Breitbandausbau im Kreis Heinsberg

Breitbandausbau : Bald gibt es keine „Weißen Flecken“ mehr im Kreis

Schon heute ist der Kreis Heinsberg bei der Breitbandversorgung mit ultraschnellen Glasfaserkabeln laut eigenem Bekunden der bestausgestattete Landkreis in ganz Deutschland. Doch nun wird noch einmal nachgelegt. Knapp 39 Millionen Euro beantragt der Kreis gemeinsam mit seinen zehn Städten und Gemeinden, um weitere Glasfaser-Infrastruktur im Kreis zu verlegen und damit die letzten Lücken zu schließen.

Eine Weiße Weste zu haben ist gemeinhin zu begrüßen. Bei „Weißen Flecken“ hingegen verhält es sich völlig anders. Vor allem dann, wenn diese für Regionen stehen, in denen die Breitbandversorgung von Haushalten und Unternehmen kaum bis gar nicht gegeben ist. Die korrekte Definition lautet: Es sind Gebiete, in denen es gegenwärtig keine Infrastruktur mit einer Datenübertragungsrate von mindestens 30 Mbit/s im Download-Bereich gibt und diese in den kommenden drei Jahren von privaten Investoren auch nicht eigenwirtschaftlich errichtet wird.

Die Versorgung mit der Glasfaser-Technologie und damit verbunden die synchrone Datenübertragung im Gigabitbereich (> 1000 Mbit/s) ist bei 54 Prozent aller im Liegenschaftskataster verzeichneten Gebäude im Kreisgebiet bereits möglich. Bundesweit seien dies gerade einmal 9 Prozent. Das bestätigt auch Michael Eßer, der im Oktober letzten Jahres eigens bei der Kreisverwaltung als Breitbandkoordinator eingestellt wurde.

Glasfaser – das sei die hochwertigste und schnellste Infrastruktur zur Datenübertragung und damit absolut zukunftsfähig. Nur so werde die flächendeckende Anwendung von Zukunftstechnologie wie etwa des Mobilfunkstandards 5G und in der Folge beispielsweise autonomes Fahren erst möglich, heißt es in einer Stellungnahme des Kreises. „Bei solchen Themen will der Kreis Heinsberg ganz vorne mit dabei sein – und wir haben schon heute hervorragende Voraussetzungen dafür“, betont WFG-Geschäftsführer Ulrich Schirowski.

Zunächst aber geht es jetzt darum, die „Weißen Flecken“ im Kreisgebiet zu beseitigen. Das sind noch 1090 Hausanschlüsse, Gewerbebetriebe, aber auch lückenlos alle Schulstandorte. 47 an der Zahl. „Es ist auch im privaten Bereich so, dass die Nachfrage immer größer wird“, sagt Eßer.

Landrat Stephan Pusch betont in diesem Zusammenhang, dass „Einigkeit uns stark macht. Alle zehn Städte und Gemeinden haben sich zur interkommunalen Zusammenarbeit entschieden und eine Kooperationsvereinbarung mit dem Kreis Heinsberg, der die Projektkoordination übernimmt, geschlossen“. Dies sei die Voraussetzung, dass der Kreis nun die begehrten Fördermittel für die Lückenschlüsse beim Bund und dem Land NRW beantragen könne – und dies zu hervorragenden Konditionen. Bei den Gewerbegebieten sei vor allem im Bereich Tüddern und Millen sowie im Rurtalpark zwischen Hückelhoven und Wassenberg beim Hückelhovener Bereich noch Verlegungs- und Anschlussbedarf, erläutert Eßer.

Infrastrukturausbaukosten werden vom Bund zu 50 Prozent und vom Land zu 40 Prozent übernommen. Die Städte und Gemeinden müssen lediglich den Eigenanteil von 10 Prozent tragen. Bei Kommunen im Haushaltssicherungskonzept wird der Eigenanteil vom Land NRW zusätzlich übernommen. „Damit sind die Rahmenbedingungen sehr gut, um nun mit Hilfe des Einsatzes von Fördermitteln den Netzausbau im gesamten Kreis Heinsberg weiter voranzutreiben und alle Weißen Flecken abzubauen“, meint Pusch. „Die TÜV Rheinland Consulting GmbH hat in ihrer im Februar vorgestellten Gigabitstudie für den Kreis Heinsberg Netzerrichtungskosten zur Reduzierung aller Weißen Flecken von rund 39 Millionen Euro berechnet“, erklärt Eßer. „Alle Kommunen ziehen jetzt an einem Strang. An die Beantragung der Fördermittel können wir einen Haken machen.“ Und vom Erfolg ist er überzeugt. „Ich kenne bundesweit keinen Antrag, der komplett abgelehnt wurde.“

In der konkreten Umsetzung der Maßnahme sind ungefähr 483 Kilometer Tiefbau vorgesehen. Dabei werden etwa 2900 Kilometer Glasfaserkabel neu verlegt. Der Beginn der Ausbaumaßnahme ist für das vierte Quartal 2020 geplant – ein Abschluss der gesamten Ausbauaktivitäten für 2023.

Der weitere Breitbandausbau im Kreis Heinsberg ist Teil der „Digitalstrategie für den Kreis Heinsberg“, die von CDU und FDP im Kreistag Mitte Februar diesen Jahres eingebracht wurde.