Hückelhoven: Bau-Boom in Hückelhoven: Ende ist nicht in Sicht

Hückelhoven : Bau-Boom in Hückelhoven: Ende ist nicht in Sicht

Die Wohnungsnot in Nordrhein-Westfalen hat nach Angaben der Caritas inzwischen auch den Mittelstand erreicht. „Das Problem betrifft nicht nur Menschen in prekären Lebenssituationen“, sagte der Vorsitzende des Caritasverbandes Düsseldorf.

„Auch Normal- und Gutverdiener, Familien mit Kindern, Senioren, Handwerker und Akademiker, Angestellte oder Freiberufler sind auf der Suche nach erschwinglichen Wohnraum“, betonte Henric Peeters. Die zunehmende Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt, vor allem in den Großstädten, gefährde den gesellschaftlichen Zusammenhalt, warnte Peeters.

Hückelhoven ist keine Großstadt — und wenn man sich in der Stadt mit der Kohlevergangenheit umsieht, gewinnt man den Eindruck, dass hier momentan mächtig neuer Wohnraum geschaffen wird. Das Wort „Betongold“ kann man in Hückelhoven wörtlich nehmen: Rund 300 neue Wohneinheiten werden derzeit im Stadtgebiet Hückelhoven realisiert.

So entstehen an der Brassertstraße dort, wo bis vor kurzem noch die Siedlungshäuser von Sophia-Jacoba standen, 87 neue Wohneinheiten; an der Jülicher Straße werden Ende des Jahres dort, wo bisher der Landhandel angesiedelt war, die ersten von 50 Wohneinheiten bezugsfertig sein, zwei Drittel davon werden aus Mitteln des Sozialen Wohnungsbaus finanziert, die Wohnungen sind zwischen 30 und 80 Quadratmeter groß; der Wasserturm oben am Wadenberg wird in ein Wohnbauprojekt einbezogen, bei dem fünf Mietwohnungen zwischen 62 und 110 Quadratmeter groß, zwei davon im Turm selbst, entstehen.

„Das ist ein Zeichen für Umbruch, für einen Erneuerungsprozess. Wenn man sieht, dass sich da oben im Siedlungsbereich was tut, zieht das auch wieder junge Leute an“, sagte der damalige Leiter des Hochbauamtes der Stadt, Wolfgang Müller-Dick, als das Projekt im zuständigen Bauausschuss vorgestellt wurde.

Verantwortung der Mieter

In eine dieser Wohnungen wird Alistair Greven einziehen. Er steht kurz vor dem Abschluss seines Architekturstudiums und ist schon heute in der „Architektur Galerie Greven“ von Vater Franz Peter Greven als einer von inzwischen 30 Mitarbeitern eingebunden. „Man kann heute nicht einfach nur Häuser bauen und die Leute dort einziehen lassen“, sagt Franz Peter Greven.

„Du musst dich auch danach um die Menschen kümmern, man darf sie nicht allein lassen.“ Er spricht von einem Wohngebäude als „Lebensmanagement“, von der Verantwortung des Vermieters für die Mieter. „Das hat sich in den letzten 20 Jahren seit der Gründung unseres Architekturbüros in Hückelhoven organisch so entwickelt“, sagt Greven.

Als Beispiel für diese Art von homogenen Zusammenwirken nennt Greven den Generationen-Campus in Ratheim. Der wurde 2012 fertiggestellt und 2014 ergänzt, sodass dort 100 Wohneinheiten in neun Gebäuden entstanden sind. 36 Wohnungen und drei Pflegeplätze sind frei finanziert, die anderen wurden mit Mitteln des Landes NRW finanziert.

Mehr als 800 Millionen Euro will das Land pro Jahr für sein Wohnungsbauförderungsprogramm aufbringen. „Im Generationen-Campus in Ratheim ist es uns gelungen, eine Heimat für Menschen aller Einkommensgruppen zu schaffen, ohne dass es an der Architektursprache ablesbar ist“, sagt Franz Peter Greven. „Im Idealfall“, ergänzt Sohn Alistair, „sollte es dem Architekten gelingen, nicht nur bauliche, sondern auch menschliche Barrieren abzuschaffen.“

Leichter Zuzug

Aus Sicht der Stadt ist die Schaffung von neuem und erschwinglichem Wohnraum im Stadtgebiet und jetzt besonders im Zentrum von Hückelhoven sehr erfreulich: „Entgegen den offiziellen Prognosen von vor fünf Jahren haben wir in der Stadt jedes Jahr einen leichten Zuzug“, sagt der Beigeordnete Dr. Achim Ortmanns.

„Die Wohnungen, die jetzt im Zentrum entstehen, aber auch die Mehrfamilienhäuser, die in Brachelen an der Neustraße und an der Hauptstraße gebaut worden sind oder in Hilfarth — das ist eine sehr positive Entwicklung“, sagt Ortmanns. Die niedrigen Zinsen sind im Augenblick der Nährboden dafür, dass Privatleute ihr Geld im Wohnungsbau anlegen.

Aber nicht nur die Nachfrage nach Mietwohnungen, auch die nach Wohnhäusern sei ungebrochen hoch in Hückelhoven: „Wir kriegen gar nicht so viele Baugebiete entwickelt, wie wir Nachfragen haben“, sagt der Beigeordnete.

„Im Winkel“ in Hilfarth oder auch am Schwarzen Weg in Brachelen werden gerade neue Baugebiete ausgewiesen, „und auch in Baal brauchen wir dringend noch ein Neubaugebiet“, so Dr. Achim Ortmanns. Was da im Augenblick abgehe, sagt der Beigeordnete, „das tut der Stadt gut“.

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