Wassenberg: Buch mit 21 Naturräumen macht Lust auf Wanderungen

Wassenberg : Buch mit 21 Naturräumen macht Lust auf Wanderungen

Das Naturparktor an der Pontorsonallee in Wassenberg war Schauplatz des Lichtbildvortrages und der Lesung zum Buch „Natur füreinander — im Naturpark Maas-Schwalm-Nette“. Mit Herbert Theißen vom Heimatring Myhl und Olaf op den Kamp, der die erkrankte Brigitta Szyska vertrat, stellten zwei Autoren des Buches die von ihnen beschriebenen Naturräume vor.

Seit der Veröffentlichung sei das Buch schon in zweiter Auflage erschienen, betonte Silke Weich, Projektmanagerin des Buchprojektes zum deutsch-niederländischen Naturpark. Gemeinsam mit der Stadt Wassenberg und dem Nabu , Naturschutzbund Deutschland, war zur Lesung eingeladen worden. Insgesamt 21 Naturräume mit ihren geologischen Entstehungsgeschichten und der jeweiligen ökologischen Vielfalt von Fauna und Flora werden im reich bebilderten Buch vorgestellt.

„Aufgrund der vielen ehrenamtlich tätigen Fotografen und Autoren kann das Buch zu einem günstigen Preis von 15 Euro verkauft werden“, ergänzte Weich.

„Mit dem Blumental stelle ich das Kerngebiet der Myhler Schweiz vor“, begann Herbert Theißen seinen Vortrag. Entstanden sei das Gebiet vor 65 Millionen Jahren im Tertiär, da hätten noch die Dinosaurier gelebt, gab Theißen eine erste Orientierung zur Entstehungsgeschichte. Wer dem Wanderweg 11 folgen würde, bekäme einen guten Querschnitt und ersten Eindruck von der Pflanzen- und Tierwelt in diesem Naturraum, betonte Theißen.

Anschaulich gab Theißen dann einen gut merkbaren roten Faden an die Hand: Die Myhler Schweiz liegt innerhalb der Schwalm-Nette-Platte an der Grenze zum Rurtal. Charakteristisch sind dabei Erhebungen wie der Jastusberg, Steinberg und Waldbeerenberg, sowie das Tal des Myhler Baches, entstanden durch geologische Senkungen und eiszeitliche Ausformungen.

Insgesamt hat die Myhler Schweiz eine Ausdehnung von rund 250 Hektar. Dies entspräche dem Lehen des dort mal vorhandenen, ehemaligen Klosters der Franziskanerinnen. Im Zuge der Ortsumgehung B221n seien auch steinzeitliche, archäologische Funde im Gebiet zu verzeichnen.

„Erlenbruchwälder sind immer dort zu finden, wo das Grundwasser sehr nah ist“, erläuterte Theißen einen typischen Bewuchs in der Myhler Schweiz im Bereich des Myhler Baches. Sein kurzer Ausflug in die Literatur des Erlkönigs war sowohl merkförderlich wie amüsant. Wo Erlenbruchwälder sich ansiedeln würden, seien in der Fauna die Sumpfsegge, die kleine Wasserlinse, der Bittersüße Nachtschatten, die Schlangenwurz und Blutweiderich ebenso zu finden.

In der Tierwelt könnten im Naturgebiet die Sumpfmeise, der Teichmolch, die Pechlibelle, der Grasfrosch und der Körnige Laufkäfer beobachtet werden. Die Vielfalt des Naturraumes zeige sich auch in Heideflächen und Eichen- und Birkenwälder. Nicht zuletzt verwies der Autor auf einige kulturhistorische Bedeutungen im Gebiet und Besonderheiten wie dem „Sandhas“.

Ebenso unterhaltsam und lehrreich wie der erste Vortrag gestaltete Olaf Op den Kamp seinen Vortrag zum Verlauf der Schwalm, den er von der Quelle (bei Geneiken) bis zur Einmündung bei Schwalmen in die Maas in seiner ganzen Vielfalt mit angesiedelter Fauna und Flora beschrieb.

Das oft mäandernde Gewässer mit seinen Bruchlandschaften und Feuchtgebieten, aber auch seinen angesiedelten Kulturlandschaften mit ihren Mühlen — von der Öl- bis zur Getreidemühle — wurden ebenso vorgestellt wie der Flachsanbau und seine Verarbeitung zu Leinen. Die Verrottungsgruben zur Vorbereitung der Flachsfasergewinnung sind noch heute in den Wäldern zu finden. Ein kurzer Ausblick der Auswirkungen des Tagebau Garzweilers auf die Naturräume gehörte ebenso dazu.

Mit dem Buch ist ein Stück Naturraumbeschreibung gelungen, das zum Schmöckern wie zur Erwanderung der beschriebenen Regionen anregt.

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