Begas-Haus: Sie schneidern alles, aber keine alten Hüte

Begas-Haus : Sie schneidern alles, aber keine alten Hüte

„Kunst Aktiv“ heißt der neue Arbeitsbereich des Heinsberger Begas-Hauses, in dem das Museum für Kunst und Regionalgeschichte jetzt auch seine Museumspädagogik intensiviert.

Im Rahmen eines offenen Ateliers und einer kleinen, aber feinen, von Schülern gestalteten Modenschau haben Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann und die neue Museumspädagogin Doris Müller das Konzept mit Kreativkursen, Workshops und weiteren Aktivitäten vorgestellt.

„Was lange währt, wird endlich gut“, erklärte die Museumsleiterin in ihrer Begrüßung. Seit der Eröffnung des Museums vor gut fünf Jahren habe man sich natürlich auch der Pädagogik bereits in kleinerem Rahmen gewidmet. Zum einen habe es jedoch noch keine fertig eingerichteten Räumlichkeiten gegeben. Zum anderen habe das Personal gefehlt. Seit Jahresbeginn gehöre jetzt jedoch Doris Müller zum Team. Und sie habe „ganz schwer Gas gegeben“, lobte Dr. Rita Müllejans-Dickmann das Engagement der neuen Mitarbeiterin. Sie habe das Konzept geschrieben und auch Kontakt zu den Schulen aufgenommen.

Die Museumsleiterin habe für sie den Startschuss gegeben, hinauszuziehen ins Heinsberger Land und über die Schulen Kontakte zu den Nachwuchskünstlern zu knüpfen. „Dieser Feldzug war erfolgreich – unblutig, völkerverbindend und vor allem bunt“, betonte Doris Müller, ehe sie dem Publikum einige Beispiele erläuterte. So seien zum Beispiel an drei Nachmittagen im Museum mit Fünftklässlern der Unesco-AG der Heinsberger Realschule aus sogenanntem Upcycling ausgedienter Kleidungsstücke neue, ganz individuell gestaltete Kleidungsstücke entstanden.

Schick, ausgefallen und zugleich ökologisch: Unter diesem feschen, bunten Hut verbirgt sich ein ausgedienter Osterkranz. Foto: Anna Petra Thomas

Weiterhin verwies sie auf die ebenfalls ausgestellten Upcycling-Objekte, hergestellt von Achtklässlern während der Unesco-Projekttage in der Schule. Ergänzend zu den Angeboten im Museum betreue die zuständige Lehrerin, Gerlinde Cremer, an der Schule noch drei weitere Gruppen. „So hatten inzwischen bereits fast 100 Schüler die Möglichkeit, an drei Tagen in die geheimnisvolle Welt der Müllverwertung einzutauchen und daraus wertvolles Neues entstehen zu lassen“, erklärte Doris Müller.

„Es sind wirklich tolle, ideenreiche Arbeiten entstanden“, betonte sie und sollte damit nicht zu viel versprechen. Das Publikum war von den Ergebnissen, die mehrere Schülerinnen auf dem roten Teppich präsentierten, begeistert. Da war aus einer alten Jeans ein Rock geworden, aus dem Baldachin über dem Kinderbett ein extravagantes Brautkleid, aus Glitzerstoff ein Fantasy-Outfit oder aus einem ausgedienten Oster-Strohkranz ein außergewöhnlicher Hut, verziert mit Kaffeekapseln aus Aluminium. Der Applaus des Publikums war den jungen Models und den beiden Moderatorinnen Erezha Gashi und Agnesa Aliu gewiss. Auch von den Zehntklässlern in der Unesco-Gruppe war Gerlinde Cremer bei diesem Projekt unterstützt worden.

Im Flur und im Atelierraum konnten die Besucher weitere Ergebnisse bestaunen. So war im Projekt „Lebenswelten-Heimat“ unter der Leitung von Kartin Bertke aus der Gesamtschule und Beate Königs im Begas-Haus ein Papptheater in Anlehnung an die Lebenswelt der Familie Begas entstanden, oder Collagen aus Bildern und Texten zum Thema Glanzstoff-Werke oder ein Comic, der nach einer Betrachtung des Bildes mit dem Titel Mohrenwäsche die Gefühle der Schüler zum völkerverbindenden Miteinander zum Ausdruck brachte.

Natürlich konnten sich die jungen Besucher in den Atelierräumen unter der Anleitung von Beate Königs auch gleich als junge Künstler versuchen. Foto: Anna Petra Thomas

Ausgestellt war schließlich auch ein Querschnitt der vom Land geförderten sogenannten Kulturrucksack-Projekte der vergangenen Jahre. Im Anschluss an die Besichtigung aller ausgestellten Arbeiten lud Doris Müller die Besucher noch ein zu einer Führung mit dem neuen digitalen Museumsführer, „mGuide“ genannt. „Wie Sie sehen, kann ein Museum bunt und lebendig sein, offen, kreativ, kritisch, verbindend, rückblickend, innovativ und vieles mehr, ein zentraler Ort für alle. Lassen Sie es uns gemeinsam angehen.“ Kunst sei so viel mehr als nur schöne Bilder zu machen. Sie sei auch gelebter Ausdruck ihrer Zeit, schloss Müller schließlich ihre Einführung.

Schon am kommenden Freitag, 20. September, lädt die Museumspädagogik anlässlich des Weltkindertags von 15 bis 17 Uhr ein zu „Spiel und Spaß bei Begas“. Am Dienstag, 1. Oktober (acht bis zwölf Jahre), und am Dienstag, 8. Oktober (12 bis 16 Jahre), startet im wöchentlichen Wechsel ein neuer Kreativkurs für Kinder und Jugendliche unter dem Motto „Mensch Begas – ein cooler Weg zur bildenden Kunst“.

In den Herbstferien stehen wieder Kulturrucksack-Angebote für alle im Alter von 10 bis 14 Jahren auf dem Programm. „Upcycling-Design – die Kunst der Nachhaltigkeit!“ heißt das Programm in der ersten Woche (15. bis 18. Oktober), „Malerei, Stillleben“ in der zweiten Woche (22. bis 25. Oktober). Ums „Gestalten mit Ton“ geht’s zudem in einem Workshop an zwei Wochenenden (16., 17. und 30. November). Ein Kreativkurs für Erwachsene in freier Malerei und Gestaltung soll ebenfalls im Oktober starten, immer mittwochs von 9.30 bis 11.30 Uhr.

Weitere Informationen und Anmeldung möglich im Internet unter www.begas-haus.de.

Mehr von Aachener Nachrichten