Begas Haus: Zeichnungen so detailgetreu wie Fotografien

Begas Haus : Zeichnungen so detailgetreu wie Fotografien

„Wir haben eine ganz neue Kunst hier. Die haben wir noch nie ausgestellt.“ Mit diesen Worten begrüßte Dr. Rita Müllejans-Dickmann, Leiterin des Begas Hauses in Heinsberg, eine große Zahl von Besuchern zur Vernissage der neuen Sonderausstellung mit Werken der Aachener Künstlerin Gerlinde Zantis.

Noch bis zum 5. Mai zeigt sie im Begas Haus 20 überwiegend ganz neue und großformatige Zeichnungen mit Landschaftsbildern aus den französischen Départements Ardèche und Gard.

Die Einführung in die Ausstellung, die den Titel „Chaussée déformée“ trägt, übernahm die Kunsthistorikerin Alexandra Simon-Tönges aus Aachen. Und auch sie war wie die Gäste der Vernissage überwältigt von der Detailtreue dieser Werke. „Aus der Ferne könnten wir sie für Fotografien halten, gehen wir näher heran, denken wir vielleicht an ein Gemälde“, sagte sie. „Aber an Zeichnung denkt man sicher nicht als erstes.“ Vielleicht auch schon deshalb, weil Zeichnung doch eher mit Skizzieren, Kritzeln und Vorstudien für Kunstwerke in Verbindung gebracht werde.

Genau das ist aber bei Gerlinde Zantis ganz anders. Schon als Kind habe sie am liebsten das gezeichnet, „was so selbstverständlich um uns herum ist, was uns kaum auffällt.“ Dieser Linie sei sie auch während ihres Studiums treu geblieben. Vor etwa 20 Jahren habe dann die Pastellkreide den Graphitstift abgelöst, und ihre Arbeiten seien malerischer geworden. „In den jüngeren Arbeiten, wie wir sie auch hier sehen, betont sie wieder mehr das Zeichnerische, das Detail, wenn auch mit weichem Strich“, so die Kunsthistorikerin. „Auch farbiger sind die Zeichnungen geworden, wenn auch auf eine sehr subtile, leichte Art: wie drüber gestäubt liegt die Farbe darin.“

Um die Motive für ihre Arbeiten zu finden, suche die Künstlerin immer die unberührte Natur, tauche regelrecht ein in die jeweilige Landschaft. Sie fertige dann zunächst eine Skizze an, „fängt mit schnellem Strich die Stimmung eines Ortes ein.“ Oft kehre sie dann am nächsten Tag wieder, um Fotos zu machen, die ihr im Atelier bei der Ausarbeitung von Details wie etwa Steinen am Wegrand helfen würden.

Dennoch seien ihre Zeichnungen keine authentische Wiedergabe des jeweiligen Ortes, sondern eine „idealisierte“ Landschaft. So „verdichtet sie die Landschaft, an jeder Stelle des Bildes ist bedeutsame Natur, nichts verschwimmt oder wird vernachlässigt“. Damit erzeuge die Künstlerin eine „enorme Tiefenschärfe“, die den Betrachter geradezu sogartig in die Landschaft hineinziehe.

„Diese Zeichnungen schärfen unseren Blick für die Naturwahrnehmung“, so das Resümee der Kunsthistorikerin. Damit werde, wie in der Landschaftsmalerei der Romantik, das Mächtige und Unbezwingbare der Natur spürbar. „Eine Sehschule der ganz besonderen Art. Ein grandioses Werk.“

(anna)