Ausschuss informiert sich über Pflegebedarf der nächsten drei Jahre

Pflegebedarfsplan : Tagespflegeplätze sind rar im Kreis Heinsberg

Mit der Pflegebedarfsplanung des Kreises Heinsberg bis ins Jahr 2022 befasste sich der Ausschuss für Gesundheit und Soziales des Kreises Heinsberg. Der Pflegebedarfsplanung liegt das Alten- und Pflegegesetz Nordrhein-Westfalen zugrunde.

Die Bedarfsplanung soll zukunftsorientiert einen Zeitraum von drei Jahren umfassen und auf der Grundlage nachvollziehbarer Parameter darstellen, ob das Angebot an Pflegeeinrichtungen den örtlichen Bedarf abdeckt oder in welcher Höhe zur Bedarfsdeckung zusätzliche Kapazitäten erforderlich sind.

Die Pflegebedarfsplanung berücksichtigt Einzelergebnisse für den jeweiligen Sozialraum. 20 solcher Sozialräume wurden für den Kreis Heinsberg festgelegt. Auch die Kommunale Konferenz Alter und Pflege des Kreises Heinsberg hat sich bereits mit dem 90 Seiten umfassenden Bericht, der die Grundlage der Pflegebedarfsplanung bilden wird, befasst. Zu diesen 90 Seiten kommen noch einmal 90 Seiten an Erläuterungen hinzu.

Wilhelm Schulze leitet die Stabsstelle Demografischer Wandel und Sozialplanung der Kreisverwaltung Heinsberg. Er unternahm den kühnen Versuch, die 180 Seiten in einer sitzungsverträglichen Kurzfassung den Ausschussmitgliedern darzustellen. Ausschussvorsitzender Dr. Hanno Kehren spendete Schulze anschließend ein dickes Lob. Der Versuch, die Arbeit des ehemaligen Pflegeplaners Volkhard Dörr verständlich darzustellen, sei gelungen.

Wilhelm Schulze verwies auf die Schwierigkeiten bei der Abfassung des Berichtes. Manches statistische Zahlenmaterial habe noch nicht vorgelegen, so dass Aushilfsquellen herangezogen worden seien. Der Beratungsbedarf steige aber auf jeden Fall an, stellte Schulze fest. Auch die Notfall-Beratungen, wenn Menschen kurzfristig in die Pflege gehen müssten, würden „gefühlt“ ansteigen. Hier gelte es aber, noch eine statistische Aufarbeitung zu leisten.

Bei der sozialraumorientierten Pflegebedarfsplanung des Kreises Heinsberg bis 2022 würden demografische Änderungsaspekte zum Tragen kommen. Am derzeitigen Stand der Gesamtbevölkerung des Kreises Heinsberg, 253 000, werde sich zwar in den kommenden Jahren nicht viel ändern. Doch die Anzahl der Menschen im Alter von 65plus werde deutlich ansteigen und zwar von 52.000 in 2018 auf 78.000 im Jahr 2040.

Das Risiko pflegebedürftig zu werden, sei in hohem Maße vom Alter abhängig. Die Zahl der Demenzerkrankungen sei schwer einzuschätzen. Auch dem Thema der „Jungen Pflegebedürftigen“ müsse man in Zukunft ein Augenmerk schenken. Darüber nachzudenken sei, ob eine zentral gelegene Einrichtung speziell für diese Menschen im Kreis geschaffen werden könnte.

Bei den Tagespflegeplätzen gebe es derzeit im Kreisgebiet ein Minus von 51, dieses werde sich bis 2022 auf 118 erhöhen. Bei Ausschreibungen in diesem Bereich sei es wichtig den Gedanken der Sozialräume nicht aufzugeben, auch wenn die Anbieter lieber nur in ihrem Verbreitungsgebiet agieren würden.

In der vollstationären Dauerpflege verzeichne man derzeit ein Plus von 314 Plätzen, dieses Plus werde sich bis 2022 auf 213 Plätze verringern. Die Kurzzeitpflege erhalte wachsende Bedeutung als Institution der Nachsorge nach dem Krankenhausaufenthalt. Eine 2017 erfolgte Ausschreibung von Kurzzeitpflegeplätzen sei aber ergebnislos verlaufen.

Sozialdezernentin Daniela Ritzerfeld verwies auf ein Manko des Pflegeberufereformgesetzes. Dieses sehe derart hohe Stundenleistungen der Auszubildenden in der Akutpflege in einem Krankenhaus vor, das man, falls keine Änderung des Gesetzes erfolge, voraussichtlich ein Drittel der Ausbildungen nicht werde abschließen können.

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