Heinsberg-Horst: Bahnübergang in Heinsberg-Horst ist unzureichend gesichert

Heinsberg-Horst: Bahnübergang in Heinsberg-Horst ist unzureichend gesichert

Rudolf Cleven kann sich noch an eine Zeit vor rund 40 Jahren erinnern. „Früher“, so sagt er, „gab es in diesem ehemaligen Bendenland keine Zäune. Die Landwirte ließen ihre Kühe frei grasen. Von meiner Terrasse in Himmerich hatte ich schon damals freie Sicht auf den Bahnübergang.“

Gemeint ist der an der Von-Kesseler-Straße in Horst, neben dem auch ein neuer Bahnhof für die Strecke zwischen Heinsberg und Lindern entsteht. Cleven, der als ausgebildeter Lokführer und ehemaliger Rangiermeister bei Sophia Jacoba in Hückelhoven gearbeitet hat, treiben derzeit jedoch weniger nostalgische Gedanken um. Er ist vielmehr besorgt. „Warum die Andreaskreuze, die früher hier standen, abmontiert und nicht mehr ersetzt wurden, verstehe ich nicht. Das ist ein Unding.“

Alarmiert hatte den 69-Jährigen ein Bericht in unserer Zeitung, in dem der Betreiber der Wurmtalbahn darauf hingewiesen hatte, dass ab sofort, Signale, Lichtzeichen und Schrankenanlagen jederzeit vorübergehend in Betrieb genommen werden könnten und die Verkehrsteilnehmer alle Bahnübergänge grundsätzlich als „scharf“ zu betrachten hätten. Ferner war durch die Verantwortlichen mitgeteilt worden, dass jederzeit eine Testfahrt erfolgen oder ein Versuchsfahrzeug die Strecke „mit voller Geschwindigkeit“ befahren könne.

Seine Sorge sei nicht unbegründet, erklärt Cleven. „Schließlich kam es an der Stelle, wo inklusive der Wirtschaftswege sechs Straßenverläufe sternförmig zusammentreffen, schon mehrfach zu Unfällen.“ Noch gut im Gedächtnis ist ihm der Unfall mit einem unbesetzten Schulbus, der durch einen Bundesbahntriebwagen erfasst wurde. Obwohl es keine Verletzten gab, hat er diesen Zwischenfall, der sich wenige Jahre nach dem Einzug in sein Haus ereignete, nicht vergessen können.

„Hier muss eine Ampelanlage hin. Gerade an den Wochenenden, an denen tausende Besucher der Disco Haus Waldesruh hier verkehren und auch mit dem Pkw unterwegs sind, kann es zu gefährlichen Situationen kommen.“ Schließlich führen die Züge später ja sogar noch nach Mitternacht.

Wenn sich landwirtschaftliche Züge auf der Von-Kesseler-Straße dem Bahnübergang näherten, könnten deren Fahrer den rückwärtigen, von Lindern kommenden Zugverkehr nur äußerst schlecht aus einem spitzen Winkel einsehen, sagt Cleven. Zwei Wirtschaftswege liefen zudem parallel zu den Bahngleisen. „Da gibt es überhaupt keine Hinweisschilder auf die Bahn.“ Und auch an den öffentlichen Straßen reichten seiner Meinung nach die viel zu nah an den Bahnübergang aufgestellten Tempo-10-Schilder und der Hinweis auf Zugverkehr nicht aus.

Vollends auf Unverständnis stößt in diesem Zusammenhang bei dem ehemaligen Lokführer der Umstand, dass nur ein paar hundert Meter weiter der Bahnübergang mit einer Ampelanlage versehen ist, obwohl hier nur ein einziger Wirtschaftsweg die Gleise Kreuze. „Und diese Stelle ist zudem auch noch gut einsehbar“, sagt Cleven.

Auf Nachfrage unserer Zeitung beim Betreiber der Bahn gelang es Eisenbahnbetriebsleiter Ewald Pohe, ein wenig Klarheit in die Situation zu bringen. Der Bahnübergang sei in der Tat noch nicht fertiggestellt, erklärt er. „Es gab hier noch Einwendungen im Hinblick auf Verkehrsbeziehungen wie Vorfahrtsregeln.“ Geradezu täglich erwarte man jedoch eine Genehmigung der Bezirksregierung, die es erlaube, hier Lichtzeichenanlagen und Schranken zu installieren. Sorgen zu machen brauche sich jedoch die Bevölkerung bis dahin nicht. Selbst wenn es zu einer Testfahrt mit Höchstgeschwindigkeit komme, werde der Bahnübergang durch Posten gesichert und der Triebwagenführer müsse dort anhalten.

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