mediziner aus dem Erkelenzer Krankenhaus verstehen, kann bei der Verbreitung des Virus als Brandbeschleuniger wirken.

Elsbernd rechnet damit, dass es noch weitere Coronavirus-Fälle im Kreis Heinsberg geben wird. Darauf sei das Krankenhaus in Erkelenz vorbereitet: Zwei bis vier Plätze seien auf der Intensivstation reserviert, dazu sechs bis acht Zimmer in einem weiteren „abgetrennten Bereich“, sagte Jann Habbinga, Verwaltungsdirektor des Hermann-Josef-Krankenhauses. Planbare Operationen und Behandlungen hat das Krankenhaus vorerst verschoben.

Am Mittwochmorgen funktionierte der Buschfunk so gut, dass zum Beispiel in der Ratheimer Grundschule Im Weidengrund  „nur drei von insgesamt 215 Kindern“ erschienen waren, sagt Schulleiterin Anja Joeres-Faustmann. Nun bleiben die Schulen und Kitas länger dicht. Und das könnte für manche Eltern zu neuen Problemen führen.