Ausstellung in Haus Spiess: „Zeitgelöste“ Kunst von Victor Nono

Ausstellung in Haus Spiess : „Zeitgelöste“ Kunst von Victor Nono

Victor Nono stellt im Haus Spiess seine Arbeiten aus. Der gebürtige Neusser ist nicht nur Maler und Bildhauer, er ist auch Germanist, Schriftsteller und promovierter Philosoph mit eigenem Lehrstuhl. Da kann man was erwarten. Unter dem Titel „Zeitgelöst“ hat der Künstler im Haus Spiess Bilder und Skulpturen aus verschiedenen Schaffensperioden zusammengestellt.

Den Blick des Betrachters ziehen zuerst die großen Bilder mit floralen Motiven auf sich. Sie wirken schlicht und haben doch eine besondere Tiefe, die durch eine spezielle Technik entsteht, bei der jede Farbe einzeln auf den Druckstock aufgetragen und hinzugefügt wird. Andere Arbeiten wirken wie zufällige Momentaufnahmen einer Reaktionskette, die Nono bewusst herbeiführt und zu steuern versucht. Dabei verwendet er natürliche Materialien und alkalische Stoffe, die man auf den ersten Blick nicht zwangsläufig mit Kunst in Verbindung bringen würde. Kaffee, Tee, Butter oder Rotwein. In Kombination mit bestimmten anderen Substanzen beginnen sie jedoch zu reagieren, bilden Kristalle und schaffen die Formen, deren Entstehung Nono steuert und sie dann mittels eines Harzüberzuges an dem Punkt konserviert, an dem er seinem inneren Bild am ehesten entspricht. Denn im Gegensatz zum Einsatz von Pinsel oder Quast ist die Reaktion auf der Fläche in ihrer Figurwerdung nur bedingt vorhersagbar. Die Ergebnisse laden zum Entdecken ein und schicken den Betrachter auf eine Reise in die eigene Fantasie.

Gegen die großformatigen Arbeiten treten die gerahmten Bilder im Treppenhaus durch ihre Schlichtheit hervor. Bei genauerem Hinsehen erkennt man gedruckte Blätter aus einem Buch. Es handelt sich um Seiten aus dem Roman Ulysses des irischen Autors James Joyce. Nono hat auf den Seiten das gezeichnet oder gemalt, was darauf in Worten beschrieben ist. Dies hat er mit dem gesamten Buch getan, weshalb im Laufe von über drei Jahren rund tausend der kleinen Literaturbilder entstanden. Derzeit plant er die Veröffentlichung einer ähnlich angelegten Ausgabe von Goethes Faust.

Und schon ist man unweigerlich bei der Literatur, der der Künstler ja auch durchaus erfolgreich zugetan ist. Nach der Novellensammlung „Büchlein von der Vergeblichkeit der Liebesmüh“ ist nun sein Roman „Shakespeare – muss weg!“ erschienen.

Christoph Stolzenberger von der ausrichtenden Kultur GmbH bezeichnete Nonos Kunst als vielschichtig, sie erinnere teilweise an „alchemistische Versuche“, bei denen aus einfachen Substanzen komplexe Ergebnisse generiert werden. Er freue sich auf Kunst, die „in unseren Köpfen etwas bewegen kann“, erklärte der Kulturmanager.

Der Besuch der Ausstellung im Haus Spiess ist kostenlos. Sie ist bis zum 9. Dezember samstags (15 bis 18 Uhr) und sonntags (11 bis 18 Uhr) geöffnet.

(hewi)
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