con brio: Vier Ensembles des Kammermusikzentrums NRW in Hückelhoven

Kammermusik : Junge Hochkaräter begeistern auf ganzer Linie

Zu einem besonderen Konzert hatte con brio, die Freunde der Kammermusik Hückelhoven, in die Aula des Gymnasiums eingeladen: Es musizierten vier Ensembles des Kammermusikzentrums NRW. Die zwölf Orchestermitglieder, die Jüngste 14 Jahre alt und die Älteste 20, brachten Werke von elf Komponisten aus drei Jahrhunderten.

Zwei Ensembles, das „Turmalin Streichquartett“ und das „Doron Streichquartett“ spielten in traditioneller Besetzung: zwei Violinen, Viola und Cembalo. Beim „Consort nullacht 415“ waren zwei Blockflöten, ein Violoncello und ein Cembalo zu hören. „Flüt à dö“ bestand, wie schon der verballhornte französische Name sagt, aus zwei Blockflöten, von der Sopran- bis zur Bassflöte.

Was alle auszeichnete, war ein jugendlich-frisches Spiel mit viel Harmonie zwischen den einzelnen Instrumenten und eine ausgezeichnete Interpretation der einzelnen Stücke. Dabei kamen fast alle Gefühlsregungen zum Ausdruck, von Melancholie bis Heiterkeit, vom Tänzerisch-Beschwingten zur Bedächtigkeit, vom Temperament zur Kühle – so wie es die einzelnen Komponisten, ihrer Zeit entsprechend, angelegt hatten. Apropos Komponisten: Das ging von Haydn über Weber, Borodin, Tschaikowski und Beethoven zu vielen eher Unbekannten. Hier waren die Meister der Tonkunst aus ganz Europa versammelt.

Was bei dem sehr guten Gesamteindruck neben vielem anderen auch ins Auge, besser ins Ohr, fiel, war die Bezeichnung der einzelnen Stücke. Das ging von traditionellen Termini bis zu Überschriften wie „Das Gebet des Torero“ (wobei man nicht weiß, ob dieses Gebet erhört wurde) bis zu „Erdbeeren und Sahne“.

Agnes Rottland, Geschäftsführerin vom Verein zur Förderung von Landesjugendensembles NRW, informierte nach der Pause darüber, wie diese Ensembles zustande kommen, wann, wo und wie oft sie proben und auftreten und wie es um ihre Mentoren bestellt ist. Ziel des Vereins sei es, Begabte zu fördern, die gleichzeitig leistungsbereit wären.

Der zweite Teil des Konzertes begann mit dem Flöten-Ensemble und zeigte wieder einmal, wie viele und wie viele auch unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten es von Musik und durch die Musik gibt. In Abwandlung eines Sprichwortes lässt sich sagen, dass bei den beiden Stücken der Flötistinnen einem buchstäblich die Flötentöne beigebracht wurden. Es ging nämlich meistens nur um Töne, die mit Musik oft nichts zu tun zu haben schienen. Aber das Zuhören war sehr amüsant. Übrigens kam die Komponistin eines der beiden Flötenstücke aus Aachen. Und so nebenbei bemerkt: Dass auch nach 100 Jahren Frauenwahlrecht die Frauen in vielen Bereichen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft noch einiges aufzuholen haben angesichts der oft dominierenden männlichen Vorherrschaft, zeigte dieses Beispiel anschaulich: Eine weibliche Komponistin unter zehn männlichen Kollegen.

Das letzte Stück des Konzertes begann mit einem Gag: Der Violoncellist erklärte dem Publikum, der hinter dem Vorhang verschwindende erste Geiger habe seine Noten vergessen; aber man könne auch ohne ihn spielen. Und dann tauchte dieser, munter musizierend, im Publikum auf, ehe er sich wieder zu den anderen gesellte.

Nach dem Konzert kamen noch einmal alle Ensembles auf die Bühne. Während des andauernden Beifalls bekamen sie kleine Geschenke, der Vorweihnachtszeit entsprechend Kerzen in dekorativen Holzkästchen. Es war nur schade, dass die Zahl des Publikums recht übersichtlich war. In seiner Begrüßung hatte Vorsitzender Rudolf Lengersdorf , der sich auch bei der Kreissparkasse für die finanzielle Unterstützung des Konzertes bedankte, dies auf den erwachenden Hoppeditz und einige Martinszüge zurückgeführt.

(hl)