Region: Baumstamm auf Straße geworfen: Täter stellen sich

Region: Baumstamm auf Straße geworfen: Täter stellen sich

Es muss kurz nach Mitternacht gewesen sein, als ein Pkw-Fahrer auf Höhe von Schümm die Bundesstraße 56 überquert haben soll. Mitten auf der Brücke stellte er fest, dass ein mehrere Meter langer Baumstamm am Geländer lehnte. Der Unbekannte stieg aus, entfernte den Stamm und fuhr weiter. Er ahnte nicht, dass diejenigen, die den Stamm auf die Brücke geschleppt hatten, sich in nur wenigen Metern Entfernung versteckt hatten — und sogleich wieder zur Tat schritten.

So hat es sich nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft zugetragen.

Blick auf den Tatort: Von dieser Brücke aus hoben die mutmaßlichen Täter den Baumstamm über das Beländer und warfen ihn auf die Fahrbahn. Foto: Jan Mönch

Der Ausgang der Geschichte, die nur zu leicht in einer Tragödie hätte enden können, ist bekannt: In der Nacht auf den 29. September, ein Sonntag, schlug besagter Baumstamm auf dem noch jungen Asphalt der B56 auf. Ein in Richtung Gangelt fahrender Niederländer konnte trotz Vollbremsung eine Kollision nicht vermeiden.

Nur noch einige Markierungen auf der Fahrbahn erinnern daran, dass es auf der im Bau befindlichen Bundestraße 56 beinahe zu einer Tragödie gekommen wäre. Foto: Jan Mönch

Kurz darauf rammte ein weiteres, aus entgegengesetzter Richtung kommendes Fahrzeug den Stamm. Beide Fahrer hatten Glück im Unglück und wurden nicht verletzt. Es blieb bei schweren Beschädigungen an beiden Fahrzeugen.

Die mutmaßlichen Täter haben sich mittlerweile gestellt. Sie sind 17 und 18 Jahre alt und erschienen bereits Ende vergangener Woche in Begleitung ihrer Anwälte bei der Polizei. Wenige Meter von der Brücke entfernt hatten sie in jener Nacht einen Stoß Baumstämme vorgefunden, wovon sie einen auf die Brücke trugen.

Auf die Aussage der jungen Männer stützt sich auch die Theorie, dass sich zwischenzeitlich eine weitere Person auf der Brücke aufhielt und den Stamm zunächst vom Geländer entfernte. Nach ihr sucht die Staatsanwaltschaft nun dringend — von ihrer Aussage erhofft sie sich weitere Erkenntnisse zum Tathergang. Momentan bereitet die Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor.

Für eine Anklage wegen eines versuchten Tötungsdelikts ist die Beweislage zu dünn. „Dafür bräuchten wir zumindest den Nachweis, dass der Tod billigend in Kauf genommen wurde“, so Dr. Jost Schützeberg. Einen laut der Heinsberger Polizei rund fünf Meter langen Stamm von 15 bis 17 Zentimeter Durchmesser auf eine Straße zu werfen, auf der Tempo 100 gilt, reicht dafür nach geltender Rechtslage offenbar nicht aus. Allerdings, so Schützeberg, könne die Lage jederzeit wieder kippen — je nachdem, was die weiteren Ermittlungen ergeben.

Bis die Klage steht, werden voraussichtlich noch mehrere Wochen vergehen. Der Baumstamm, der durch die beiden Kollisionen in mehrere Stücke zerrissen wurde, befindet sich mittlerweile zur Untersuchung im Landeskriminalamt Düsseldorf.

Die beiden mutmaßlichen Täter, die bislang polizeilich nicht in Erscheinung getreten waren, wurden bereits am Samstag wieder auf freien Fuß gesetzt.