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Christian Macharski: Ein neuer Fall für Hastenraths Will

Dorfkrimi : Ein neuer Fall für Hastenraths Will

In seinem achten Kriminalfall sucht Hastenraths Will nach der Identität eines Mannes, der an Amnesie leidet. Christian Macharski verwebt Lustiges und Spannendes zu einer Geschichte, die in einem Kuhstall im fiktiven Saffelen mit einem Schlag auf den Kopf beginnt.

Alles beginnt im Kuhstall. Nicht in irgendeinem Kuhstall. Er ist Teil eines Bauernhofes im fiktiven Ort Saffelen ohne „e“ und wird von Hastenraths Will, Landwirt, Ortsvorsteher und Ermittler in so manchem Kriminalfall bewirtschaftet. In Wills Stall taucht plötzlich ein Mann auf, der unter Amnesie leidet. Er hat sein episodisches Gedächtnis verloren. Das heißt, dass er vergessen hat, wer er ist und was er sein Leben lang gemacht hat, alles andere kann er noch. Die Frage, wer der Mann ist und in welche unseriösen Dinge er verstrickt sein mag, rückt ins Zentrum des neuen Dorfkrimis „Die Stunde der Wahrheit“ von Christian Macharski.

Nach zwei Jahren Pause ermittelt Macharskis Kunstfigur Hastenraths Will wieder. Sein achter Fall sei völlig anders als die vorherigen. Es geht nicht um die vielleicht klassischste aller Krimifragen: „Wer war es?“ Stattdessen wird Saffelen, nachdem zuvor ein Gefangenentransport durch den Selfkant gerollt ist, von der Clankriminalität erfasst. Lustiges und die Suche nach der Identität des Mannes aus dem Kuhstall wechseln sich dabei ab.

Der unbekannte Mann kommt erst mal auf dem Hof von Familie Hastenrath unter. Denn Marlene Hastenrath hat ein schlechtes Gewissen, hatte sie den Mann doch mit einem Eimer niedergestreckt. Zum Glück kann er sich nicht daran erinnern, dass das vielleicht die Ursache seines Gedächtnisverlustes ist. Jetzt pflegt Marlene Hastenrath den Mann also. Und das könnte sich für ihren Gatten Will noch auszahlen.

Christian Macharski hat acht Monate „entbehrungsreiche Arbeit“ in diese Geschichte gesteckt. Im Juli und August schottete er sich komplett ab, um zu schreiben. Davor hatte er mit einem Kommissar, einem Mediziner und einem Steuerberater über den Fall gesprochen. Das Buch soll sachlich korrekt sein, auch wenn die Handlung erfunden ist.

Bei den Gesprächen mit dem Steuerberater ging es darum, wie der Mann ohne Gedächtnis Hastenraths Will aus der Patsche helfen kann. Denn Will hat noch weiteren ungebetenen Besuch auf dem Hof: Das Finanzamt Geilenkirchen ist zur Betriebsprüfung da. Und da hat der Landwirt nichts Gutes zu erwarten. „Da ist einiges zu holen für das Finanzamt. Aber der Mann ohne Gedächtnis kennt sich gut mit Buchführung aus“, sagt Macharski. Und das ist Hastenraths Wills Glück.

Vorstellen möchte Macharski sein Buch mit einer Lesetour. Diesmal holt der Autor sich multimediale Unterstützung auf die Bühne. Via Leinwand wird die Hauptfigur des Dorfkrimis immer wieder zugeschaltet, um knifflige Passagen oder Zusammenhänge zu erläutern. „Diese authentischen Augenzeugenberichte aus erster Hand verdichten die Spannung des Vortrags fast bis ins Unerträgliche“, verspricht Macharski. Er liest zum Beispiel in der Versöhnungskirche in Aachen-Eilendorf und im Amtsgericht in Geilenkirchen.

Während Hastenraths Will zwischen Finanzamt und Ermittlungsarbeit den Durchblick sucht, hat Fredi Jaspers, eine der Figuren, die immer wieder in den Dorfkrimis auftauchen, ganz andere Probleme: Er hat sich beim Fußball eine Hodenprellung zugezogen. „Bei allem, was ihm diesmal widerfährt, ist das fast schon das geringste Übel“, sagt Macharski. Mit dabei sind auch wieder Fredis Kumpel Richard Borowka, Hauptkommissar Kleinheinz und Gebrauchtwagenmogul Heribert Oellers. Die meisten der Figuren in den Dorfkrimis stammen noch aus der Zeit des Rurtal-Trios, dem auch Hastenraths Will entsprungen ist. Mittlerweile ist Macharski den Kennern der Kabarettszene auch bundesweit ein Begriff. Im November ist er zum Beispiel bei einer TV-Aufzeichnung der SWR-Sendung „Schreinerei Fleischmann“ dabei.

Wenn das Buch am Montag, 5. November, erscheint, dann ermittelt Hastenraths Will bereits seit zehn Jahren in Macharskis Dorfkrimis. In den acht Büchern hat Macharski seine zu Beginn „eindimensionale Figur“ des „Landwirts mit eingeschränkter Weltsicht“ zu einem ab und an clever agierenden Protagonisten mit eigener politischer Meinung zu Erdogan und dem Standort des Klowagens auf dem Dorffest entwickelt.

Für das Buch verspricht Macharski jedenfalls einen dramatischen Schluss. Dann soll auch Fredi Jaspers‘ allgegenwärtige Hodenprellung wieder ins Spiel kommen und eine „große Rolle bei der Aufklärung“ spielen.