Autor Walter Bienen erforscht Geschichte des Marienhauses

Autor Walter Bienen : Die Geschichte des Marienhauses erforscht

Die Historie, zu der Walter Bienen, Vorsitzender des Wassenberger Heimatvereins, dieses Mal geforscht und geschrieben hat, liegt ihm ganz besonders am Herzen. Im Marienhaus, dem sogenannten Kloster, das einst am Rande des Judenbruchs im Wassenberger Wald stand und von dem heute nichts mehr übrig ist, erblickte er vor 70 Jahren, am 12. Januar 1949, das Licht der Welt.

„Die Geschichte des Wassenberger Marienhauses – Von den Anfängen bis zum Niedergang. Ein zeitgeschichtliches Dokument“ lautet der Titel des 187 starken Werks im Format DIN A4, das Ende September erscheint. Rund dreieinhalb Jahre hat der Autor daran gearbeitet.

Schon 1984, noch während seines Studiums von Bauingenieurwesen und Germanistik für das Lehramt an Berufsbildenden Schulen in Aachen, hatte er die Idee, die Geschichte des Marienhauses etwas genauer zu ergründen. Damals nahm er bereits Kontakt auf mit einer der früher im Marienhaus lebenden und im Kindergarten des Hauses in der Oberstadt tätigen Vinzentinerin, der Kindergartenschwester Theopista.

Bereits seit 1850 habe es am Rande des Judenbruchs im Wald eine Kapelle gegeben, weiß Walter Bienen zu berichten. „Diese hatte Alexander Packenius anlässlich der Kinderkommunion seiner Tochter Maria bauen lassen. „Nach ihrer Heirat mit Oscar von Forckenbeck schloss Maria von Forckenbeck dann 1906 einen Vertrag mit dem Kölner Provinzialrat der „Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe vom Heiligen Vinzenz von Paul, Dienerinnen der Armen“, kurz Vinzentinerinnen genannt.

Ihnen wurden die Kapelle und Grundstücke übertragen. Dafür bauten sie im Folgejahr das Marienhaus, das 1908 eingeweiht werden konnte, und später zwischen Marienhaus und Kapelle noch ein so genanntes Herrenhaus. Untergebracht waren hier eine Heilstätte für katholische, alkoholabhängige Frauen, die zuvor in Mündt bei Jülich bestanden hatte und hierher verlegt wurde, sowie eine Station für ambulante Krankenpflege. Zudem betrieben die Vinzentinerinnen von hier aus je einen Kindergarten in der Unter- und in der Oberstadt.

Zum Ende des Krieges wurde im Marienhaus ein Lazarett eingerichtet, wie Bienen weiter recherchiert hat. Einige Schwestern waren geblieben, die übrigen nach Kleinwittenberg in der Nähe von Wittenberg evakuiert worden. „Als der Krieg zu Ende war, war nichts mehr da. Die Soldaten hatten alles mitgenommen“, berichtet er. Unmittelbar nach dem Krieg sei dann im Haus eine Wöchnerinnenstation eingerichtet worden, wohl auch, weil das Heinsberger Krankenhaus damals völlig zerstört gewesen sei. Diese müsse bis Ende der 1940er Jahre bestanden haben. Er selbst wurde hier im Januar 1949 geboren. Wie er hätten hier weitere rund 350 Menschen aus Wassenberg und Umgebung das Licht der Welt erblickt. Anfang der 1950er Jahre sei dann auch die Heilstätte aufgelöst worden. Entstanden seien an ihrer Stelle eine Altenpflegestation und eine Erholungseinrichtung für die Vinzentinerinnen.

1966 wurde der Gebäudekomplex noch um ein Altersheim erweitert, bei dessen Bau Walter Bienen, zu dieser Zeit beruflich als Tischler aktiv, auch selbst mit Holzarbeiten betraut war. 1973 schon habe aber die alte Kapelle wegen Bergschäden und Einsturzgefahr geschlossen werden müssen, erinnert er sich. 1977 sei dann der gesamte Komplex abgerissen worden. Das gesamte Inventar wurde zuvor nach Aachen-Forst verbracht, zum Haus Margarete, einem Alten- und Pflegheim der katholischen Schwesterngenossenschaft der Vinzentinerinnen.

„Alles, was noch irgendwie verwertbar war“, erklärt Walter Bienen, „einschließlich der Gehwegplatten.“ Heute erinnert nur noch die verbliebene Grotte, die damals im Garten des Hauses stand, an die Einrichtung. Noch bis 1991 hätten die Vinzentinerinnen aus Köln-Nippes eine ambulante Krankenstation in der Begegnungsstätte am Pontorsonplatz in Wassenberg geführt, bis diese dann als Pflegedienst der Caritas an den Gasthausbach verlegt worden sei.

In zwei Autorenlesungen wird Walter Bienen sein neues Buch vorstellen: am Dienstag, 24. September, um 18 Uhr im Naturparktor am Pontorsonplatz und am Mittwoch, 25. September, um 17 Uhr im Pfarrheim in der Oberstadt, Am Stadtrain. Vorbestellungen nimmt der Autor schon jetzt entgegen, E-Mail: walter.bienen@gmail.com.