Ausstellung zum Turiner Grabtuch

Ausstellung zum Turiner Grabtuch : Am Ende ist es eine Frage des Glaubens

„Wer ist der Mann auf dem Tuch?“ Diesen Titel hat der Malteser Hilfsdienst ganz bewusst für seine Ausstellung zum Turiner Grabtuch gewählt. Der Besucher soll sich anhand der Texte und Exponate, die noch bis zum 26. Mai in der Propsteikirche St. Georg in Wassenberg präsentiert werden, auf seine eigene Spurensuche begeben.

Jeder Besucher hat die Möglichkeit, die bislang bekannten Fakten für sich zu werten. Am Ende des Rundgangs durch das Kirchenschiff kann er sich dann die Frage selbst beantworten, ob der Mann, der in das Grabtuch eingewickelt war, tatsächlich Jesus Christus war.

Für und Wider abgewogen

Heinz Laufens ist Geschäftsführer der Malteser im Kreis Heinsberg und führt Besucher durch die Ausstellung. Er sagt: „Am Ende ist es eine Frage des Glaubens.“ Laufens hat sich intensiv mit dem Ausstellungsthema auseinandergesetzt. Er hat das Für und Wider gegeneinander abgewogen und weiß zu berichten, dass es sich bei dem Grabtuch mit größter Wahrscheinlichkeit um ein Grabtuch aus dem 1. Jahrhundert handelt. Dieses zeigt Spuren einer Geißelung. Doch ob es sich tatsächlich bei dem Mann, der in dieses Grabtuch gehüllt worden war, um Jesus Christus gehandelt hat, bei dieser Frage muss Laufens passen.

Einige Mitglieder des Malteser Ordens hätten das Grabtuch in Turin besichtigt und damals beschlossen, im Rahmen einer Wanderausstellung das Turiner Grabtuch zu den Menschen zu bringen. 2013 wurde zur Ausstellung ein kleiner Katalog gedruckt, der es ermöglicht, die Eindrücke vor Ort noch einmal zu Hause nachzulesen.

Natürlich ist in der Propsteikirche in Wassenberg nicht das echte Turiner Grabtuch zu bewundern. Ausgestellt ist neben vielen anderen Exponaten eine fotografische Reproduktion. Diese stellt sehr detailliert die Spuren dar, die der Tote auf dem Tuch hinterlassen hat.

Zu sehen ist in der Ausstellung auch eine Dornenkrone und eine dreidimensionale Darstellung des Körpers, der anhand der Abdrücke der einst nach der Kreuzigung in das Grabtuch eingeschlagenen Person angefertigt worden war. Foto: Dettmar Fischer

Beeindruckend ist eine lebensgroße Figur des Mannes, der nach einer Kreuzigung in das Grabtuch gelegt worden war. Könnte so Jesus Christus ausgesehen haben? Das Licht scheint durch die farbigen Kirchenfenster von hinten auf den Kopf der ausgestreckt daliegenden Figur, die ihre Hände im Schoß gefaltet hat. Durch die Gelenke der Hände waren die Kreuzigungsnägel gedrungen. Auch eine rekonstruierte Dornenkrone kann der Ausstellungsbesucher betrachten. Es handelt sich weniger um eine Krone, als um einen Dornenhut, der zu den Wundmalen passt, die auf dem Grabtuch zu sehen sind.

Im Katalog nachzulesen ist der Text einer Videobotschaft, die Papst Franziskus aus Anlass der Ausstellung des Turiner Grabtuches am Karsamstag des Jahres 2013 hielt. Darin heißt es: „Dieses in das Tuch eingedrückte Bild spricht zu unserem Herzen und drängt uns, den Kalvarienberg hinaufzugehen, das Holz des Kreuzes zu schauen, uns in das beredte Schweigen der Liebe zu versenken. Lassen wir uns also von diesem Blick berühren, der nicht unsere Augen sucht, sondern unser Herz. Hören wir, was er uns im Schweigen sagen will, der über den Tod selbst hinausgeht.“ Der Papst sagte weiter, durch das heilige Grabtuch gelange das eine endgültige Wort Gottes zu uns, die menschgewordene Liebe, die in unserer Geschichte Fleisch angenommen habe. Das entstellte Gesicht, das auf dem Grabtuch abgebildet wurde, gleiche den Gesichtern von Männern und Frauen, die von Kriegen und von Gewalt verletzt wurden, doch das Gesicht des Grabtuches vermittle auch großen Frieden, sagte der Papst anlässlich der Ausstellung des originalen Turiner Grabtuches 2013.

Kopie einer Fotografie

In der Wassenberger Ausstellung ist das auf dem Grabtuch abgebildete Gesicht in einer Kopie der Fotografie zu sehen, die der Hobbyfotograf Secondo Pia am 28. Mai 1898 aufgenommen hatte. Pia hatte bei einer Präsentation des Grabtuches anlässlich des 400-jährigen Jubiläums der Turiner Kathedrale die Aufnahme machen dürfen. Im Labor hatte er festgestellt, dass das Negativ der Aufnahme weitaus detailreicher war, als der Abzug. Dieses Negativ-Foto dürften viele Besucher sicherlich wiedererkennen, ging es doch als Gesicht Jesu Christi um die Welt.

Die Ausstellung „Wer ist der Mann auf dem Tuch?“ in der Propsteikirche St. Georg in Wassenberg ist bis zum 26. Mai zu besichtigen. Zu der Ausstellung werden auch zahlreiche Begleitveranstaltungen angeboten. Interessenten finden alle Angaben sowie die Möglichkeit, Gruppenführungen auch in englischer oder niederländischer Sprache zu buchen, unter www.grabtuch-wassenberg.de.

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