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Inklusives Projekt: Carl Joseph Begas malte auch „Puuten“ und „Äängel“

Inklusives Projekt : Carl Joseph Begas malte auch „Puuten“ und „Äängel“

Sprache kann den Zugang zur Kunst leichter machen, deshalb gibt es jetzt einen kleinen Kunstführer zum Begas-Haus mit Erklärungen nicht nur in verschiedenen Fremdsprachen, sondern auch auf Platt.

Für die Museen in Köln und München gibt es diesen besonderen, kleinen Bildband schon in unterschiedlichen Farben, für das Kunsthistorische Museum in Wien und für das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen auch. In Blau präsentierte sich das kleine, aber feine Buch in dieser Woche nun auch im Heinsberger Begas-Haus. Auch hier gibt es jetzt einen Katalog in Mundart und in weiteren Sprachen. „Begas op Platt“ lautet der Titel des Buches, dessen Initiator Georg Kohlen aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Heinsberger Lebenshilfe war. Eng kooperiert hat er bei der Realisierung mit Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann und mit Anna Petra Thomas, Vorsitzende des Heimatvereins der Heinsberger Lande.

Die bisher erschienenen Bücher hat Georg Kohlen zusammen mit dem Schriftsteller, Herausgeber und Konzeptkünstler Joachim Rönneper in einem Kölner Verlag realisiert. Um das neue „Begas-Werk“ hat er sich selbst gekümmert und es dank seiner Arbeit für die Lebenshilfe sogar zu einem inklusiven Projekt gemacht.

Lebenshilfe-Mitarbeiter Marlon Winands, der im Begas-Haus tätig ist, hat dazu zunächst Kinder mit und ohne Behinderung aus Vorschulgruppen der Lebenshilfe-Kindertagesstätten Triangel in Oberbruch und Haaren durch das Museum geführt. Schon das war für sie ein besonderes Erlebnis. „Sie zeigten sich wissbegierig, und insbesondere die interaktiven Objekte, an denen sie ihre Geschicklichkeit demonstrieren konnten, wurden ausgiebig in Beschlag genommen“, erinnert sich Georg Kohlen.

 Anna Petra Thomas, Dr. Rita Müllejans-Dickmann und Georg Kohlen (v. li.) von Heimatverein, Museum und Lebenshilfe freuen sich, ein Ergebnis gemeinsamer inklusiver Arbeit präsentieren zu dürfen.
Anna Petra Thomas, Dr. Rita Müllejans-Dickmann und Georg Kohlen (v. li.) von Heimatverein, Museum und Lebenshilfe freuen sich, ein Ergebnis gemeinsamer inklusiver Arbeit präsentieren zu dürfen. Foto: Hanna Lüttke

In einem anschließenden Workshop in ihren Kitas markierten die Kinder dann noch weitere Ausschnitte in Reproduktionen der Bilder. Versehen wurde beispielsweise der Engel aus dem Bild Amor und Terpsichore von Carl Joseph Begas d. Ä aus dem Jahr 1932 nicht nur mit dem passenden Begriff unserer heimischen Umgangssprache, also dem „Äängel“, sondern auch mit dessen Übersetzungen ins Englische, Französische und Niederländische. Insgesamt 50 Ausschnitte erhielten so einen Platz im Buch mit den entsprechenden Erläuterungen. Im Anhang findet der Betrachter quasi die Auflösung, nämlich den Platz des Details im Gesamtwerk des Künstlers. Hinzu kommt eine kleine Fotogalerie von der Führung im Museum und von der Arbeit in den Kitas.

„Für die meisten Kinder war dies der erste Besuch in einem Museum überhaupt“, weiß Georg Kohlen. Durch die Führung im Museum seien sie fast spielerisch an ihre Rolle in dem ambitionierten Projekt herangeführt worden. In der Auswahl der Kinder würden Alltags- und Hochkultur sich nun zu einem lockeren Reigen verbinden und doch „wichtige Eckpfeiler des kulturellen Lebens im Heinsberger Land“ wiedergeben.

Da sich in den Kommunen des Kreises Heinsberg unterschiedliche Aussprachen und Schreibweisen für die jeweiligen Begriffe fänden, sei in diesem Buch als Grundlage für die Übersetzung das Wörterbuch zur Mundart im Heinsberger Land von Leo Gillessen, dem ehemaligen Leiter des Kreisheimatmuseums genutzt worden, ergänzt der Initiator.

„Das Gesamtwerk ist eine attraktive Verbindung von Kunst und Brauchtum, hier speziell der Mundart“, würdigt Dr. Rita Müllejans-Dickmann das Ergebnis. „Damit bietet sich generationenübergreifend ein sehr leichter Zugang für alle Menschen der Region sowie für Gäste aus anderen Ländern zur Kunst im Begas-Haus und sicher auch darüber hinaus“, so das Resümee von Anna Petra Thomas.

Das Buch, dessen Erstauflage sich schon vor der offiziellen Präsentation über viele Vorbestellungen freute, ist ab sofort erhältlich an der Museumskasse, im benachbarten Museumscafé Samocca und im Lebenshilfe-Center in Oberbruch.

(red)