Digitalisierung in Schulen: Bei manchen läuft’s gut, bei vielen nicht

Digitalisierung in Schulen : Bei manchen läuft’s gut, bei vielen nicht

Fünf Milliarden Euro steckt die Bundesregierung in den Digitalpakt, um in den Schulen in Sachen Bildung „online“ zu gehen. Doch die digitale Revolution im Klassenzimmer lässt noch auf sich warten.

Deutschlands Schulen hinken in der Digitalisierung international hinterher. „Auch im Kreis Heinsberg sieht es, wie an vielen Schulen in NRW, mehr als düster aus, was die digitalen Medien und das Lehren damit angeht“, bemängelt Andreas Stommel, Referent für Datenschutz und Digitalisierung im Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW, und fordert, dass die Mittel jetzt möglichst schnell in den Schulen ankomme müssen.

„Die Landesregierung verharrt derzeit aber in einem Ankündigungsmodus. Dabei wäre eine zeitnahe Digitalisierungsoffensive enorm wichtig, denn viele Schulen hinken digital ihrer Zeit 20 Jahre hinterher“, kritisiert der Gewerkschafter. Ein Gros der Schulen verfüge nur über eine rudimentäre IT-Ausstattung, digitale Geräte seien kaum in der Breite angekommen, hat  Stommel festgestellt. Oft scheitere es bereits an Grundsätzlichem wie einem schnellen Wlan-Netzwerk in der Schule.  „Die finanziellen Mittel zur Verbesserung der digitalen Anbindung an das schnelle Internet über „Gute Schule 2020“ werden über die Kommunen bisher kaum für die Digitalisierung abgerufen“, ärgert sich Stommel.

Viel mehr würde an den Schulgebäuden mit diesem Geld der Sanierungsstau behoben, was nicht im ursprünglichen Sinn der Förderung gewesen sei. Allerdings, so betont er ebenfalls, gehe es beim Thema Digitalisierung von Schulen nicht nur um die digitale Infrastruktur, die Anschaffung von Tablets, Laptops, Smartboards oder die Einrichtung eines schnellen WLAN-Netzwerks.  „Es geht dem VBE vor allem darum, wie wir in Zukunft gute digitale Bildung unter pädagogischen Gesichtspunkten in den Schulen verwirklichen können und wie die Geräte sinnvoll in den Unterricht eingebunden werden können. Wenn die Lehrer nicht fortgebildet sind, dann bringt uns die beste Ausstattung nichts, dann haben wir in jedem Raum die digitalen Endgeräte und keiner weiß, was damit zu tun ist.“

Deshalb fordert Stommel ganz deutlich, in Sachen Digitalisierung in einer klaren Reihenfolge zu investieren: in die Fortbildung der Lehrkräfte in einem ersten Schritt und  anschließend oder auch parallel in die Infrastruktur und die Anschaffung der digitalen Endgeräte.  „Sonst haben wir an jeder Schule Investitionsruinen“,  befürchtet der Experte.

Einen ähnlichen Fehler habe die vorherige Landesregierung bereits bei der Inklusion gemacht. „Wir erinnern uns: Der VBE hat bei der Einführung der Inklusion bemängelt, dass zuerst die Inklusion eingeführt wurde, und man sich erst im Anschluss Konzepte überlegt hatte, wie man die Inklusion umsetzt.“

Unterschiedlicher Fortschritt

In Sachen Digitalisierung sei es letztlich aber ohnehin der Schulträger, also die einzelnen Kommunen im Kreis, der es in der Hand habe, wie die Schulen ausgestattet würden. Da gebe es auch im Kreis Kommunen, die über Beschlüsse in den Stadträten seit Jahren in Technik und Software investierten und deren Schulen echten Vorbildcharakter hätten und andere Kommunen, für die die Themen Digitalisierung in der Schule ganz hinten anstehen würden.

„An vielen Schulen werden vom Schulträger nicht einmal die digitalen Endgeräte, die die Lehrer für ihre Arbeit benötigen, bereitgestellt“, sagt Andreas Stommel. Damit meint er nicht nur Tablets und Whiteboards, sondern viel Elementareres, wie PCs. „Im Schulbereich geht man weiterhin davon aus, dass jeder seinen privaten Computer zur Verfügung stellt – zur Vorbereitung des Unterrichts, aber auch zum Schreiben von Zeugnissen. Gerade bei letzterem wird es schon datenschutztechnisch gefährlich“, sagt Stommel und kritisiert: „Ich kenne aber keinen Verwaltungsmitarbeiter, der jeden Morgen mit seinem privaten PC ins Büro kommt und damit seine Arbeit verrichtet.“

Ungleichheit in der Ausstattung der Schulen im Kreis bedeutete auch, dass es bei den Bildungschancen eine Ungleichheit gebe. „Es kann nicht sein, dass die digitale Bildung davon abhängt, wie viel Geld eine Kommune bereit stellt“, sagt er. Allerdings ist er nicht der Meinung, dass jede Schule mit gleichen Geräten ausgestattet werden müsse. „Es geht uns um eine passgenaue Ausstattung der Schule – das Medienkonzept muss zur Schule passen. Sonst wird nur Geld verbrannt“, sagt er. Dennoch appelliert er an die Schulträger: „Die Digitalisierung in der Schule muss schon ab der Grundschule beginnen. Diese Schulform darf hier nicht abgehängt oder vernachlässigt werden.“