Blumen haben es auf nährstoffreichen Böden schwer

„Heinsberg blüht auf“ : Blumen haben es auf nährstoffreichen Böden schwer

„Heinsberg blüht auf“ lautete das Motto, unter dem die CDU im Heinsberger Stadtrat im März dieses Jahres der Verwaltung den Prüfauftrag gegeben hatte, ob und wie Grünflächen im Stadtgebiet zum Erhalt der Altenvielfalt optimiert werden können.

Einer, der in der Fraktion auf diesem Gebiet nicht nur gedanklich, sondern auch mit seinem Traktor schon länger unterwegs ist, heißt Anton Nießen und wohnt in Boverath. Schon Ende 2012 hat der Landwirt auf einer circa einen Hektar großen Fläche zwischen Hülhoven und Dremmen in der Gemarkung Oberbruch eine Glatthaferwiese mit vielen unterschiedlichen Kräutern eingesät. Und da diese nun in voller Blüte steht, hatte er die Kollegen aus dem Stadtrat eingeladen, sich seine Wiese anzuschauen und Patrick Haasenleder kennenzulernen. Der Biologe ist Projektleiter bei der Zweigstelle Westliches Rheinland der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft.

Nießen und Haasenleder freuten sich über Besucher aus allen Fraktionen mit Ausnahme der FDP. Die Wiese sei entstanden im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme für ein Baugebiet in Dremmen, erklärte Haasenleder. Ein Investor, der zu einer Ausgleichsmaßnahme verpflichtet sei, könne sich an die Stiftung wenden, die dann eine entsprechende Fläche finde und mit einem Landwirt vor Ort einen Vertrag schließe, der diese dann bewirtschafte. 

Zwei Mal im Jahr, ab 1. Juni und noch einmal acht Wochen später, darf Nießen die Wiese nun mähen, in die Glatthafer, weitere Gräser und insgesamt 16 verschiedene Kräuter eingesät wurden. Hinzu kommen zehn Bäume mit alten Obstsorten wie die Rote Sternrenette oder Schneiders späte Knorpelkirsche. Vier der eingesäten Kräuter seien quasi gute Anzeiger dafür, dass der Boden „ausgemagert“ sei, wie es Fachmann Nießen formuliert. Wenn nämlich zu viele Nährstoffe im Boden seien, würde der Glatthafer zwar gut wachsen, die Kräuter hätten jedoch keine Chance. In diesem Jahr sähe das aber gut aus, freut er sich und zeigt als Beweis eine Wiesen-Margerite, eine Flockenblume und einen Hornklee. 

Den gemähten „Kräuter-Hafer“ verfüttert Nießen an seine Kühe. Ein Kilo davon bekommt jede Kuh pro Tag. Zusammen mit seinen Fraktionskollegen besichtigte er im Anschluss noch den einjährigen, 10 mal 2000 Meter großen Bienenweidenstreifen mit Blumen, dessen Realisierung sie finanziell unterstützt haben und der jetzt in der Nähe von Janses Mattes den Bienen ein Paradies bietet. Zuvor bedankte sich Haasenleder für das Engagement Nießens noch mit drei Insektenhotels, die er von der Stiftung mitgebracht hatte.

Die Initiative der CDU „Heinsberg blüht auf“ scheint auch erste Früchte zu tragen, wie eine Nachfrage bei Bürgermeister Wolfgang Dieder ergab. „Wir haben in vielen Bereichen zu nährstoffreiche Böden und damit setzen sich Gräser besser durch als Wildblumen. Am Friedhof Dremmen haben wir auf rund 200 Quadratmetern die Grasdecke abgezogen und die Wildblumen eingesäht. Jetzt müssen wir abwarten, wie sich das entwickelt.“ An der Oberbrucherstraße bestünden schon seit zwei Jahren Pflanzbeete mit Wildblumen, die derzeit in voller Blüte stünden.

In Kirchhoven in der Gemarkung Rottenköhl sei eine weitere Fläche geplant. In Eschweiler werde zudem durch eine Privatinitiative eines Landwirts Wildblumensamen auf einer großen Fläche aufgebracht. Auch hier müsse das Ergebnis abgewartet werden, meint Dieder.

(anna/her)
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