Deutsche bewegen sich zu wenig: Anreize zum Sport nicht immer reizvoll

Deutsche bewegen sich zu wenig: Anreize zum Sport nicht immer reizvoll

Wirklich überraschend war es nicht, das Ergebnis der neuesten Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Wie in anderen reichen Ländern auch, bewegen sich die Deutschen einfach zu wenig. Im Jahr 2016 seien es 42,2 Prozent gewesen, die offenbar das Sofa dem Joggingschuh vorzogen.

Deshalb, so hat sich die WHO fest vorgenommen, solle sich die körperliche Aktivität der Menschen bis 2030 deutlich steigern. Daher müssten dringend Maßnahmen getroffen und entsprechende Anreize geschaffen werden, damit sich die Menschen mehr bewegen. Wie das konkret aussehen soll, sagt die WHO allerdings nicht. Wir haben uns daher einmal bei einem örtlichen Krankenversicherer umgehört, dem naturgemäß die Gesundheit seiner Kunden am Herzen liegen sollte, der überwiegend im bewegungsarmen Büroalltag verhafteten Heinsberger Stadtverwaltung und dem Leiter einer Grundschule, der mit seinem Kollegium gleich an der Wurzel mit dem Übel konfrontiert wird.

Gesunde Versicherte kostengünstig

Wie viele ihrer Mitbewerber, hat die BKK Euregio längst erkannt, dass ein möglichst gesunder Versicherter unterm Strich weniger kostet und somit natürlich hilft, das Unternehmensmodell tragfähig zu machen. Die BKK Euregio belohnt daher mit einem Bonus besonders gesundheitsbewusstes Verhalten. „Wenn ein Versicherter die für sein Geschlecht und Alter vorgesehenen gesetzlichen Untersuchungen durchführen lässt, dann beteiligen wir uns auch an sonstigen privaten Vorsorge- und Gesundheitsmaßnahmen“, sagt stellvertretender Vorstand Thomas Graf. Gemeint sind zum Beispiel die Krebsvorsorge, ein Gesundheits-Check-Up sowie zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen, durch die der Versicherte dann einen Zuschuss von 50 Prozent bis zu einem Höchstbetrag von 200 Euro jährlich unter anderem zu den Gebühren für Fitness-Studios oder zu den Anschaffungskosten für eine Smartwatch oder eine Sportuhr erhalten kann. Darüber hinaus übernehme die BKK die Kosten zu 100 Prozent, aber maximal 200 Euro jährlich für qualitätsgeprüfte Gesundheitskurse wie Laufschulen oder Walking-Outdoor Fitness. Auch eine sogenannte Aktivwoche gehört zum Konzept. Es handelt sich um ein Angebot, das in einem einwöchigen Kurzurlaub qualifizierte Maßnahmen zur Gesundheitsförderung mit Spaß und Lebensfreude verbinden soll. Die Kosten des Therapieprogramms werden von der Krankenkasse getragen. Versicherte zahlen lediglich die Kosten für Unterkunft, Verpflegung sowie An- und Abreise.

Bei dem Versicherer scheinen derlei Anreize zur körperlichen Aktivität offenbar Früchte zu tragen. „Das Bonusprogramm wird seit 2004 angeboten und immer stärker in Anspruch genommen“, sagt Graf. „Die Teilnehmerzahl stieg von 271 Personen im Jahre 2004 auf weit über 5000 im Jahre 2017 an.“

Ein Gespräch mit Markus Deußen, der im Hauptamt der Stadt Heinsberg für das Gesundheitsmanagement zuständig ist, zeigt, dass es in der Praxis aber nicht immer so leicht ist, den Geschmack der Kollegen zu finden, wenn es um eigene sportliche Aktivität geht. In den Jahren 2016 und 2017 habe die Stadt Gesundheitstage durchgeführt. 2016 hätten unter anderem ein Kurs für Übungen am Arbeitsplatz und ein Wirbelsäulencheck im Mittelpunkt gestanden. „2017 sind wir eher in die Richtung gegangen, wie kann man nach einem stressigen Tag den Körper zurück zur Ruhe bringen. Die Nachfrage war in beiden Jahren groß.“ Später allerdings habe sich gezeigt, dass das Betriebssportangebot zur Wirbelsäulen-Gymnastik mit der Zeit abgeebbt sei. Und das, obwohl es sogar hierfür eine Arbeitszeitgutschrift gab.

„Aktuell bieten wir einen Selbstverteidigungskurs an. Zunächst für die eher gefährdeten Bereiche Sozialamt, Ordnungsamt und Jugendamt. Er dauert drei Monate mit wöchentlichem Training und läuft gut.“

Dass man schon bei den Jüngsten auf ausreichend Bewegung achten muss, weiß Thomas Heinrichs, der Leiter der Sonnenschein-Grundschule nur zu gut. „Die motorischen Fähigkeiten der Kinder sind in den letzten Jahren eklatant schlechter geworden. Das hat auch Auswirkungen auf das Schreibenlernen.“ Als er vor 16 Jahren in der Schule seinen Dienst antrat, habe es schon ein Programm mit dem Namen „Bewegte Schule“ gegeben, erinnert sich Heinrichs. „Es besagte, dass man neben dem regulären Sportunterricht immer wieder verschiedene Bewegungsphasen in den Unterricht einbauen soll, zum Beispiel Bewegungslieder, Spiele, bei denen man den Platz tauscht oder sich um den eigenen Stuhl bewegt. Je kleiner die Kinder sind, desto häufiger wird es genutzt.“ Dies sei auch eine Frage der schwindenden Konzentration im Unterricht, die auf diese Weise wieder hergestellt werden soll.

Wenn Kinder auf Kinder treffen

„Das organisierte Sporttreiben ist nicht abgefallen, aber das individuelle schon“, hat Heinrichs beobachtet. Wenn an seiner Schule die Kinder zur Teilnahme am Crosscup des Kreises Heinsberg, den Kreismeisterschaften im Mädchenfußball oder im Schwimmen aufgerufen werden, „ist der Run riesengroß“. Auch durch den offenen Ganztag werde die Bewegung der Kinder gefördert. „Kinder treffen aufeinander, die miteinander spielen. Und da, wo Kinder aufeinandertreffen, hat dies auch immer was mit Bewegung zu tun.“

Der Schulleiter selbst outet sich übrigens als „leidenschaftlicher Radfahrer“. Einmal in der Woche gehe es so durch den Kreis und das niederländische Grenzgebiet, einmal im Jahr sogar auf große Tour.