Bislang nur 301 Elektrofahrzeuge im Kreis Heinsberg gemeldet

Nur wenige Zulassungen : Bislang nur 301 E-Mobile im Kreis Heinsberg gemeldet

Der Trend scheint unaufhaltsam, und kaum ein bedeutender Automobilhersteller kann es sich noch leisten, kein Elektrofahrzeug oder zumindest einen Hybriden in seiner Angebotspalette anzupreisen. Die präsente Debatte über Klimaerwärmung, zu hohen CO2-Ausstoß und Feinstaub-Belastung trägt längst Früchte. Doch ist der Wunsch nach einem emissionsfreundlichen Elektrofahrzeug auch bei den Fahrzeughaltern angekommen? Wir sahen uns im Kreis Heinsberg um.

„Derzeit sind 301 Elektrofahrzeuge beim Straßenverkehrsamt im Kreis Heinsberg angemeldet“, bestätigt Ulrich Hollwitz, der Pressesprecher des Kreises. Angesichts einer Gesamtanmeldezahl von rund 220.000 Fahrzeugen ein noch verschwindender Prozentsatz. „112 davon sind auf Firmen, Einzelunternehmer und Kommunen zugelassen“, geht Hollwitz weiter ins Detail. Zwei Fahrzeuge stünden denn auch im Dienst der Kreisverwaltung selbst.

Die Stadt Heinsberg gehört mit zwei Fahrzeugen ebenfalls zur Gruppe der E-Fahrzeugnutzer. Ein drittes Fahrzeug soll übrigens demnächst noch folgen. „Wir sind von Anfang an bei der E-Mobilität dabei“, sagt Eduard Sudheimer, Geschäftsführer der Alliander Netz Heinsberg GmbH, die in der Kreisstadt die mittlerweile sieben öffentlichen Ladestationen betreibt. Im Jahr 2008 sei an der Hochstraße, direkt neben einem Eiscafé, die erste Ladesäule aufgestellt worden. Schon zweimal sei sie seitdem ausgetauscht worden und ein dritter Tausch steht bevor, um die Station von 3,7 KW auf 22 KW umzurüsten.

Das sei der heutige Standard, meint Sudheimer. Was die Umrüstung bewirkt, beschreibt er gleich anhand seines Audi e-tron, den er als Dienstwagen kutschiert. Bei einer Leistungsaufnahme von 95 KW/h müsse er an einer Säule mit einer Leistung von 3,7 KW etwa 26 Stunden laden, um seinen Wagen komplett „vollzutanken“, sollten die Batterien vollständig leer sein. Mit der neuen Säule reduziere sich diese Zeit auf über vier Stunden. An den Autobahntankstellen liege der Standard mittlerweile schon bei 150 KW, sagt Sudheimer.

Dieter Pietruck, Pressesprecher bei DHL, beim Aufladen eines StreetScooter. 32 der Fahrzeuge versehen in Heinsberg und Waldfeucht ihren Dienst. Foto: Rainer Herwartz

Obwohl bei den Lenkern eines Elektrofahrzugs Geduld zu haben also ein nicht zu unterschätzendes Wesensmerkmal sein sollte, kann Sudheimer dennoch von einer positiven Entwicklung berichten. An fünf Ladesäulen in der Heinsberger City (eine weitere steht am Rathaus und in Oberbruch) ist die Zahl der Ladevorgänge zwischen 2015 und 2018 von knapp über 50 auf über 400 gestiegen. „Viele Niederländer und Belgier, die hier zum Shoppen sind, tanken auch hier“, weiß der Alliander-Chef. Laut Statistik liegt bei ihnen trotzdem die Zahl der Ladevorgänge immer noch deutlich unter 100 im Jahr.

Von Zweiflern und Kritikern der Elektrofahrzeuge wird häufig ins Feld geführt, dass versprochene Reichweiten bei eingeschaltetem Licht, arbeitender Klimaanlage oder Heizung nicht annähernd erzielt würden. Daher seien die Fahrzeuge für Pendler oder Familien, die mit dem Wagen längere Strecken zum Urlaubsort zurücklegen müssten, kaum geeignet. Die Ladezeiten verschärften des Problem überdies noch. Sudheimer ist in diesem Punkt jedoch zuversichtlich. „Ich glaube schon, dass dieses Problem in absehbarer Zeit behoben wird.“

Zudem könne man per App jetzt schon sehen, ob eine Ladestation frei sei, wer sie betreibe und wie viel KW sie habe. „Wir werden auf jedenfall weitere Ladestationen an unseren Gebäuden installieren.“ Gleichwohl räumt Sudheimer ein: „Elektromobilität ist nicht das Allheilmittel für die CO2-Problematik. Auch der Strom, der geladen wird, muss grün sein.“

Dass der Einsatz von Elektrofahrzeugen zum jetzigen Zeitpunkt schon durchaus Sinn machen kann, zeigt zum Beispiel die DHL Group, für die im Kreis Heinsberg 86 sogenannte StreetScooter unterwegs sind. Angemeldet sind diese allerdings in Bonn. „Wir haben schon früh erkannt, dass irgendwann mal ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge erfolgen wird“, sagt DHL-Pressesprecher Dieter Pietruck. 2010/2011 habe der Vorstand etablierte Autohersteller gefragt, um ein Elektrofahrzeug für die Belange der Post bauen zu lassen. aber alle hätten abgewunken. Mit dem StreetScooter habe die Deutsche Post DHL Group dann zusammen mit der StreetScooter GmbH und Instituten der RWTH Aachen ein eigenes zukunftsweisendes Elektroauto speziell für die Brief- und Paketzustellung entwickelt. Bei dem ständigen Wechsel zwischen Anfahren und Anhalten sei ein E-Fahrzeug gegenüber einem konventionellen Verbrenner klar im Vorteil.

Im Jahr 2015 wurde StreetScooter von der Post übernommen. „Bis zum Jahr 2050 wollen wir sämtliche logistikbezogenen Emissionen auf Null reduzieren.“

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