Diskussion im Heinsberger Bildungshaus: Besorgnis über Rechtsruck ist spürbar

Diskussion im Heinsberger Bildungshaus : Besorgnis über Rechtsruck ist spürbar

Das Bündnis gegen Rechtsextremismus für Demokratie und Toleranz im Kreis Heinsberg hatte in Kooperation mit der Anton-Heinen-Volkshocshchule zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion ins Bildungshaus in Heinsberg an der Oberbrucher Straße eingeladen.

Der Politologe und Mitarbeiter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Köln, Patrick Fels, stellte aktuelle Entwicklungen von rechter Gewalt, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in den Mittelpunkt seiner Ausführungen.

Ina Kradepohl von der Volkshochschule und Ulla Sevenich-Matar vom Bündnis gegen Rechts moderierten im Anschluss an den Vortrag von Fels eine intensiv geführte Diskussion, die im Spannungsfeld von Besorgnis über den Rechtsruck in der Gesellschaft und dem Wunsch nach aufklärender Information stand.

KAL-Nachfolge

Mit seinem Vortrag über aktuelle Entwicklungen von Rechtsextremismus und Rechtspopulismus gab Patrick Fels einen Überblick zu Personen und ihren Aktionen in der Region. So seien im Kreis Heinsberg aus dem Umfeld der ehemaligen und verbotenen „Kameradschaft Aachen Land“ (KAL) deren zum Teil straffällig gewordene und verurteilte Mitglieder weiter aktiv unter neuem Namen wie „Syndikat 52“ (S52) oder der Splitterpartei „Die Rechte“. Ihre Aktivitäten deckten sich teilweise mit alten KAL-Angeboten.

So seien Computerschulung, Konzerte, Flyeraktionen, Sprüh- und Aufklebefaktionen in Hückelhoven und Erkelenz, sportliche Angebote wie Rafting-Touren auf der Rur von Hückelhoven-Hilfarth nach Wassenberg-Orsbeck sowie „Heldengedenken“ in der Tradition der KAL in 2016 und 2017 in Heinsberg kennzeichnend. Sie dienten der Neugewinnung von Mitgliedern, insbesondere von Jugendlichen. Neu hinzugekommen seien Angebote von Kampfsportveranstaltungen.

AfD als „Ventil“

Untersuchungen hätten zudem ergeben, dass in der Bevölkerung ein Potenzial von 15 bis 20 Prozent für rechtskonservative und autoritäre Denkweisen bestehe. Diese Menschen hätten mit der AfD ein „Ventil“ bekommen. An Beispielen wie den Vorgängen in Chemnitz und Köthen verwies Fels auf die erkennbaren Muster der rechten ­Aktivisten-Szene. So würden Vorgänge wie die Trauerbezeugungen im Umfeld eines Verbrechens genutzt, die Inhalte umzudeuten und mit dem rechten Weltbild an gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu besetzen. Statt differenziertem und genauem Hinschauen auf die tatsächlichen Ursachen (wie ökonomischen Ursachen, prekärem Arbeitsmarkt oder Flucht aus Kriegsgebieten) würden Ersatzerklärungsmuster wie Vorurteile und „Sündenbockprinzip“ in die Köpfe der Menschen geschrien und Ängste geschürt.

Schule ohne Rassísmus

In der nachfolgenden Diskussion wurde deutlich, dass demokratischen Kräfte im Kreis Heinsberg dem Rechtsruck entgegentreten würden. Projekte wie „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“ seien Beispiele dafür. Aus dem Kreis der an diesem Abend anwesenden Bürger war auch Besorgnis und Unverständnis mit Blick auf das Verhalten von Regierungsmitgliedern (Seehofer und der Fall Maaßen) geäußert, welches „Wasser auf den Mühlen“ der völkischen und identitären Rechten sei.

Geäußert wurde aber auch der Wunsch nach weiteren Aufklärungsangeboten durch die Volkshochschule.

(jwb)