Bürger feiern 750 Jahre Myhl

Feier in Myhl : Seit 750 Jahren intakt und vielseitig

Mit einem großen, bunten Fest haben die Myhler zwei Tage lang das 750-jährige Bestehen ihres Ortes gefeiert. Organisiert hatte es unter dem Leitmotiv „Tradition & Brauchtum“ der eigens dafür gegründet Förderverein Vereinigte Vereine Myhl unter Vorsitz von Franz Königs.

„Echt mega“ war schon der Start, ein Partyabend mit Livemusik von der Band Fahrerflucht, wie es Ortsvorsteher Rainer Peters beim Festakt seiner Rede vorausschickte.

Der Sonntag begann dann schon früh am Morgen, als alle Vereine sich versammelten, um gemeinsam zur Kirche zu ziehen. Hier empfing sie nicht nur Pfarrer Thomas Wieners zur heiligen Messe. Auch Pater Dr. Gerald Tanye war noch einmal aus Berlin gekommen. Und Festprediger war der ehemalige Myhler Pfarrer Heinz Portz. „750 Jahre Myhl, das heißt an sich auch 750 Jahre gewachsenes kulturelles Vertrauen“, hatte er darin betont. „Und wir feiern das nicht zufällig in der Kirche, die als Markenzeichen Myhls diesem kulturellen Vertrauen die Basis liefert.“

Dabei freute sich Portz natürlich zugleich, dass die Geburt Mariens als Datum für die Feier gewählt worden war. „Tatsächlich gehören doch der Rosenkranz, die Maiandachten, Marienlieder und Mariengebete, die schöne Lourdes-Grotte zu Identität und zu Heimat, zu Myhl“, erklärte er. Mit einer lebendigen Marienfrömmigkeit werde nicht nur die Beziehung zu Jesus Christus vertieft, sondern auch die untereinander. Damit werde das kulturelle Vertrauen, die Heimatliebe belebt, erneuert und vertieft.

Nach der Messe startete Königs als Moderator im gegenüberliegenden Zelt ein festliches Programm. In seiner Begrüßung der Ehrengäste dankte er auch Richard Theißen, der sich um die Festschrift verdient gemacht habe, wie er betonte. „Myhl, Du bist der schönste Ort“, begann dann der Kirchenchor, unterstützt vom Musikverein, seinen Vortrag Myhler Lieder aus der Feder von Liselotte Freisinger und Theodor Engels.

Sie sei zwar keine „eingeborene Myhlerin“ startete Schirmherrin Helene Phlippen ihre Ansprache. Dennoch lebe sie bereits seit mehr als 60 Jahren im Ort, und die Vereine seien es gewesen, die es ihr damals erleichtert hatten, hier ihre neue Heimat zu finden. Gerne erinnerte sie sich an die Feier des 700-jährigen Bestehens zurück, als sie mit ihrem Mann Hubert die Schützenbruderschaft als Königspaar repräsentierte, im Rahmen eines historischen Festzugs. Seitdem habe sich einiges verändert. „Das Dorf ist wesentlich größer geworden, und fast alle Geschäfte und Gaststätten sind geschlossen.“ Daher hätten die Vereine noch mehr Bedeutung für das Zusammengehörigkeitsgefühl, appellierte sie auch an alle Neubürger, sich den Vereinen im Ort anzuschließen. „Fast alle suchen Nachwuchs und Verstärkung.“

Ortsvorsteher Rainer Peters rief noch einmal die wesentlichen Veränderungen der vergangenen 50 Jahre in Erinnerung. Diese hätten sicherlich Kraft gekostet und manche auch Enttäuschung beschert. „Aber hierbei stehen zu bleiben, ist die falsche Konsequenz.“ Myhl biete Miteinander, Zusammenleben in Gemeinschaft als großen Schatz, erklärte er und zitierte nach Hegel auch Hansi Hinterseer: „Heimat ist da, wo einen der Nachbar grüßt.“

Das Fest ermögliche einen Blick auf das, was Myhl zu einem „unverwechselbaren Ort“ gemacht habe, betonte Bürgermeister Manfred Winkens. „In einer Zeit, in der sich so viel verändert wie noch niemals zuvor, brauchen Menschen einen Ort, zu dem sie sich zugehörig fühlen und wo sie zu Hause sind.“ Dabei würdigte auch er das intakte und vielfältige Vereinsleben im Ort, „wo sogar Europa- und Weltmeister zu Hause sind. Das ist einzigartig!“

Weiter ging es dann im Programm mit einem gefeierten Beitrag der Grundschule, die gleich zwei Mal hintereinander ihr neues Lied für Myhl zum Besten geben durfte. „Wir leben, lernen, lachen, machen tolle Sachen. Zusammen schaffen wir so viel, hier bei uns in Myhl“, klang es erfrischend aus den Kehlen der vielen Kinder auf der Bühne. Musikalisch engagierten sich weiterhin die Mandolinen-Spielschar, der Quartettverein, das Gesangs-Duo „2 Lausbuben“, das Trommler- und Pfeifercorps „Rheinland“, der Musikverein und die Band unter der Leitung von Paul Jurasch. Tänzerisch waren vom Myhler Karnevalsverein das Tanzpaar und Familie Lang mit von der Partie. Zahlreiche Attraktionen rund um Kirche und Pfarrheim, vor allem für die Myhler Kinder, rundeten das gelungene Programm ab.

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