Wassenberg: Birgelener Schule will katholisch bleiben

Wassenberg : Birgelener Schule will katholisch bleiben

Klar ist an diesem Abend vor allem eines geworden: Ein konkrete Lösung für das Wassenberger Grundschulproblem ist noch nicht gefunden. Hintergrund ist, dass immer mehr Eltern ihre Kinder an der GGS Am Burgberg anmelden. Im kommenden Schuljahr starten dort vier statt wie ursprünglich geplant drei erste Klassen.

Das müsse laut Stadtverwaltung aber eine Ausnahme bleiben. Die Raumkapazitäten in der Wassenberger GGS seien erschöpft. Da es im Stadtgebiet keine andere Gemeinschaftsgrundschule, dafür aber drei katholische Grundschulen gibt, darf die GGS Am Burgberg laut Gesetz erst einmal keine Kinder abweisen. Die Eltern dürfen zwischen GGS und Bekenntnisschule wählen. Die Verwaltung spricht in diesem Zusammenhang von einem „Rechtsanspruch“ der Eltern.

„Schülerströme“ besser lenken

Deshalb schlägt die Stadt, die auch Schulträger ist, nun vor, die katholische Grundschule in Birgelen zu einer Gemeinschaftsgrundschule zu machen. Dadurch könnte die Verwaltung die „Schülerströme“ besser lenken. Sie könnte Kinder von einer GGS an die andere verweisen. Das sei sinnvoll, weil die Birgelener Schule Raumkapazitäten für drei Züge aber nur zwei Klassen pro Jahrgang habe.

Außerdem gibt es sozusagen auf der Ortsgrenze von Wassenberg und Birgelen ein großes Neubaugebiet. Deshalb — so sieht man es im Rathaus — ist es sinnvoll, bei der Verteilung der Kinder auf diese beiden Schulen steuernd einzugreifen. Am Ende kann die Verwaltung aber nur beschließen, dass die Eltern der Kinder an der KGS Birgelen über die Schulform abstimmen. Die aktuelle Elternschaft hat das letzte Wort.

Die Leiterin der katholischen Grundschule Birgelen, Barbara Schillings, lehnt die Umwandlung in eine GGS ab. „Wir sind eine katholische Schule und leben das offen. Uns ist wichtig, dass wir so weitermachen. Wir schätzen die Schulgottesdienste und das Beten. Wir leben die Religion durch Feste und Feierlichkeiten“, sagte sie. Sie warf der Verwaltung vor, nicht ausreichend geprüft zu haben, welche der drei katholischen Schulen umgewandelt werden soll, stattdessen habe sie sofort die Schule in Birgelen „ausgeguckt“.

Jutta Mauczok, Leiterin der GGS Am Burgberg, die auch schon einmal eine katholische Grundschule geleitet hat, sagte, dass es im Alltag keinen Unterschied zwischen den beiden Schularten gebe. „Wir bieten Religionsunterricht an, leben religiöse Werte, geben Orientierung und kooperieren mit beiden Kirchen“, sagte sie. Propst Thomas Wieners sieht mögliche Probleme allerdings in der Zukunft.

„Bei einer Bekenntnisschule ist das christliche Leben verankert. Die Lehrer müssen das leben“, sagte er. An einer GGS können die Lehrer das tun, müssen aber nicht. Wandele man die Birgelener Schule nun um, „geben wir ein Gut auf, das für die Kinder von größter Wichtigkeit ist“, sagte Wieners: „Wir wissen nicht, wie sich die Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten entwickelt“, argumentierte Wieners.

Bliebe der Status quo bei den Grundschulen erhalten, könnte die GGS Am Burgberg trotzdem Kinder abweisen, sobald die Kapazitätsgrenze erreicht ist. Beharren die Eltern dann aber darauf, ihr Kind an einer Gemeinschaftsgrundschule unterrichten zu lassen, müssten sie es in eine andere Stadt bringen. Und das will Bürgermeister Manfred Winkens (CDU) vermeiden, wie er sagte. Er betonte auch, dass die Stadt nicht vorhabe, einen der vier Grundschulstandorte aufzugeben.

Alle Schulen sollten so lange wie möglich selbstständig aufrechterhalten werden. Darüber herrscht im politischen Raum wohl Einigkeit. Wie die Fraktionen zu einer etwaigen Umwandlung der KGS Birgelen stehen, blieb in der jüngsten Schulausschusssitzung jedoch offen. Auf Antrag der CDU wurde der Beschluss bis zur Ratssitzung am 3. Mai vertragt. Fraktionsvorsitzender Marcel Maurer sagte, dass die Christdemokraten das Thema zuvor bei einer Fraktionsklausur beraten möchten.

Unterschiedliche Ansichten

Knifflig ist das Thema auch, weil sich die Birgelener Schulleitung und die Verwaltung schon bei der Ausgangslage uneinig sind. Schillings sagte, dass aktuell alle Räume in der Schule genutzt würden. Kämmerer Wilibert Darius hatte zuletzt gesagt, dass man die Schule nicht halb leer stehen lassen könne. Die Verwaltung spricht davon, dass vermehrt Bigelener Kinder in Wassenberg angemeldet würden.

Schillings sagte, dass im Gegenzug auch Wassenberger Kinder zur Birgelener Schule kommen. Zudem sagte Schillings, dass nie die Rede von einem dritten Zug in ihrer Schule gewesen sei. Der Stadtrat hatte aber festgelegt, dass die Schule Raumkapazitäten für drei Züge hat.

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